Selenski live in Zürich: «Ich wünsche mir für unser Land, so frei leben zu können wie die Schweiz»

Selenski live in Zürich«Ich wünsche mir für unser Land, so frei leben zu können wie die Schweiz»

Der ukrainische Präsident sprach am Donnerstagabend per Videoschaltung an der Universität Zürich zum Krieg in der Ukraine. Die geplante Rede liess er aus – und beantwortete dafür eine Stunde lang die Fragen des Schweizer Publikums. Das Wichtigste hier im Ticker.

von
Newsdesk

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Donnerstag, 29.09.2022
16:03

Ende der Veranstaltung

Selenski schliesst mit dem Satz, dass er sich für die Ukraine wünsche, so frei wie die Schweiz leben zu können.

Damit ist die Veranstaltung des Europa Instituts an der Universität Zürich beendet. Vielen Dank für die Aufmerksamkeit.

15:54

Wie stark dreht sich der Krieg um die Ukraine, um Europa, um die Welt?

«Nur vereint können wir kämpfen, sei es gegen eine Pandemie oder gegen einen Aggressor», sagt der ukrainische Präsident. Es sei nötig, die Institutionen weltweit so zu verändern, dass sie funktionieren. «Es ist wichtig, Länder vor der Aggression autokratischer Länder effektiv schützen zu können.»

15:51

Was werden sie Ihren Kindern nach dem Krieg erzählen?

«Der Krieg hat all unsere Kinder verändert», so Selenski. Die Kinder seien keine Kinder mehr, sondern Erwachsene. «Mein Sohn ist neun Jahre alt. Alle Eltern in der Ukraine erleben, dass ihre Kinder sie fragen: ‹Wann stirbt Präsident Putin?›», sagt Selenski. Die Russen haben den Kindern ihre Kindheit gestohlen.

15:47

Ändern die Scheinreferenden etwas?

«Nein, das ändert nicht viel», sagt Selenski. Es mache jedoch die Möglichkeit einer diplomatischen Lösung zunichte. «Wenn Putin morgen die Annexion beschliesst, wird unsere Anwort heftig ausfallen», so Selenski.

15:45

Ist die russische Regierung oder das russische Volk Schuld?

«Danke für die Frage, das ist schwierig zu beantworten», so Selenksi. Jeder Mensch habe das Recht, dort zu leben, wo er möchte. «Die Regierung trägt nicht die ganze Schuld», so der Präsident. Irgendwann seien die Leute der Regierung auch mal gewählt worden. «Wenn die Leute die Regierung nicht möchten, können sie auf die Strasse gehen», betont Selenski.

Das Volk könne nicht einfach sagen, es sei der Krieg der Regierung. «Wenn Putin von Atomwaffen spricht, gehen nicht Tausende auf die Strasse». Darum treffe das Volk auch eine Schuld.

15:39

Haben Sie sorgen um Ihre Online-Infrastruktur?

Russland sei berüchtigt, dass es immer wieder Hackerangriffe durchführe. «Fast alle unsere System wurden bereits angegriffen, doch wir konnten sie abwehren», sagt Selenski. Regierungsseiten habe man jeweils nach Angriffen schnell wiederherstellen können. Dazu habe man eigene grosse Teams, die sich mit der Materie auskennen. «Wir haben keine Angst vor Cyberangriffen», fasst der Präsident zusammen.

15:34

Wie schaffen Sie es noch, neben Russland zu leben?

Die Frage gelte eher Russland. «Wie möchte Russland mit der ganzen Welt leben, nachdem es dies alles der Ukraine angetan hat?», fragt Selenski. Der Ukraine werde es schwer fallen, Russland zu verzeihen. Vergewaltigung und Folter seien Beispiele für Taten, für welche es erst einiges an Zeit brauche, um irgendwann vielleicht verheilen zu können. «Russland wird viel zu tun haben mit seinem Volk, das unter viel Desinformation leidet. Dass wir ein Land von Faschisten sind, das befreit werden muss zum Beispiel», betont der Präsident.

15:30

Wie können Sie persönlich so optimistisch bleiben?

Der Zürcher Regierungsrat Mario Fehr befindet sich auch im Publikum und fragt Selenski, wie er es noch schaffe, so oft zu lächeln. «Wir sind immer von anderen inspiriert», so der Präsident. Seine Mitmenschen inspirieren ihn und lassen ihn positiv denken. «Wir sind froh, dass die Welt zusammensteht, um die Demokratie zu verteidigen», sagt Selenski. Auch das Lächeln und die positive Stimmung des Publikums von heute bedeute ihm viel.

15:25

Wo werden sie Ihre ersten Ferien verbringen?

Ein Student möchte wissen, wo Präsident Selenski nach dem Krieg seine ersten Ferien verbringen wird. «Ich werde nach Hause gehen», sagt dieser schlicht – und erntet Applaus.

15:12

Wie realistisch ist die Gefahr eines Atomschlags?

«Es kommt davon aus, als wie adäquat wir die russische militärische Führung einschätzen», sagt Selenski. Er spricht die Lage beim ukrainischen AKW in Saporischschja an. Dort fehlen immer noch die ukrainischen Techniker, die sich mit der Anlage auskennen – Russland habe eigene Leute gebracht. Ähnlich sei es mit Nuklearwaffen.

«Wichtig ist, dass die Reaktion des Westens klar, bestimmt und entschieden ist, damit Russland weiss, was im Falle eines Angriffs passieren würde», sagt Selenski.

15:07

Lacher im Publikum

Wegen den technischen Problemen kommt es zu einigen Lachern im Publikum. «Ich finde es schön, dass ich euch zum lächeln bringe – wir brauchen Positivität in dieser Zeit», so der ukrainische Präsident.

15:05

Selenski spricht

Die Probleme sind behoben. Selenski sagt, er sei ein bisschen perplex angesichts dessen, wie er vorgestellt wurde. Er trägt ein schwarzes Sweatshirt, auf dem gross «I'm Ukrainian» steht.

«Es geht nicht um mich, sondern um das ukrainische Volk», betont Selenski. Die Frage sei, kämpfen oder flüchten wir?

15:01

Technische Probleme

Selenski bewegt seine Lippen, aber man hört ihn nicht – es scheint Tonprobleme zu geben. Die Veranstalter versprechen, das Problem so schnell wie möglich zu lösen.

15:00

Wolodimir Selenski erscheint am Bildschirm

Der Vertreter des Europa Instituts begrüsst Selenski. Selenski sei bereits ein Kriegsheld – und eine Legende. «The floor is yours» begrüsst er den Präsidenten.

14:58

Botschafter der Ukraine spricht

Der Botschafter der Ukraine in der Schweiz, Dr. Rybchenko Artem, hält eine kurze Ansprache. Heute sei ein sehr spezieller Tag heute, so Artem. «Nur mit unseren Partnern kommen wir vorwärts», sagt der Botschafter. «Slava Ukraini!» (Ruhm der Ukraine), ruft er zum Schluss und bekommt von verschiedenen Zuhörenden Antwort.

14:54

Begrüssung

Ein Vertreter des Europa Insituts begrüsst die Anwesenden und die Stream-Zuschauer. Die Rede von Selenski werde genau eine Stunde, von 17.00 bis 18.00 Uhr dauern. Am Ende der Ansprache werde es die Gelegenheit geben, für Anwesende und Zuschauer von Hause Fragen an den ukrainischen Präsidenten zu richten.

Rede beginnt um 17.00 Uhr

Die Rede Wolodimir Selenskis ist für 17.00 Uhr geplant. Der Titel der Ansprache lautet «War in Europe and Global Security Architecture» – «Krieg in Europa und die globale Sicherheitsarchitektur». Veranstalter der Rede ist das Europa Institut an der Universität Zürich.

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