Affäre um Gregor Gysi : Wurde dieser Mann um sein Gold betrogen?

Aktualisiert

Affäre um Gregor Gysi Wurde dieser Mann um sein Gold betrogen?

Wirre Geschichte um einen Mandanten von Linke-Politiker Gregor Gysi: Anfang der 1990er-Jahre verkaufte der Ossi Günter P. seine Firma. Nun soll ihn eine Schweizer Bank um den Millionenerlös gebracht haben.

von
sas
Der deutsche Linkspolitiker und Anwalt Gregor Gysi (links) sucht nach dem verschwundenen Vermögen von Hartz-IV-Bezüger Günter P. (rechts).

Der deutsche Linkspolitiker und Anwalt Gregor Gysi (links) sucht nach dem verschwundenen Vermögen von Hartz-IV-Bezüger Günter P. (rechts).

Der Fall hat alle Zutaten einer erfolgreichen Boulevardstory: Politiker und Rechtsanwalt Gregor Gysi, Milliardär Carsten Maschmeyer und eine böse Schweizer Bank. Seit Dienstag ist bekannt, dass Gysi 2011 den in der Schweiz gut vernetzten Maschmeyer um Hilfe bat. Es ging um eine delikate Sache: Gysi vertrat einen Mandanten, der behauptet, die UBS habe ihn um Goldeinlagen im Wert von 43,5 Millionen Euro gebracht.

Öffentlich wurde die Sache wegen der Sat.1-Talkshow «Eins gegen Eins»: AWD-Gründer Maschmeyer sagte zum Linke-Politiker:«Sie haben mir einen Brief geschrieben, ob ich Ihnen im Fall eines Ihrer Mandanten helfen könne, der Gold im Wert von 43 Millionen Euro in der Schweiz habe.»

Abenteuerliche Geschichte

Nun doppelt die deutsche «Bild» nach und macht die Identität von Gysis Mandanten öffentlich: Es handelt sich um den 79-jährigen Günter P.

Die Geschichte des aus dem ostdeutschen Zwickau stammenden Mannes klingt abenteuerlich: Er sei in den Achtzigerjahren nach Kanada ausgewandert und habe eine Firma in Wuppertal gehabt. Diese will er 1986 für 32,5 Millionen Mark veräussert haben. Vom Verkauf blieben nach Angaben von Günter P. nach Abzug von Steuern 20 Millionen übrig. Dieses Geld will er bei der UBS in Gold angelegt haben.

Vom reichen Unternehmer zum Hartz IV-Empfänger

Vom angeblichen Reichtum aus dem Firmenverkauf ist dem 79-Jährigen nichts geblieben. Er lebt von der deutschen Sozialhilfe Hartz IV. Er behauptet, von der Schweizer Bank um sein gesamtes Vermögen betrogen worden zu sein. «Herr P. hat Forderungen an die UBS in der Schweiz. Er hat dort Gold hinterlegt, das einem heutigen Wiederbeschaffungswert von 43,8 Mio. Euro entspricht», schrieb Gysi gemäss «Bild» in einem Brief an Maschmeyer. Die UBS will sich unter Berufung auf das Bankkundengeheimnis nicht zur Angelegenheit äussern.

Günter P. sagt, dass er den Linkspolitiker Gysi vor Jahren an einer Wahlveranstaltung kennengelernt habe. Damals war Gysi Vorsitzender der Partei des Demokratischen Sozialismus (PDS), die im Verdacht steht, nach der Wende Parteivermögen in der Höhe von hunderten Millionen zur Seite geschafft zu haben.

Goldtransfers zwischen 1989 und 1994

Laut Unterlagen, die «Bild» vorliegen, hat Günter P. den grössten Teil des Goldes im Jahr des Mauerfalls und nach der Wende in die Schweiz und nach Toronto transferiert. Drei Monate vor dem Zusammenbruch der DDR soll P. eine «persönliche Goldeinlieferung» ins Ausland im Wert von 3,25 Millionen US-Dollar vollzogen haben. Die letzte Transaktion erfolgte laut den Aufzeichnung im März 1994. Gegenüber «Bild» wollte sich Gysi nicht zur Jagd nach dem Goldschatz äussern. Begründung: Anwaltliche Schweigepflicht.

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