Wurde Fuentes mit Dopingmitteln aus Deutschland versorgt?
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Wurde Fuentes mit Dopingmitteln aus Deutschland versorgt?

Im spanischen Dopingskandal führen immer mehr Spuren nach Deutschland. Das spanische Netzwerk, das Radsportler mit illegalen Mitteln versorgt haben soll, erhielt seine Substanzen nach einem Bericht der Zeitung «El País» von einem deutschen Arzt.

Im Doping-Skandal um den spanischen Arzt Eufemiano Fuentes prüfen die Fahnder eine mögliche Verbindung nach Deutschland. Die Guardia Civil ermittele, ob Fuentes Dopingmittel von einem deutschen Arzt bezogen habe, der im Krankenhaus einer Kleinstadt arbeite, bestätigte ein Sprecher am Montag.

Die Staatsanwaltschaft in Bonn dementierte einen Bericht der Zeitung «El Pais», wonach sie in dem Fall mit den spanischen Ermittlern zusammenarbeite. Es gebe keinen Kontakt, sagte Sprecher Friedrich Apostel. Das Blatt schrieb weiter, Fuentes und andere in den Dopingfall verwickelte Mediziner hätten von dem deutschen Arzt angeblich eine nicht nachweisbare Form des Blutdoping-Mittels EPO bezogen.

In dem Dopingfall haben die spanischen Behörden im Mai fünf Beschuldigte festgenommen, darunter Fuentes. Der deutsche Radprofi Jan Ullrich geriet ebenso wie mehrere andere Spitzenfahrer unter Verdacht und durfte nicht die Tour de France fahren. Inzwischen hat ihm sein Rennstall T-Mobile gekündigt.

Die ARD fordert als Voraussetzung für die weitere Übertragung von Radsport-Ereignissen von Verbänden und Veranstaltern eine Anti-Doping-Garantie. Es müsse sicher gestellt sein, dass «wirklich sauberer Sport» angeboten werde, sagte ARD-Sportkoordinator Hagen Bossdorf dem «Badischen Tagblatt».

«Wenn sich aber herausstellt, dass man generell nicht mehr weiss, wie sportliche Leistungen entstehen, die man zu kommentieren hat, dann muss es zu einem Umdenken kommen», wird Bossdorf zitiert. Dann müssten «wir als ARD sehr ernsthaft darüber nachdenken, wie es mit der Übertragung von Radsport weitergeht». Angesichts des Dopingverdachts gegen den Tour-de-France-Sieger Floyd Landis erwägt auch das ZDF, die Berichterstattung über das Radsportereignis einzustellen.

In der Debatte über ein Anti-Doping-Gesetz hat der Vorsitzende des Bundestags-Sportausschusses, Peter Danckert, kritisiert, dass der Deutsche Olympische Sportbund Strafen für Sportler ablehnt. Der SPD-Politiker sagte der «Berliner Zeitung», DOSB-Präsident Thomas Bach müsse sich an die Spitze der Bewegung stellen und nicht ein Anti-Doping-Gesetz verhindern.

(si/ap)

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