Doppelmord im Kosovo: Wurde die Bluttat von Frasses FR gerächt?

Aktualisiert

Doppelmord im KosovoWurde die Bluttat von Frasses FR gerächt?

Im Kosovo wurden am Samstag zwei Männer erschossen. Die Bluttat könnte mit dem Tod eines Kosovaren zusammenhängen, der im Kanton Freiburg vor seiner Garage exekutiert worden war.

von
lüs

Die Tat ereignete sich am 12. Oktober um 19 Uhr in der Stadt Peja im Westen des Kosovos: Zwei Männer wurden erschossen, während sie in einer Bar sassen. Tatwaffe war offenbar eine Kalaschnikow, wie die Online-Zeitung albinfo.ch berichtet.

Die Schüsse seien aus einem Auto gefallen, das sich danach mit hoher Geschwindigkeit vom Tatort entfernt habe. Bei den Opfern soll es sich um Xhevdet K. und Kastriot K. (Namen der Redaktion bekannt) handeln. Mitglieder der Familie von Xhevdet K. seien in den vergangenen 14 Jahren mehrfach Mordanschlägen zum Opfer gefallen, berichtet die kosovarische Zeitung «Zëri». Das Lokal, in dem die beiden Männer sich aufhielten, gehört Kastriot K.s Familie.

Während Xhevdet K. sofort starb, wurde Kastriot K. schwer verletzt ins Spital gebracht, wo er den Folgen seiner Schussverletzungen erlag. Die Täter sind noch flüchtig. Laut Polizeisprecher Xhevat Ibra wurde kurz nach dem Anschlag an einem Waldrand ausserhalb der Stadt ein brennendes Fahrzeug gefunden. Die Polizei vermutet, dass die Täter aus diesem Auto geschossen hatten.

Vor den Augen seiner vier Kinder erschossen

Die Familie, zu der Xhevdet K. gehört, soll sich seit Jahren in einer Fehde mit der Familie E. befinden. Zu dieser gehört auch der 36-jährige Selim E. (Name der Redaktion bekannt), der am 11. Mai 2013 in Frasses im Kanton Freiburg umgebracht worden war: Vor der Garage seines Wohnhauses wurde der Italiener mit kosovarischen Wurzeln durch mehrere Schüsse förmlich exekutiert – seine Ehefrau und seine vier Kinder mussten die Hinrichtung mit ansehen.

Angehörige des Opfers sagten danach zu 20 Minuten, ihr Verwandter sei im Kosovo mit der Mafia in Kontakt gekommen. Die Ex-Frau des Mannes hingegen glaubt, der Mord an ihrem ehemaligen Gatten habe nichts mit der Mafia zu tun, es habe sich um Blutrache gehandelt. Nur zwei Monate vor der Tötung von Selim E. war in Peja ein männliches Mitglied der Familie K. getötet worden.

Knapp drei Monate nach dem Tötungsdelikt in Frasses, am 20. August 2013, wurde in Zollikofen BE ein 31-jähriger Kosovare verhaftet. Ihm wird vorgeworfen, am tödlichen Anschlag beteiligt gewesen zu sein. Bei der neusten Bluttat von Peja handle es sich um den neusten Akt von Blutrache zwischen den beiden Familien, glauben Beobachter. Möglicherweise sollte so die Tötung von Selim E. in der Schweiz gerächt werden.

Familienfehde soll schon 20 Opfer gefordert haben

Ein Mann aus Peja, der heute im Kanton Freiburg lebt, sagt gegenüber 20 minutes: «Es ist traurig, das sagen zu müssen, aber es war zu erwarten, dass wieder so eine Tat passiert.» Die Fehde zwischen diesen beiden Clans dauere schon seit dem Ende des Kosovo-Kriegs an: «Bald bleibt von ihnen niemand mehr übrig, der ermordet werden kann.» Es habe schon um die 20 Tote gegeben. Im Kosovo sei dies ein Problem von nationalem Ausmass: «Schon auf höchster staatlicher Ebene hat es Versuche gegeben, eine Aussöhnung herbeizuführen – ohne Erfolg.»

Die Kantonspolizei Freiburg arbeitet mit den Behörden im Kosovo zusammen, wie Sprecher Pierre-André Waeber auf Anfrage sagt: «Wir sind mit der kosovarischen Polizei in Kontakt.»

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