26.11.2015 11:43

Selbsternannter Freistaat«Wunderland soll eine Alternative zur EU bieten»

Im Grenzgebiet zwischen Deutschland und den Niederlanden haben Aktivisten einen eigenen Staat ausgerufen. 20 Minuten sprach mit einem der Gründer.

von
Nicolas Saameli

In einem unbeanspruchten Grenzgebiet zwischen den Niederlanden und Deutschland haben zwei junge Niederländer den Vrijstaat Wonderland, den «Freistaat Wunderland», gegründet. Einer der beiden ist Yoshi Livo (29). Er lebt seit über einem Monat auf dem 485 Meter langen und 6 Meter breiten Flecken Land bei Coevorden. Im Interview spricht er von Wohnwagen und Kriegsverbrechen.

Herr Livo, wie kamen Sie auf die Idee, Wunderland zu gründen?

Das Land, auf dem wir jetzt leben, gehört einem Bauern. Weder das Katasteramt von Deutschland noch das der Niederlande hat es aber verzeichnet. Das stellte den Bauern immer wieder vor rechtliche Probleme. Nach jahrelangem Streit wandte er sich schliesslich an einen Anwalt, der auf internationales Recht spezialisiert ist. Dieser hat ihm dazu geraten, auf seinem Land einen souveränen Staat auszurufen.

Und wie kamen Sie ins Spiel?

Er hat im Internet von mir gelesen, nachdem ich Liberland besucht und mich mit dem Präsidenten des Selfmade-Staats an der Grenze zwischen Serbien und Kroatien gestritten habe. Als mich der Bauer kontaktierte, reiste ich sofort hierher.

Was bezwecken Sie mit einem eigenen Staat?

Wunderland soll ein Protest sein. Ich glaube nicht an staatliche Gesetze und will deshalb einen Ort schaffen, an dem man sich keinen Regeln fügen muss. Hier gilt nur eine Vorschrift: Man darf nichts stehlen, was einem anderen gehört.

Das ist das ganze Konzept?

Nein, wir wollen auch eine eigene Bank gründen und eine eigene Währung prägen. Zudem wollen wir Privatpersonen erst ab einem Vermögen von 15 Millionen besteuern. Ich bin der Meinung, dass die EU nur noch über die Banken gesteuert wird. Wunderland soll eine Alternative bieten und die Leute wieder frei machen.

Ein kleines Land mit einer eigenen Währung und tiefem Steuersatz. Das klingt verdächtig nach der Schweiz.

Ja, das ist so. Ich kann mir auch gut vorstellen, dass wir gute diplomatische Beziehungen zur Schweiz bekommen.

Wie sind Ihre Beziehungen zu den Nachbarstaaten?

Wir hier haben keine Probleme mit ihnen. Solange wir noch nicht international anerkannt sind, wollen wir das auch möglichst so belassen. Die anliegende Gemeinde in Deutschland ist allerdings nicht einverstanden mit unserer Staatsgründung und schickte vor kurzem die Polizei vorbei.

Was passierte dann?

Zwanzig Polizisten überfielen unseren Staat. Sie rissen mich aus dem Wohnwagen, den wir als Regierungsgebäude benutzen, und brachten mich auf die Wache. Nach einer Stunde mussten sie mich aber wieder gehen lassen. Ausser illegalen Campens konnten sie mir nichts vorwerfen. Sie müssen sich das einmal vorstellen: zwanzig Polizisten wegen illegalen Campens. Wenn Sie mich fragen, haben diese Polizisten ein Kriegsverbrechen begangen. Sie hatten keinen Grund, mich zu verhaften, und ich bin schliesslich Regierungsmitglied eines souveränen Staates.

Wie gehts jetzt weiter?

Ich bin wieder in Wunderland, ich bin ein sehr standhafter Aktivist. Ich will auf jeden Fall hier bleiben, bis der Winter vorbei ist. Ich weiss, dass unsere Idee für viele wie ein Witz klingen muss. Ich nehme die Sache aber sehr ernst und glaube fest an Wunderland.

Wann ist ein Staat ein Staat?

Die 1934 beschlossene Konvention von Montevideo sieht vier Voraussetzungen für eine Staatsgründung vor: eine permanente Bevölkerung, ein definiertes Staatsgebiet, eine stabile Regierung und die Fähigkeit, Beziehungen zu anderen Staaten zu unterhalten. Schliesslich müssen die Staatsgründer die Weltengemeinschaft darum ersuchen, den neuen Staat anzuerkennen. (Quelle: Wikipedia)

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