Aktualisiert 03.03.2013 12:28

Nach Amoktat in MenznauWurde Amokläufer Viktor B. getötet?

Nach der Bluttat von Menznau ist nach wie vor unklar, was sich genau in der Kantine der Kronospan AG abgespielt hat. Und: Der Täter von Menzau soll früher wegen häuslicher Gewalt vernommen worden sein.

von
kub

Nach dem schrecklichen Blutbad in Menznau ist nach wie vor unklar, was in der Kantine der Kronospan AG genau passiert ist. Zunächst ging man in der Öffentlichkeit davon aus, der Amokläufer habe sich nach der Tat selbst gerichtet. Doch jetzt geht die Polizei intensiv der Aussage eines Augenzeugen nach, wie «SonntagsBlick» weiss: Zwei Mitarbeiter sollen Viktor B. in der Kantine gestoppt und getötet haben. Einer von ihnen habe Viktor B. mit einem Stuhl niedergestreckt, wobei diesem die Pistole aus der Hand fiel. Der andere habe die Waffe aufge­hoben und den Amokläufer mit einem Kopfschuss getötet.

Die Untersuchungsbehörden kommentieren diese Aussagen zurzeit nicht. Fakt ist aber: Stünde ein Selbstmord zweifelsfrei fest, hätte die Polizei diesen schon längst bestätigt. «Wir informieren erst, wenn wir alle Tatbeteiligten gehört haben», sagt Simon Kopp, Informationschef der Staatsanwaltschaft Luzern. Einer der an der Überwältigung Beteiligten wird von einem Anwalt betreut.

Am Mittwoch hatte der 42-jährige Viktor B. in der Holzfabrik Kronospan vier Menschen erschossen und fünf verletzt. Er fiel vor der Tat durch Drohungen auf. Recherchen der «SonntagsZeitung» zeigen zudem, dass die Polizei im Haus von Viktor B. einen Einsatz auf Grund häuslicher Gewalt hatte. Dies bestätigt die Luzerner Regierungsrätin Yvonne Schärli.

Geschäftsführer weiss nichts von Drohungen

Der Geschäftsführer der Kronospan, Mauro Capozzo, betont hingegen gegenüber der «Zentralschweiz am Sonntag»: «Dass der Täter gegenüber Kollegen Drohungen ausgesprochen und psychische Probleme gehabt haben soll, war seinem Vorgesetzten und der Geschäftsleitung zu keinem Zeitpunkt bekannt. Wir wussten auch nichts von seiner Vorstrafe.»

Nach wie vor befinden sich fünf Personen in Spitalpflege. Zwei der Opfer befinden sich in einem sehr kritischen Zustand. Sie weisen Schussverletzungen im Oberkörper und im Kopf auf.

Unklar ist, wieso der Todesschütze den Schweizer Pass erhielt, obwohl der aus dem Kosovo stammende Viktor B. im Jahr 1998 wegen Raubes zu einer zwölfmonatigen Gefängnisstrafe verurteilt worden war. Viktor B. erhielt das Bürgerrecht wegen seiner Frau. Diese hatte das Schweizer Bürgerrecht 1995 in der Gemeinde Hergiswil LU erworben. 1998 beging B. seine Straftat; der Eintrag ins Strafregister wurde nach 10 Jahren gelöscht. Der Bund gewährte darauf dem inzwischen verheirateten Viktor B. die erleichterte Einbürgerung. Der frühere Zuger Regierungsrat Hanspeter Uster wundert sich über diesen Vorgang. «Ich frage mich, weshalb das Strafverfahren nicht zu einem Stopp des Einbürgerungsprozesses geführt hat», sagt er gegenüber der «Zentralschweiz am Sonntag».

Die Pistole, mit der der 42-jährige Mann am Mittwoch das Blutbad angerichtet hat, gehört seinem Bruder. Der 43-Jährige wurde kurzzeitig festgenommen, befindet sich aber wieder auf freiem Fuss. Ob der in Obwalden lebende Mann vorbestraft ist, wurde nicht geprüft. Die Abklärungen, wie der Amokschütze an die Waffe herankam, laufen noch. Zu den Angaben des Bruders wollte sich die Polizei nicht äussern.

Wer droht, soll künftig ins Gefängnis

Nach der Bluttat soll das Gesetz verschärft werden: Personen die durch Drohungen auffallen, sollen von Staatsanwälten leichter in Untersuchungshaft genommen werden können. Das fordert Carlo Häfeli, Präsident der Opferhilfe-Organisation Weisser Ring und Rechtsanwalt gegenüber der «SonntagsZeitung». «Dazu muss man die Strafprozessordnung anpassen.» Darin sollen neu Delikte aufgeführt werden, bei denen Staatsanwälte U-Haft alleine auf Grund des Risikos anordnen können – und zwar, ohne dass ein dringender Tatverdacht nachgewiesen werden muss. Das Problem sei heute, dass die Hürden für U-Haft relativ hoch seien, sagt Häfeli.

Die Politik reagiert positiv: Lukas Reimann, SVP-Nationalrat und Mitglied der Rechtskommission, will die Frage bei der Änderung des Sanktionsrechts im Nationalrat zum Thema machen.

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