Aktualisiert 23.04.2012 15:06

Feuerball über Nevada

«Wow! Was für ein Anblick»

Eine gewaltige Explosion hat viele Menschen im Südwesten der USA aufgeschreckt. Laut Astronomen ist ein Meteor beim Eintritt in die Erdatmosphäre explodiert. Augenzeugen waren überwältigt.

Meteorschweif über Nevada: Eine laute Explosion hat am Sonntag die Bewohner in der Region aufgeschreckt. (Bild: ktvn.com)

Meteorschweif über Nevada: Eine laute Explosion hat am Sonntag die Bewohner in der Region aufgeschreckt. (Bild: ktvn.com)

Ein leuchtender Feuerball und laute Explosionsgeräusche am Himmel über der Sierra Nevada haben am Sonntag viele Menschen in Teilen der US-Staaten Nevada und Kalifornien beunruhigt. Astronomen teilten mit, vermutlich sei ein Meteor im Luftraum über der Sierra explodiert.

Wahrscheinlich habe es sich um einen Meteor gehandelt, der südwestlich von Reno über der Erde zerbrochen sei, sagte eine Meteorologin der Nationalen Wetterbehörde der «Los Angeles Times». Der Himmelskörper könnte Teil des jährlich um diese Zeit auftretenden Sternschnuppen-Schwarms der Lyriden gewesen sein.

Möglicherweise sei der Schwarm dichter oder die einzelnen Meteore grösser gewesen, sagte ein weiterer Meteorologe der Nationalen Wetterbehörde. Andere Experten gingen von einem einzelnen Meteor aus. «Er kam wahrscheinlich nur zufällig zum selben Zeitpunkt», sagte Dan Ruby vom Planetarium der Universität von Nevada dem Lokalsender «KTVN Channel2».

Der in vielen Farben funkelnde Feuerball war gemäss Berichten von Augenzeugen zwischen Winnemucca im Norden des Bundesstaats Nevada bis südlich nach Las Vegas und westlich bis an die Küste Kaliforniens zu sehen. Der Knall sei gut zu hören gewesen, sogar Häuser sollen gewackelt haben.

So gross wie eine Waschmaschine

Zahlreiche Menschen meldeten sich US-Medienberichten zufolge aufgebracht bei Polizei und Feuerwehr. «Die Explosion hat sich angehört, als wäre sie direkt nebenan», sagte Erin Girard-Hudson aus der Nähe von Sacramento dem «San Francisco Chronicle». «Es hat mich umgehauen und das Haus hat sich bewegt.» Ihre zweijährige Tochter habe angefangen zu weinen.

«Ich habe den grossen Knall in Nevada gehört und dachte erst an einen Autounfall», schrieb eine Frau beim Kurznachrichtendienst Twitter. Ein Erdbeben gab es nach Angaben der geowissenschaftlichen Behörde der USA zu diesem Zeitpunkt in der Region nicht.

«Wenn Meteore zerbrechen, dann geschieht das mit einem lauten explosionsartigen Knall», sagte Planetariumssprecher Ruby. «Wahrscheinlich war er ungefähr so gross wie eine Waschmaschine.» Teile davon könnten auf die Erde gestürzt sein, allerdings seien diese dann so klein, dass sie schwer zu finden sein würden.

«Was für ein Anblick»

Es sei aussergewöhnlich, dass das Ereignis bei Tageslicht gut sichtbar gewesen sei, schrieb Robert Lunsford von der Amerikanischen Meteor-Gesellschaft auf der Webseite der Organisation. Zuvor hatten sich dort rund 20 Augenzeugen gemeldet.

«Ich war zu Hause und trank meinen Frühstückskaffee, als ich den Feuerball sah», berichtete etwa eine Frau aus Walnut Creek in Kalifornien. «Wow! Was für ein Anblick.»

Videos: News-Berichte über Ereignis (YouTube) (sda)

Gruss aus dem All

Meteoriten handelt es sich um nicht vollständig verglühte kosmische Brocken, die auf der Erde einschlagen. Diese Trümmer aus dem Weltall können von Kometen, Asteroiden oder anderen Planeten abgesprengt worden sein.

Meteor oder Sternschnuppe genannt. Sie wird ausser von Meteoriten auch von vollständig verglühenden Partikeln aus dem All verursacht.

Sternschnuppen können gut am klaren Nachthimmel beobachtet werden, sehr selten sind sie aber auch tagsüber zu sehen. Sie treten nicht nur sporadisch auf, sondern auch in Schwärmen wie die Lyriden oder die Perseiden. Auch besonders helle Objekte - sogenannte Boliden oder Feuerkugeln - sind keine Seltenheit.

Gewöhnliche Sternschnuppen sind als Kleinstmeteoriten oft nur wenige Milligramm schwer und nur kurz zu sehen. Grosssternschnuppen ziehen dagegen eine Leuchtspur, die je nach Grösse bis zu fünf Sekunden weithin sichtbar sein kann. Je nach Zusammensetzung unterscheiden Forscher zwischen Eisen- und Steinmeteoriten.

Pro Jahr erreichen nach Expertenschätzungen mehr als 19 000 Meteoriten von einer Masse über 100 Gramm die Erdoberfläche und hinterlassen bei einem Einschlag zum Teil tiefe Krater. Die meisten dieser Himmelskörper stürzen aber ins Meer oder auf unbewohntes Gebiet.

Hobby-Astronomen haben nur alle paar Jahre die Chance, einen der bis zu 180 000 Stundenkilometer schnellen Meteoriten am Himmel zu beobachten. Der bislang grösste Meteorit wurde 1920 in Namibia gefunden, der Eisenmeteorit wiegt etwa 55 Tonnen.

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