Paulo Sousa: «Wünschen uns, 2015 die Meisterschaft zu holen»
Aktualisiert

Paulo Sousa«Wünschen uns, 2015 die Meisterschaft zu holen»

Trainer Paulo Sousa reitet derzeit mit dem FC Basel auf einer Erfolgswelle. Mit 20 Minuten zieht der 44-jährige Portugiese nach sechs Monaten eine erste Bilanz.

von
Adrian Hunziker
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Paulo Sousa ist bei seinen Trainerjobs mit viel Leidenschaft und Liebe aktiv. Das zeigt der Portugiese auch immer wieder an der Seitenlinie.

Paulo Sousa ist bei seinen Trainerjobs mit viel Leidenschaft und Liebe aktiv. Das zeigt der Portugiese auch immer wieder an der Seitenlinie.

Keystone/urs Flueeler
Mit dem FC Basel reitet der 44-Jährige gerade auf einer Erfolgswelle. In der Super League ist der FCB souverän Leader und in der Champions League treffen die Basler im Achtelfinal auf Porto.

Mit dem FC Basel reitet der 44-Jährige gerade auf einer Erfolgswelle. In der Super League ist der FCB souverän Leader und in der Champions League treffen die Basler im Achtelfinal auf Porto.

Keystone/AP/Jon Super
Auch Sousas Familie hat sich sehr gut in der Schweiz eingelebt. Deshalb kann der Trainer «derzeit nicht glücklicher sein».

Auch Sousas Familie hat sich sehr gut in der Schweiz eingelebt. Deshalb kann der Trainer «derzeit nicht glücklicher sein».

Keystone/Peter Powell

Paulo Sousa, wie feiern Sie Silvester?

Paulo Sousa: Ich verbringe Silvester mit meiner Familie in der Schweiz. Wir werden viel tanzen und Party machen, darauf freue ich mich.

Was wünschen Sie sich persönlich für 2015?

Persönlich wünsche ich mir Liebe und Glück für alle. Liebe gibt dir Harmonie und Stärke, die du für den Alltag brauchst. Ich habe das Glück, von meiner Familie und meinem Team unterstützt zu werden. Beruflich wünschen wir uns alle, die Meisterschaft zu gewinnen.

Was bedeutet Ihnen persönlich Fussball?

Ich kann nicht unterscheiden zwischen Protagonist und privater Person. Fussball heisst für mich Liebe und Leidenschaft. Diese Leidenschaft hat bei mir schon früh begonnen. Das Leben gab mir die Möglichkeit – dafür bin ich Gott jeden Tag dankbar –, das zu tun, was ich liebe und gleichzeitig dafür bezahlt zu werden.

Denn nicht alle Menschen erhalten diese Möglichkeit und entwickeln diese Leidenschaft. Denn je mehr Leidenschaft wir verspüren, in dem was wir tun, desto besser werden wir. Darum sage ich meinen Spielern immer wieder, sie sollen glücklich sein und das jeden Tag zeigen, denn sie können nicht für immer Fussballer sein. Deshalb sollen sie diese Momente geniessen.

Ihre Leidenschaft ist also gleich gross, egal, ob Sie Spieler waren oder nun Trainer sind?

Die Leidenschaft ist immer gleich und immer noch sehr stark, ich liebe Fussball. Es ist ein riesiger Teil meines Lebens und nimmt immer mehr Zeit ein. Glücklicherweise unterstützt mich meine Familie dabei.

Bei Ihrem FCB-Amtsantritt sprachen Sie von Spass-, Offensiv- und Spektakel-Fussball, den Sie zeigen möchten. Sind Sie ein Offensiv-Coach?

Ich bin ein Trainer, der sich an seine Spieler anpasst, um das Maximum zu erreichen, individuell und im Kollektiv. Bei den anderen Klubs, bei denen ich arbeitete (Queens Park Rangers, Swansea City, Leicester City, Videoton, Maccabi Tel Aviv, Anm. d. Red.) war mein Vorgehen immer anders, denn die Teams hatten unterschiedliche Niveaus und andere Ziele. Ich bin aber ein Trainer, der das Risiko auf dem Fussballplatz liebt und der ein Protagonist ist. Als risikobereiter Protagonist musst du dich enttarnen, denn ich will attackieren und möglichst viele Tormöglichkeiten kreieren. Ich erachte Ihre Frage also als richtig, in dem Sinne, dass ich zum Amtsantritt offensiv spielen wollte. Denn wenn ich mich nicht täusche, hatte Real Madrid als bester Wert in der diesjährigen Champions League in einem Spiel 27 Tor-Versuche. Wir hatten im St.-Jakob-Park gegen die Königlichen 22. Wenn Sie also auf die Offensiv-Kraft anspielen, dann bin ich sehr froh, denn dafür arbeiten wir viel.

Die Champions League sei ein erster Gradmesser in der Entwicklung, die Sie mit dem FCB durchmachen wollen, sagten Sie einmal. Wie weit ist das Team in diesem Prozess?

Der Gradmesser ist nicht nur die Champions League, sondern jedes Spiel. Denn jede Partie zeigt dir, wo du in Sachen Wettbewerbsfähigkeit stehst. In der CL kommt es zum Vergleich mit europäischen Topklubs. Das zeigt auf, wo man noch weiterarbeiten und was man anpassen muss. In einem Prozess hat man immer Raum, sich weiterzuentwickeln und stärker zu werden. Am Anfang steht eine Basis, ein Spiel-Modell, das aber den Spielern die Freiheit lässt, sich individuell auszudrücken. Das gibt einem die Möglichkeit zu wachsen. Es ist alles eine Einstellungssache. Wenn man will, dann klappt das. Das sage ich auch den Spielern immer wieder: Wir haben noch Platz, dass wir individuell und im Kollektiv sowohl professionell als auch persönlich wachsen. Trainer werden immer an den Resultaten gemessen. Trotzdem wird der erwähnte Prozess aber nicht gestoppt oder beendet.

Was möchten Sie in den nächsten Monaten bei Ihrer Mannschaft ändern?

Mehr als ändern möchte ich hinzufügen. Denn «ändern» hat für mich die Bedeutung, dass man es zuvor nicht richtig gemacht hat. Es gibt immer Schwierigkeiten, deshalb versuchen wir, konstanter zu werden, in den Aspekten, die wir bereits gut machen. Wir möchten uns dort verbessern, wo wir noch Potenzial zur Steigerung haben. Wir verfolgen Ziel um Ziel.

Können Sie konkrete Aspekte ansprechen, die Ihnen in der Vorrunde nicht gefallen haben und die Sie in der Rückrunde verbessern wollen?

Nein, es gibt keine spezifischen Aspekte. Ich bin als neuer Coach hierher gekommen, habe neue Ideen eingebracht, es gab eine neue Art von Führung, neue Methoden und ich habe meine eigenen Vorschläge für das Spiel und fürs Training angebracht. Die Umsetzung, aber auch die Wahrnehmung von Seiten der Spieler, der Fans und der Journalisten braucht Zeit. Wie alle, die etwas Neues beginnen, haben wir schwierige Momente durchgemacht, aber wir haben es geschafft, diese Herausforderungen anzunehmen und Erfolg zu erzielen. Darüber bin ich sehr froh. Kritik, wie sie beispielsweise nach dem CL-Spiel in Madrid aufkam, gehört zum Entwicklungsprozess, das gehört zum Spiel.

Sie sind nun knapp ein halbes Jahr in der Schweiz. Haben Sie diesen Schritt je bereut?

Ich bin keine Person, die Entscheidungen bereut. Ich bin einer, der bei Schwierigkeiten Lösungen sucht. Es war kein einfacher Start beim FCB, da der Klub so gute Resultate aufzuweisen hat, und die Erwartungen sind nach diesen Erfolgen so hoch. Das bedeutete viel Druck für mich, aber ich mag diese Art von Herausforderungen, denn diese lassen mich wachsen. Derzeit könnte ich nicht glücklicher sein. Auch meine Familie hat sich bereits gut integriert und ist ebenfalls glücklich.

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