Wood-Kinder wieder in Australien
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Wood-Kinder wieder in Australien

Melissa und Jamie Wood sind wieder in Australien. Die Kinder seien wohlauf und bei einer Pflegefamilie untergebracht. Sie werden vorerst von einer Schweizer Bezugsperson betreut.

Die von ihrer Mutter im Juni 2001 in die Schweiz entführten Kinder wurden in einer aussergewöhnlichen Aktion des Zürcher Obergerichts am vergangenen Wochenende nach Australien zurückgeführt, wie Obergerichtspräsident Rainer Klopfer am Dienstag bekannt gab.

Die Rückführung der neun- beziehungsweise siebenjährigen Kinder erfolgte in Absprache mit der Zürcher Vormundschaftsbehörde und den australischen Behörden, wie Klopfer an einer Medienkonferenz in Zürich sagte. Die Kinder seien wohlauf und bei einer Pflegefamilie untergebracht. Sie werden vorerst von einer Schweizer Bezugsperson betreut. Klopfer betonte, es sei darum gegangen, eine von Gerichten rechtskräftig angeordnete Rückkehr der Kinder durchzusetzen. Der Gerichtspräsident zeigte sich verärgert, dass die Mutter dies trotz hochkompliziertem schweizerischem Vollstreckungssystem verhindern konnte. «Das darf so nicht sein, hier besteht gesetzgeberischer Handlungsbedarf», sagte er. Die Leidtragenden seien, wie so oft, die Kinder, die seit drei Jahren nicht zur Ruhe gekommen seien.

Der Versuch, zwischen den Eltern eine gütliche Einigung herbei zu führen, scheiterte laut Oberrichterin Annegret Katzenstein. Das Paar habe sich während eines Besuchs des Mannes in den vergangenen Wochen in Zürich getroffen und sich gegenseitig respektvoll behandelt. Sie hoffe, dass die beiden künftig in Kontakt blieben und ihre gemeinsame Verantwortung für das Wohlergehen und die Erziehung der Kinder einigermassen wahrnähmen. Katzenstein bedauerte, dass die Mutter ihre eigene Rückkehr nach Australien verweigert, obwohl ihr das Obergericht die Reise bezahlen würde. Die Frau befürchte dort eine längere Gefängnisstrafe wegen Passfälschungen, sagte Oberrichter H. Andreas Müller. Dies sei aus Zürcher Sicht aber eher unwahrscheinlich.

Die Affäre hatte nicht nur das Zürcher Obergericht, sondern auch das Walliser Bezirksgericht Goms, das Obergericht des Kantons Aargau und mehrmals das Bundesgericht beschäftigt. Auch australisches Instanzen hatten sich mit der Angelegenheit befasst und dabei unter anderem den Verdacht als unbegründet erachtet, das Mädchen sei vom Vater sexuell missbraucht worden. Das Zürcher Obergericht als oberste kantonale Justizverwaltungsbehörde vollstreckte letztlich einen Rückführungsentscheid des Aargauer Obergerichts. Zuvor hatte der Stadtammann des Zürcher Stadtkreises 6 laut Klopfer auf Druck der Mutter und deren Umfeld die Rückführung nicht ausgeführt. (dapd)

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