Wütende Italiener «erhängen» Beamte
Aktualisiert

Wütende Italiener «erhängen» Beamte

Neapel versinkt immer tiefer im Müll: Seit mittlerweile zwei Wochen ist in der süditalienische Millionenmetropole kein Müll mehr geleert worden, weil keine Deponie mehr für die Aufnahme des Abfalls zur Verfügung steht.

Wütende Bewohner hängten am Freitag Puppen, die zuständige Beamte aus der Stadt und der Region darstellen sollten, an Bäumen und Laternen auf. Rund 100 meist jugendliche Demonstranten marschierten zum Rathaus. Einige besetzten einen Balkon und das Dach, wo sie Protestplakate entrollten.

Im Vorort Pianura wurden vier leere Busse in Brand gesetzt. Dort hatten zuvor Arbeiten zur Wiedereröffnung einer bereits seit Jahren geschlossenen Deponie begonnen. Wütende Anwohner hatten am Donnerstag die Strassen blockiert, um die Wiedereröffnung zu verhindern. Die Demonstranten wehrten sich gegen die Wiedereröffnung der Anlage, da diese ihrer Ansicht nach die Gesundheit der Anwohner gefährdet. Die Müllhalde war zuvor während zwölf Jahren gesperrt gewesen.

Viele Bürger haben in den vergangenen Tagen damit begonnen, ihren Müll einfach zu verbrennen, was wiederum Sorgen vor giftigem Rauch wachwerden liess.

Einnahmequelle der Mafia

Für die Müllkrise werden in einem parlamentarischen Untersuchungsbericht Korruption und Unfähigkeit in der 1994 eigens gegründeten Abfallkommission verantwortlich gemacht, die eigentlich die Müllkrise bekämpfen sollte. Umweltminister Antonio Pecoraro Scanio sprach von einer «Ökomafia», ein Hinweis auf die Camorra in Neapel und ihren Einfluss auf die Müllabfuhr.

Die Müllkrise in Neapel und der umliegenden Region Campania dauert schon seit Jahren. Die bestehenden Müllkippen sind überfüllt, betroffene Gemeinden blockieren aber den Bau neuer. Der italienische Staatspräsident Giorgio Napolitano, der selbst aus Neapel stammt, hatte das Problem nach einem privaten Besuch in seiner Heimatstadt sogar in seiner Neujahrsansprache erwähnt. (dapd)

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