Aktualisiert 19.10.2012 17:36

Neue ErkenntnisseWozu der Rekordsprung sonst noch gut war

Der Baumgartnersche Sprung stellt sich als Segen für die Wissenschaft heraus. Die gesammelten Daten helfen bei der Entwicklung neuer Raumanzüge und Rettungssysteme für den Weltraum.

Der Wüstenstaub von New Mexico hat sich nach der Landung des «furchtlosen Felix» inzwischen gelegt. Doch auch gut sechs Tage nach dem Rekordsprung des in Arbon TG wohnhaften Österreichers sorgt das Abenteuer noch mächtig für Wirbel - auch in der Welt der Wissenschaft.

So brütet die Wissenschaft nach der Aktion des Extremsportlers über die Auswirkungen, die wahnwitzige Geschwindigkeiten und Höhen auf den menschlichen Körper haben können. Dabei könnten neue Erkenntnisse herauskommen, die zur Entwicklung verbesserter Raumfahrtanzüge, neuer Trainingsmethoden und medizinischen Behandlungsansätzen führen könnten.

Beim Gedanken an Baumgartners Wagemut gerät NASA-Ingenieur Dustin Gohmert ins Schwärmen. Die Mission habe «für uns alle eine gute Grundlage» zur Verbesserung der Überlebenschancen von Astronauten, Weltraumtouristen sowie Piloten und Passagieren in extremen Höhenlagen gelegt, sagt er.

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Jahrzehntelange Tüfteleien

Schon seit Jahrzehnten tüftelten Wissenschaftler etwa an autonomen Rettungssystemen für den Weltraum. Seit sich Joe Kittinger 1960 aus 31 Kilometern Höhe in die Tiefe stürzte, jedoch mit einem Tempo von 988 Stundenkilometern die Schallgeschwindigkeit verfehlte, gab es dazu keine nennenswerten Fortschritte zu vermelden.

Mit Baumgartners Rekordsprung aus einer Höhe von etwa 39 Kilometern könnte sich das nun ändern. Dass der Extremsportler dabei mit einem viel höheren Wert als Mach 1 (Verhältnis der Fluggeschwindigkeit zur Schallgeschwindigkeit in der Luft) die Schallmauer durchbrach, lässt vor allem den früheren NASA-Chirurgen Jonathan Clark frohlocken.

«Das war Mach 1,24, was wirklich sehr viel ist. Das ist viel höher, als wir es jemals erwartet hätten. Dadurch haben wir viel über Geschwindigkeiten und Höhen gelernt.» Clark leitete das Ärzteteam um Baumgartner. Sie seien immer noch dabei, alle Daten zu analysieren, die die Sensoren von Baumgartners Körperströmen gesammelt hätten, sagt der Mediziner.

Als lehrreich könnte sich auch Baumgartners Körperhaltung erweisen. So geriet der Extremsportler während des Sprungs für etwa 40 Sekunden ins Trudeln, bevor er sich wieder aufrichtete. Für Unternehmen wie Virgin Galactic, die Raumschiffe für Touristenreisen ins Weltall entwickeln, könnte sich diese Technik als hilfreich entpuppen. Denn solche Konzerne sollten ihren Kunden auch einen Notfall-Plan anbieten können.

Der Rekordsprung aus Felix Baumgartners Perspektive. (Video: PD) (sda)

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