Wood-Kinder: Fachleute über Rückführung entsetzt
Aktualisiert

Wood-Kinder: Fachleute über Rückführung entsetzt

Ohne sich von ihrer Mutter verabschieden zu dürfen, sind Melissa (9) und Jamie (6) Wood nach Australien «ausgeschafft» worden. Experten sind über das Vorgehen entsetzt.

Maya Wood ist den Tränen nahe. Sie weiss nicht, wo ihre Kinder sind und wie es ihnen geht. «Ich darf nicht einmal mit ihnen telefonieren», sagte sie gestern vor den Medien.

Vor dreieinhalb Jahren war die 40-jährige Schweizerin mit gefälschten Pässen aus Australien geflüchtet, weil ein Kinderarzt ihren Mann verdächtigt hatte, Tochter Melissa sexuell missbraucht zu haben. Zurück in der Schweiz durchlebte die Familie eine Odyssee im Fahrwasser der Behörden. Die Kinder müssten zurück nach Australien – so wolle es ein internationales Abkommen, dem das Zürcher Obergericht gehorsam Folge leistete. Kinderarzt Remo Largo kann es kaum fassen: «Um ein Exempel zu statuieren, setzte sich der Staat rücksichtslos gegen das Kindswohl durch.» Auch der Kinderschutz Schweiz verurteilt die «unsinnige Ausschaffung» aufs Schärfste.

Rainer Klopfer, Präsident des Zürcher Obergerichts, informierte gestern, die Kinder seien am Wochenende «wohlauf und aufgestellt» bei ihrer Pflegefamilie in Australien angekommen. Ob Maya Wood ihren Kindern nachreist, weiss sie noch nicht: In Australien drohen ihr wegen Passfälschung zwei bis sieben Jahre Haft.

Alexandra Roder

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