Urteil: Wütender Rentner verfolgte Biker mit Auto
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UrteilWütender Rentner verfolgte Biker mit Auto

Ein Rentner soll in Ruswil aus Wut einen Velofahrer mit dem Auto verfolgt und angefahren haben. Das Kriminalgericht hat den Mann nun zu einer bedingten Freiheitsstrafe verurteilt.

von
dag
Ein 74-jähriger Rentner soll einen Biker in Ruswil absichtlich mit dem Auto verletzt haben.

Ein 74-jähriger Rentner soll einen Biker in Ruswil absichtlich mit dem Auto verletzt haben.

Am 8. Juli 2011 wollte ein heute 74-jähriger Rentner in Ruswil in seiner Waldhütte die Ruhe geniessen. Diese Ruhe wurde aber offenbar immer wieder von Bikern oder Reitern gestört. Kurz nach 17 Uhr näherte sich an besagtem Tag wieder ein Biker. Der Rentner soll den Velofahrer gestoppt und ihm zu verstehen gegeben haben, dass er nicht weiterfahren dürfe, weil ein Fahrverbot bestehe. Dieses nicht amtliche Verbot hat der Mann allerdings offenbar in Eigenregie angebracht. «Der Beschuldigte glaubt, dass Biker ihn jahrelang absichtlich geplagt haben», sagte die Staatsanwaltschaft an der Verhandlung vor Kriminalgericht Anfang Juni, wie die «Neue Luzerner Zeitung» berichtete.

Nach einem verbalen Streit habe sich der Biker entfernt. Der Rentner habe mit seinem Auto die Verfolgung über eine Wiese aufgenommen und sei dem Biker ins Hinterrad des Velos gefahren. In der Folge sei der Velofahrer gestürzt und der rabiate Rentner hat den Biker gemäss Staatsanwaltschaft überfahren. Ausserdem habe der Rentner dem verletzten Mann, der Quetschungen und Frakturen erlitt, nicht geholfen. Laut der «Neuen Luzerner Zeitung» betonte der Staatsanwalt, dass die Abdruckspuren am Auto vom Hinterrad des Fahrrads eindeutig seien. «Es steht ausser Zweifel, dass er den Biker überrollt hat.»

Der Beschuldigte präsentierte eine andere Version: Der Biker habe das Verbotsschild gesehen und das Grundstück dennoch befahren. Weil er einen Kübel Wasser bei sich hatte, habe er den Biker mit Wasser beworfen. Der Biker habe dann mit dem Velo auf ihn eingeschlagen und ihn beschimpft. Weil der Velofahrer dem Rentner seinen Namen nicht nennen wollte, sei dieser ihm nachgefahren. Als er ihn auf der Wiese überholen wollte, sei der Biker gestürzt.

Rentner wollte Freispruch

Diese Version wollte die Staatsanwaltschaft des Luzerner Kriminalgerichts nicht glauben. Sie hatte auf eine zweieinhalbjährige Freiheitsstrafe unter anderem wegen versuchter Tötung plädiert. Der Anwalt des Privatklägers verlangte gar eine Strafe wegen versuchter eventualvorsätzlicher Tötung. Der Rentner habe den Biker mit Tötungsabsicht überfahren. Das Opfer werde lebenslang körperlich beeinträchtigt sein.

Der Rentner hingegen hatte einen Freispruch verlangt. Sein Anwalt argumentierte, der Biker weise typische Verletzungen eines Selbstunfalls aus. Er habe ohne Fremdeinwirken das Gleichgewicht verloren und sei vor das Auto gestürzt.

Rentner muss über 20'000 Franken bezahlen

Jetzt hat das Kriminalgericht sein Urteil gesprochen: Wegen versuchter schwerer Körperverletzung wurde der Rentner neben einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren auf Bewährung zu einer Busse von 500 Franken verurteilt. Weiter hat das Opfer Anspruch auf Entschädigung in noch unbekannter Höhe, wie aus dem am Dienstag veröffentlichten Urteil hervorgeht. Ausserdem muss der Rentner das Untersuchungsverfahren, das Gerichtsverfahren und eine Parteientschädigung in der Höhe von über 20'000 Franken bezahlen.

Gemäss Kriminalgericht machte sich der Rentner weiter strafbar, weil er im Auto unrechtmässig eine Kleinkaliberwaffe mitführte und mit dieser ohne wichtigen Grund in einem Jagdgebiet unterwegs war. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Wie der Rechtsanwalt des Opfers auf Anfrage mitteilte, wird über das weitere Vorgehen erst entschieden, wenn die schriftliche Urteilsbegründung vorliegt und studiert werden konnte. Der Vertreter des Rentners durfte sich auf Wunsch seines Klienten nicht äussern.

(dag/sda)

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