3 mit Sex - «WTF, wurde ich grad sexuell belästigt?»
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3 mit Sex«WTF, wurde ich grad sexuell belästigt?»

Welche Frau kennt es nicht: Unangenehme Sprüche unter der Gürtellinie, eine Hand, wo sie nicht sein sollte oder subtile Drohungen, um sexuelle Gefälligkeiten zu erpressen. Auch Bruce hat solche Dinge schon erlebt.

von
Bruce
Zora Schaad
Meret Steiger
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Bruce wurde im Ausgang von einer betrunkenen Bekannten angegrabscht. 

Bruce wurde im Ausgang von einer betrunkenen Bekannten angegrabscht.

Illu: Anna Deér
Sie ist Single mit wechselnden Liebschaften. Verliebt sich wahllos. Sucht Mr. Right und vertreibt sich die Zeit mit amourösen Fettnäpfchen und seltsamen Begegnungen zwischen feuchten Laken.
Ella

Sie ist Single mit wechselnden Liebschaften. Verliebt sich wahllos. Sucht Mr. Right und vertreibt sich die Zeit mit amourösen Fettnäpfchen und seltsamen Begegnungen zwischen feuchten Laken.

Illu: Anna Deér
Er ist ein schwuler Designer aus dem Aargau, WG-Mami und wilder Single, der gut mit Hammer und Nägeln umgehen kann. Insgeheim hat Lars aber genug davon, inner- und ausserhalb des Betts immer den aktiven Part zu übernehmen.
Lars

Er ist ein schwuler Designer aus dem Aargau, WG-Mami und wilder Single, der gut mit Hammer und Nägeln umgehen kann. Insgeheim hat Lars aber genug davon, inner- und ausserhalb des Betts immer den aktiven Part zu übernehmen.

Illu: Anna Deér

Darum gehts

  • In der WG diskutieren Bruce, sein Kollege Lukas und dessen Freundin über #MeToo und sexuelle Belästigung.

  • Julia erinnert sich an ein unangenehmes Erlebnis mit einem neuen Chef.

  • Bruce denkt an einen Abend zurück, an dem ihm eine betrunkene Bekannte zu nahe gekommen ist.

  • Er fragt sich, ob er dort eigentlich sexuell belästigt wurde – und ob sein Schweigen danach Teil des Problems ist.

Mit #MeToo sind sexuelle Belästigung und sexualisierte Gewalt ins Bewusstsein von uns allen gerückt. Sexistische Boomer ärgern sich seither über sensible «Snowflakes» und verunsicherte Machos fragen: «Was darf ich denn überhaupt noch?» Frauen berichten im Freund*innenkreis offener über haarsträubende Erlebnisse. So auch kürzlich Julia bei uns in der WG. «Nach meinem ersten Meeting im neuen Job kam der Typ zu mir, hat sich vorgestellt und dann gesagt, er würde mich heute Abend gerne in seinem Büro sehen. Als ich fragte, worum es gehe, schaute er demonstrativ auf meine Brüste und meinte, er würde gerne zwei schöne Dinge besprechen», erzählte Julia, die Freundin meines Kollegen Lukas.

Lukas war empört. «So ein Riesenarschloch!» «Das Problem ist, dass du in einem solchen Moment gar nicht weisst, was du sagen sollst», meinte Julia. «Du bist nicht sicher, ob er das jetzt wirklich so gemeint hat. Wenn du es ansprichst, dementiert er und die ganze Situation wird unendlich peinlich. Und während du da stehst und überlegst, vergeht der Moment und du stehst da wie ein Vollidiot.»

«Bis heute ist mir die Situation irgendwie peinlich»

Ich überlegte. Julias Beschreibung erinnerte mich an eine Situation, die ich vor einem Jahr erlebt hatte. Ich war an einer Sitzung der Agentur und ein neuer Partner meines Produzenten war auch dabei, um mich kennenzulernen. Auf dem Sitzungstisch stand so ein Fake-Mikro und als niemand hinschaute, machte er mit dem Mikro das, was er in seinem einsamen Leben sonst wohl nur alleine vor dem Fernseher macht. Ich war so irritiert über seine Handbewegungen, dass ich nichts sagte. Und bis heute ist mir die Situation irgendwie peinlich.

«Das Problem ist halt auch, dass sowas meistens unerwartet passiert», fuhr Julia fort. «Oder dass es im ersten Moment gar nicht unangenehm ist?», warf ich ein. «Wie meinst du das?!», schnaubte sie. «Dass wir solche primitiven Anmachen geniessen?» Lukas war noch empörter. «Nun ja», versuchte ich mich zu erklären. «Ich war mal im El Paso und dann kam eine entfernte, sehr besoffene Bekannte zu mir – die überhaupt nicht mein Typ ist – und fing an, mit mir rumzumachen und mir an den Arsch zu fassen. Ich hab etwa fünf Sekunden intuitiv mitgemacht und sie dann weggedrückt. Und als sie es nochmals gemacht hat, etwas deutlicher. Ich fand ihr Verhalten überhaupt nicht schlimm, im ersten Moment empfand ich es sogar als Kompliment. Aber eigentlich wollte ich das nicht.» Lukas meinte, es sei nicht das Gleiche, wenn ein Mann belästigt werde. Schliesslich sei ich ja stärker als sie und damit immer Herr der Lage. Julia fand mein Beispiel trotzdem gut. «Natürlich ist es schlimmer, wenn du Angst haben musst oder in einer Abhängigkeit stehst. Aber nice ist es trotzdem nicht, wenn du in eine Situation gebracht wirst, in der jemand deine Grenze überschreitet.»

«Können Männer sexuell belästigt werden? Ja klar!»

Uff, Julia hatte mich aus der unangenehmen Situation gerettet, in die ich mich eben selbst manövriert hatte. Ich bin aber immer noch nicht sicher, was ich über mein Erlebnis im El Paso denken soll. Können Männer sexuell belästigt werden? Ja, klar. Ist es nur dann daneben, wenn man die Bemerkungen oder ungewollten Berührungen selbst schlimm findet? Eigentlich nicht. Aber was ist, wenn man nichts sagt? Wird man dann nicht irgendwie selbst Teil des Problems?

«Also jedenfalls ist das eigentlich egal.» Julia beendete die Diskussion. «Wenn du kein A***loch bist, checkst du zuerst ab, bevor du einen Move oder einen Spruch machst. Dann müssten wir uns auch nicht mehr überlegen, wie wir am besten reagieren.» Recht hat sie.

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Du-bist-du.ch, Beratung und Informationen

Lilli.ch, Informationen und Verzeichnis von Beratungsstellen

Milchjugend, Übersicht von Jugendgruppen

Elternberatung, Tel. 058 261 61 61

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Sex-WG

3 mit Sex

Ella, Lars und Bruce heissen in Wirklichkeit gar nicht so, und auch einige Angaben sind geändert. Wahr ist aber, dass sie leidenschaftlich gern durch die Keller und Clubs der besten Stadt dieses Landes tanzen. Die drei Singles lieben Techno, Rührei und die stabilen Betten ihrer WG. Und sie wissen: Falls sie sich je zu dritt darin vergnügen, ist das das Ende von allem – oder der Beginn von etwas noch Grösserem. 20 Minuten erzählen sie exklusiv von ihren Abenteuern.

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