Aktualisiert 11.06.2019 16:59

Vorstoss aus PolitikWürden Sie Ihre Steuern direkt vom Lohn abziehen?

Schuldenfalle Steuerrechnung: Berner Politiker kämpfen im Grossen Rat dafür, dass die Steuern direkt vom Salär abgezogen werden.

von
miw
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Politker unternehmeneinen neuen Versuch, der vermeintlichen Schuldenfalle den Garaus zu machen: Im bernischen Grossen Rat wird diese Woche die Motion «Für einen echten Nettolohn» behandelt.

Politker unternehmeneinen neuen Versuch, der vermeintlichen Schuldenfalle den Garaus zu machen: Im bernischen Grossen Rat wird diese Woche die Motion «Für einen echten Nettolohn» behandelt.

Roland Schlager
Der darin geforderte automatisierte freiwillige Direktabzug der direkten Steuern hat zum Ziel, «Schulden, Notlagen und administrative Leerläufe wegen unbezahlter Steuern zu vermeiden.» Denn gerade bei den Steuern sind viele Bürger administrativ überfordert. Dies sei einer der Gründe, wieso sich bei rund 80 Prozent seiner Klienten Steuerschulden anhäuften, meint ein Schuldenberater.

Der darin geforderte automatisierte freiwillige Direktabzug der direkten Steuern hat zum Ziel, «Schulden, Notlagen und administrative Leerläufe wegen unbezahlter Steuern zu vermeiden.» Denn gerade bei den Steuern sind viele Bürger administrativ überfordert. Dies sei einer der Gründe, wieso sich bei rund 80 Prozent seiner Klienten Steuerschulden anhäuften, meint ein Schuldenberater.

Digitalbe
«Viele Betroffene überblicken nicht, welche Steuern auf sie zukommen», sagt auch Grossrätin Andrea Zryd (SP), die die Motion eingereicht hat.

«Viele Betroffene überblicken nicht, welche Steuern auf sie zukommen», sagt auch Grossrätin Andrea Zryd (SP), die die Motion eingereicht hat.

Steuern zu bezahlen ist wohl für alle eine lästige Pflicht. Während fleissige Sparer nach Eingang der Steuerrechung zähneknirschend ihre Konti leeren, kommen andere regelrecht ins Schleudern, weil sie übers Jahr für den Fiskus schlicht zu wenig Geld zur Seite gelegt haben.

Schweizweit wird jede fünfte Betreibung wegen ausstehender Steuern eingeleitet. Im Kanton Bern sind es jährlich über 60'000 Betreibungen wegen Steuerschulden. Betroffen davon sind Leute aus allen Einkommensklassen. Für die Berner Grossrätin Andrea Zryd (SP) ist klar: «Viele Betroffene überblicken nicht, welche Steuern auf sie zukommen.» Ein direkter Steuerabzug vom Monatslohn würde laut der Politikerin jedoch den Steuerzahler wie auch den Staat entlasten.

Thema der Berner Junisession

Während etwa bei den deutschen Nachbarn die Steuern bereits vom Lohn abgezogen werden, ist dies in der Schweiz erst ein viel diskutiertes Politikum. SP-Frau Zryd unternimmt nun einen neuen Versuch, der potentiellen Schuldenfalle den Garaus zu machen: Im Grossen Rat hat sie eine Motion mit dem Namen «Für einen echten Nettolohn» eingereicht. Der darin geforderte automatisierte freiwillige Direktabzug der direkten Steuern hat zum Ziel, «Schulden, Notlagen und administrative Leerläufe wegen unbezahlter Steuern zu vermeiden.»

Kanton muss 200 Millionen Franken hinterherspringen

Nicht nur für die Schuldner habe die offene Steuerrechnung nämlich ein Nachspiel: Die Forderungsbeträge der jährlichen Steuerbetreibungen im Kanton Bern würden mehr als 200 Millionen Franken entsprechen. Eine automatische Geldüberweisung würde dem Kanton helfen, sein Steuerguthaben vollständig einzutreiben.

Der Grosse Rat hatte vorgesehen, noch diese Woche über den Direktabzug vom Lohn zu beraten. Weil der Rat jedoch im Verzug ist, werden nur noch dringende Geschäfte in der aktuellen Session beraten. Die Behandlung von zahlreichen Vorstössen wird auf die Septembersession verschoben – auch Zryds Anliegen könnte davon betroffen sein.

Während der Ausgang der Debatte noch offen ist, hat der Regierungsrat bereits seine Empfehlung abgegeben: Er empfiehlt den Ratsmitglieder, die Motion abzulehnen.

Habt Ihr Euch wegen der Steuerrechnung auch schon verschuldet? Oder wie macht Ihr es, dass Ende Jahr genügend Geld für die Steuerrechnung übrig bleibt? Erzählt es uns!

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