Facebook-Streit: «Würde aufpassen, wen du als Lügner bezeichnest»
Aktualisiert

Facebook-Streit«Würde aufpassen, wen du als Lügner bezeichnest»

Beschimpfungen und Unterstellungen: Zwei Berner Stadträte schreiben sich auf Facebook in Rage. Als «Gehässig und problematisch» bezeichnet ein Politikexperte ihre Diskussion.

von
Mira Weingartner
BDP-Stadtrat Philip Kohli und SP-Ratskollege David Stampfli kriegten sich in die Haare.

BDP-Stadtrat Philip Kohli und SP-Ratskollege David Stampfli kriegten sich in die Haare.

Zwei Berner Stadträte beschimpfen sich auf Facebook und werfen sich Lügen, Falschangaben und Schönrederei vor: In einer Online-Diskussion über das Projekt zur Erneuerung des Berner Breitenrain-Quartiers geben sich BDP-Stadtrat Philip Kohli (23) und sein SP-Kontrahent David Stampfli (32) Saures.

«Velo-Terroristen Armee», «Lügner» und «peinlich»

Der junge Stadtrat Kohli postete zum Beispiel gegen den Pro Velo Bern-Präsidenten Stampfli: «Wenn jeder so wie du und deine Velo-Terroristen-Armee rechnen würde, wäre die Stadt bald pleite.» Dieser wiederum wettert in Richtung Kohli mit Vorwürfen über mangelnde Seriosität und und unterstellt Kohli, dieser würde falsche Zahlen verbreiten: «Peinlich, peinlich. So was ist man sich sonst nur von der SVP gewöhnt», hackte Stampfli in die Tasten. Kohli kontert: «Ich würde mal aufpassen, wen du als Lügner bezeichnest.»

«Politik muss emotional sein»

Politiker David Stampfli sagt gegenüber 20 Minuten, sein Ratskollege hätte sich bei dieser Onlinedebatte etwas verbissen. «Er ist zu deftig eingefahren». Warum aber hat er sich überhaupt auf einer gehässigen Diskussion hinreissen lassen und ist seinem Kontrahenten auf Facebook an den Karren gefahren? «Mich stört es, wenn jemand mit falschen Zahlen hantiert, zudem ist mir das Projekt vom Breitenrain sehr wichtig.»

«Politik muss emotional sein», begründet BDP-Politiker Kohli seine Motivation für den Schlagabtausch auf Facebook, ansonsten könne man diese gleich abschaffen. Seine Fraktion versuche stets lösungsorientiert zu arbeiten – linke, wie auch rechte Sturheit würde ihn dann aber zum «Wättere» verleiten.

«Gehässig und problematisch»

Als «gehässig und problematisch» bezeichnet der Berner Politikberater Mark Balsiger diesen Schlagabtausch. Die in Rage geratenen Politiker hätten besser zuerst auf zehn gezählt, bevor sie in die Tasten gehauen hätten, so Balsiger, Autor dreier Wahlkampfbücher. «Stadträte sind Volksvertreter und haben auch Online eine Vorbildungsfunktion», sagt der Politikberater. Gerade schriftliche Aussagen wirkten schroff und verletzend – die Reichweite von öffentlichen Posts sei zudem nicht zu unterschätzen: «Auch wenn man alleine auf die Schnelle solche Kommentare verfasst, darf man nicht vergessen, wer sie anschliessend alles lesen wird.»

Wenn dies doch einmal vergessen geht, hofft Balsiger auf Zivilcourage: «Besonnene User sollten sich bei ruppigen Dialogen einschalten und für Fairness plädieren.» Das Volk würde solche Gespräche nicht goutieren.

Privat sind die Streithähne gute Kumpels

So meint denn auch Facebook-User Sämi, der sich als Drittperson in den Streit der beiden Berner Stadträte einmischt, ironisch: «Sehr unterhaltsame Debatte...Macht richtig Lust auf Politik.» Die beiden Politiker selbst nehmen es sportlich: Privat seien sie gute Kumpels, bestätigen beide. Auch würden sie gemeinsam für den Berner Fussballverein AS Calcio Al Dente kicken – auch wenn sie sich online ein Bein stellten.

Deine Meinung