Aktualisiert 23.09.2011 14:22

Welthandel WTO warnt vor «zerstörerischer Spirale»

Die Welthandelsorganisation (WTO) korrigiert ihre Prognosen für den weltweiten Handel nach unten. Gleichzeitig warnt sie vor zu viel Protektionismus der einzelnen Länder.

Die Welthandelsorganisation (WTO) hat am Freitag ihre Wachstumsprognose für den weltweiten Handel 2011 nach unten korrigiert. Sie geht von einem Wachstum von 5,8 Prozent aus, nachdem sie davor mit plus 6,5 Prozent gerechnet hatte und warnt vor einer «Spirale des Protektionismus».

Das Exportwachstum der Industrienationen wird bei 3,7 Prozent, dasjenige der Schwellen- und Entwicklungsländer bei 8,5 Prozent erwartet, präzisierte die WTO am Freitag. Diese Prognose basiert auf einer Zunahme des weltweiten BIP von 2,5 Prozent im Jahr 2011.

Im Vergleich: 2010 ist der Welthandel um 14,1 Prozent gestiegen. Dieser Anstieg steht indes im Kontrast zum massiven Rückgang 2009 mit einem Minus von 12,1 Prozent und einer Quasi-Stagnation von 2,3 Prozent 2008.

Die Weltwirtschaft sei langsamer gewachsen, als man noch vor einigen Monaten erwartet habe. Zudem seien die Aussichten mehr und mehr unsicher, begründeten WTO-Ökonomen die Prognose.

Seit der Publikation der ersten Hochrechnungen für das Jahr 2011 am 22. April sei die Weltwirtschaft starken Gegenwinden ausgesetzt gewesen: Die Nachwirkungen des Erdbebens und des Tsunamis in Japan, das Haushaltsdefizit der USA und die Abwertung ihrer Bonität sowie die Schuldenkrise in der Eurozone.

Zerstörerische Spirale

Enttäuschende Produktionszahlen und der tiefe Beschäftigungsgrad hätten das Vertrauen der Unternehmen und der Konsumenten zusätzlich gedämpft und die Turbulenzen auf den Weltmärkten angeheizt. Und eine neuerliche Dämpfung der Weltwirtschaft könne eine «zerstörerische Spirale des Protektionismus» herbeiführen, warnt die Organisation.

«Das multilaterale Wirtschaftssystem war in der Krise ein wichtiges Instrument, um die Offenheit im Handel aufrechtzuerhalten. Damit wurden noch schlechtere Ergebnisse vermieden», sagte WTO-Direktor Pascal Lamy anlässlich der jährlichen Versammlung der Weltbank und dem Internationalen Währungsfonds (IWF) in Washington.

Die Mitgliedstaaten müssten weiterhin sehr vorsichtig sein. «Es ist nicht die Zeit für Alleingänge», warnte er. Es sei der Moment das globale Wirtschaftssystem zu stärken, damit diese wichtige Funktion auch in Zukunft erhalten bleibe.

Grosse Unsicherheiten

Die WTO-Ökonomen aber halten fest, dass ihre Prognosen von grossen Unsicherheiten geprägt seien. Abwärtsrisiken bestünden, eine mögliche Erholung sei dennoch möglich, wenn die zuständigen Politiker eine Lösung für die Schuldenkrise in Europa fänden.

Auf der anderen Seite könnten unkluge Entscheidungen das Problem verschärfen und zu einer weit grösseren Instabilität führen, als die Krise in Folge der Lehman-Brothers-Pleite mit sich brachte, so die Welthandelsorganisation. (sda)

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.