Aktualisiert 07.10.2014 08:20

Verdächtige SignaleWurde Kim Jong-un gestürzt?

Der junge Diktator von Nordkorea soll nicht mehr an der Macht sein. Darüber spekulieren Beobachter mit Verweis auf verschiedene Signale aus dem kommunistischen Staat.

von
sut

Verwirrende Meldungen aus dem abgeschotteten Nordkorea nähren den Verdacht, dass Kim Jong-un ganz oder teilweise die Herrschaft über sein Reich verloren hat. Der 31-jährige, in einem Schweizer Internat ausgebildete Enkel des Republikgründers Kim Il-sung soll nach 15 Monaten die Macht vollständig oder teilweise an die Nummer zwei, Hang Pyong-so, verloren haben.

Spekulationen in diese Richtung stellt der Autor Gordon Chang von «The Daily Beast» zur Diskussion. Er listet mehrere Indizien auf, die für einen Sturz Kims sprechen.

Weg vom Fenster seit Anfang September

Zum einen hat sich der nordkoreanische Machthaber seit dem 3. September nicht mehr in der Öffentlichkeit gezeigt. Die offizielle Erklärung lautet, Kim sei krank. Je nach Quelle leidet er an Gicht oder er hat sich infolge Übergewichts die Knöchel gebrochen. Letzte Woche berichtete der britische «Daily Telegraph», Kim habe durch seine Vorliebe für Schweizer Käse und alkoholische Getränke ein Gewicht von 127 Kilogramm erreicht, dem sein bloss 175 Zentimeter messendes Knochengerüst nicht mehr gewachsen gewesen sei.

Gelenkprobleme erklären jedoch schlecht, warum Kim der Obersten Volksversammlung vom letzten Monat vollständig fernblieb. Mehr noch: Sein Name fiel laut «Daily Beast» erst ganz am Schluss und beinahe beiläufig. Dabei trägt Kim Titel wie: Erster Sekretär der Arbeiterpartei, Erster Vorsitzender der Nationalen Verteidigungskommission, Oberster Kommandierender der Volksarmee.

Nur noch eine Marionette?

Für den nach Südkorea übergelaufenen Regimeflüchtling Jang Sin-sung ist klar, dass der Führungsausschuss der Koreanischen Arbeiterpartei im Land die Macht ergriffen hat. Laut Jang ist Kim nur noch eine «Puppe».

Auf einen Machtkampf deute auch hin, dass für die Hauptstadt Pjöngjang seit dem 27. September ein «Lockdown» gilt, schrieb der «Telegraph» am Freitag. Angeblich gelten die Reiserestriktionen nicht nur für Regierungsmitglieder, sondern auch die Einwohner Pjöngjangs. «Solche Handlungen weisen darauf hin, dass es entweder einen Putschversuch gab oder ein Komplott gegen die Führung entdeckt worden ist», zitiert die Zeitung den Nordkorea-Experten Toshimitsu Shigemura in Tokio.

Kurzreise nährte Spekulationen

Der Überläufer Jang deutet auch den Blitzbesuch von Hwang Pyong-so vom Samstag in Südkorea als Zeichen für einen Machtwechsel. Der Direktor der Politbüros der Volksarmee, laut Beobachtern der zweitmächtigste Mann im Staat, habe sich sicher genug gefühlt, dass er die Reise habe wagen können. Das kurze Zusammentreffen des Nordkoreaners mit südkoreanischen Offiziellen nährte Hoffnungen auf eine Entspannung auf der Halbinsel.

Skeptiker glauben indes, dass Hwangs Besuch bloss Teil der seit einiger Zeit laufenden Charmeoffensive Nordkoreas war. Zu der Reise «wäre es nicht gekommen, wenn niemand die Macht in Händen hielte», argumentiert Andrei Lankov von der südkoreanischen Kookmin-Universität in der «Washington Post».

Mehr am 10. Oktober

Vorderhand bleiben solche Erwägungen im Bereich der nicht beweisbaren Spekulationen. Eines stehe fest, schreibt «The Daily Beast»: «Es gibt zu viele Gerüchte und Berichte, als dass man darauf schliessen könnte, alles sei in Ordnung in Pjöngjang.» Was genau vorgeht, wird die Welt vielleicht am 10. Oktober erahnen können, wenn Nordkorea den Gründungstag der Arbeiterpartei feiert. Sollte Kim dann nicht in Erscheinung treten, würde das die Gerüchte um einen Machtwechsel bestätigen.

Schiffe beschiessen sich

Nahe der zwischen Nord- und Südkorea umstrittenen Seegrenze haben sich Patrouillenschiffe beider Länder nach Angaben aus Seoul gegenseitig unter Beschuss genommen. Zuvor sei ein nordkoreanisches Schiff in südliche Gewässer vorgedrungen, erklärte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums in Seoul. Demnach feuerte die südkoreanische Marine zurück, als das Boot aus dem Norden das Feuer eröffnete. Es habe keine Schäden gegeben, hiess es weiter.

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