Aktualisiert 09.12.2008 14:32

VerurteiltWütender Anleger bedroht Banker

Ein wütender Anleger ist für seine unbedachte Aktion am Zürcher Firmensitz einer Investmentbank zu Recht wegen versuchter Nötigung verurteilt worden. Das Bundesgericht hat das Urteil des Zürcher Obergerichts bestätigt. Der Anleger war in das Büro des Vizedirektors gestürmt und drohte diesem mit einem «Aktionsplan».

Der Mann hatte 1999 über die Zürcher Filiale einer US-Bank rund 1,7 Millionen Dollar angelegt. Nach seiner Rückkehr von einem beruflichen Auslandaufenthalt musste er feststellen, dass vom Geld nur noch gerade ein Drittel übrig geblieben war.

«Ein Anleger rechnet ab»

Gesprächsversuche mit der Bank blieben jahrelang erfolglos. Am 29. September 2005 platzte dem Mann der Kragen. Er gelangte ins Büro des Vizedirektors und präsentierte ihm einen «Aktionsplan» mit dem Titel: «Ein Anleger rechnet ab und rächt sich, egal was es kostet.»

In dem Papier war die Rede davon, dass er die Bank über Presse und Internet sowie mit einer Aktion von 10 bis 20 Personen vor dem Firmensitz anprangern werde. Er wies zudem darauf hin, dass es der Vizedirektor selber in der Hand habe, ihn zu entschädigen.

Schliesslich erwähnte er zu wissen, dass der Banker eine schöne Familie habe, ein schönes Leben führe und in einem schönen Haus wohne. Das Zürcher Obergericht sprach ihn für seine Aktion im vergangenen Juni der versuchten Nötigung schuldig und verurteilte ihn zu einer bedingten Geldstrafe von 15 Tagessätzen à 90 Franken.

In Angst und Schrecken versetzt

Das Bundesgericht hat seine Beschwerde nun abgewiesen. Er hatte argumentiert, dass er nicht die Begleichung seiner Forderung habe erzwingen wollen. Vielmehr habe er die Bank mittels moralischem Druck zu Vergleichsgesprächen bewegen wollen. Sein Hinweis auf die Familie habe allenfalls als Drohung missverstanden werden können.

Er habe aber sofort klargestellt, dass er damit nur an die Menschlichkeit habe appellieren wollen. Laut dem Urteil hat das Obergericht indessen davon ausgehen dürfen, dass er den Betroffenen mit den Aussagen zu seiner Familie und dem gleichzeitig präsentierten Aktionsplan in Angst und Schrecken versetzt hat.

Dem Banker sei trotz der anschliessenden Abschwächung klar geworden, dass der Beschwerdeführer Recherchen über seine privaten Verhältnisse angestellt habe. Insgesamt sei der Schluss zulässig, dass er mit seinem Vorgehen ernsthafte Nachteile angedroht habe, um die Begleichung seiner Forderung zu erreichen.

(sda)

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