14.09.2020 11:31

Loterie RomandeWortkombination in Lotto-Rätsel ergibt «vergaster Jude»

Eine Wortkombination auf einem Rubbellos schockiert den Käufer und eine Antisemitismus-Organisation. Loterie Romande spricht von einem «unglücklichen Zufall», entschuldigt sich und sagt, sie habe Massnahmen ergriffen.

von
David Ramseyer
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Auf einem Top-Secret-Schein der Loterie Romande tauchen die Begriffe «Jude» und «vergast» auf. 

Auf einem Top-Secret-Schein der Loterie Romande tauchen die Begriffe «Jude» und «vergast» auf.

20 Minutes
Johanne Gurfinkiel von der  Coordination Intercommunautaire Contre l’Antisémitisme et la Diffamation (CICAD) glaubt dabei nicht an einen Zufall.

Johanne Gurfinkiel von der Coordination Intercommunautaire Contre l’Antisémitisme et la Diffamation (CICAD) glaubt dabei nicht an einen Zufall.

Keystone
Erwartet von der Loterie Romande eine Erklärung und eine Entschuldigung.

Erwartet von der Loterie Romande eine Erklärung und eine Entschuldigung.

Keystone

Darum gehts

  • Ein Leser-Reporter entdeckte auf seinem Rubbel-Los die Wortkombination «Jude» und «vergast».
  • Die Genfer Organisation Coordination Intercommunautaire Contre l’Antisémitisme et la Diffamation (CICAD) zeigt sich empört und verlangt eine Erklärung.
  • Laut Loterie Romande werden die Wörter aus einem Pool von über 100’000 Wörter ausgesucht. Es handle sich um einen unglücklichen Zufall.

«Allgemein taucht der Begriff ‹Jude› regelmässig in Kreuzworträtseln auf. Aber mit ‹vergast› assoziiert, ist das ziemlich merkwürdig …» Leser-Reporter Marc erinnert sich daran, wie er sein Top-Secret-Lottoschein am 4. September an einem Kiosk in Thônex GE kaufte. Bei Top Secret, einem Spiel der Loterie Romande, kombiniert man Symbole und Buchstaben, um Wörter in einem Raster zu erhalten. Zu gewinnen gibt es bis zu 250’000 Franken.

Die Kombination der Worte auf dem Schein schockierte den 40-Jährigen, der selber nicht jüdischen Glaubens ist. «Wenn das Absicht war, darf man das nicht einfach durchgehen lassen. Wenn es unbeabsichtigt war, darf das nicht wieder passieren.» Dies natürlich vor dem Hintergrund des Holocaust-Schreckens. Während des Zweiten Weltkrieges vernichtete das Nazi-Regime mehr als fünf Millionen Juden in seinen Todeslagern, die unter anderem in Gaskammern ermordet wurden.

Mit der Sache konfrontiert, zeigt sich die Genfer Organisation Coordination Intercommunautaire Contre l’Antisémitisme et la Diffamation (CICAD), die gegen Antisemitismus und Verunglimpfung von Juden kämpft, «erstaunt». Auf einem Raster von nur 16 Wörtern sei das Auftreten von «Jude» und «vergast» «sicher nicht ein Produkt des Zufalls», so der CICAD-Generalsekretär. Angesichts dieser «skandalösen» Kombination will es Johanne Gurfinkiel nicht darauf belassen: «Wir erwarten von der Loterie Romande eine Erklärung, wie es dazu kommen konnte und wir erwarten ein baldiges Treffen.»

Tickets zurückgezogen

Loterie Romande entschuldigte sich. «Wir bedauern zutiefst das Vorhandensein dieser beiden Worte auf einem Rubellos und möchten uns bei der gesamten jüdischen Gemeinde zutiefst und aufrichtig entschuldigen, sowie bei allen, deren Gefühle verletzt worden sind», so Danielle Perrette, Kommunikationschefin von Loterie Romande. «Wir stehen der CICAD für ein Treffen zur Verfügung.»

Die Lottogesellschaft versichert jedoch, dass die beiden Begriffe nicht absichtlich nebeneinander gestellt wurden. Ein «unglücklicher Zufall» sei die Wurzel des Problems. Die Raster würden von einem Algorithmus erstellt – und dies per Zufallsprinzip, indem er aus mehr als 100’000 Wörtern im Wörterbuch auswählt. «Wir haben alle Massnahmen ergriffen, um sicherzustellen, dass sich so etwas nicht wiederholt. Die Begriffe ‹Jude› und ‹vergast› wurden aus der Liste der auswählbaren Wörter gestrichen.» Darüber hinaus habe Loterie Romande die Serie Scheine, zu der das beanstandete Los gehört, vom Verkauf zurückgezogen.

(ore)

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