Luxushotel in Zermatt – Wurde Masseurin entlassen, weil sie wegen Corona der Arbeit fernblieb?
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Luxushotel in ZermattWurde Masseurin entlassen, weil sie wegen Corona der Arbeit fernblieb?

Eine Masseurin verlor laut eigenen Aussagen ihren Job in einem Zermatter Luxushotel, weil sie aufgrund einer Corona-Infektion nicht zur Arbeit erscheinen wollte. Das Hotel weist den Vorwurf zurück.

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Vom Hotel Mont Cervin Palace erhielt eine Frau die Kündigung. Wie sie sagt, weil sie sich geweigert habe, Corona-positiv zur Arbeit zu erscheinen.

Vom Hotel Mont Cervin Palace erhielt eine Frau die Kündigung. Wie sie sagt, weil sie sich geweigert habe, Corona-positiv zur Arbeit zu erscheinen.

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Das Hotel bestreitet die Version der ehemaligen Mitarbeiterin, die als Masseurin gearbeitet hatte. (Symbolbild)

Das Hotel bestreitet die Version der ehemaligen Mitarbeiterin, die als Masseurin gearbeitet hatte. (Symbolbild)

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«Ihr wurde während der Probezeit fristgerecht gekündigt, weil wir mit der Leistung nicht zufrieden waren», heisst es auf Anfrage. (Symbolbild)

«Ihr wurde während der Probezeit fristgerecht gekündigt, weil wir mit der Leistung nicht zufrieden waren», heisst es auf Anfrage. (Symbolbild)

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Darum gehts

  • Eine französische Saisonarbeiterin entwickelte Ende letzten Jahres nach eigenen Angaben Corona-Symptome.

  • Dennoch habe sie ihr Arbeitgeber dazu zwingen wollen, weiterhin Kundinnen und Kunden zu betreuen – und sie entlassen, nachdem sie sich der Aufforderung widersetzt habe.

  • Das Hotel weist die Anschuldigungen der Ex-Mitarbeiterin zurück.

Eine französische Saisonarbeiterin erhebt schwere Vorwürfe gegen das Hotel Mont Cervin Palace in Zermatt. Bis Anfang Januar sei sie im Spa-Bereich des Hotels als Massage-Therapeutin tätig gewesen. Am 26. Dezember habe sie bei der Arbeit erste Symptome verspürt und sei sehr müde gewesen. «Am nächsten Morgen wachte ich mit starkem Fieber, Kopfschmerzen, Muskelschmerzen, Halsschmerzen und Erschöpfung auf», berichtet sie auf Facebook.

Umgehend habe sie den Spa-Manager kontaktiert und ihn über ihre Covid-Symptome in Kenntnis gesetzt. Anstatt sie von ihrer Arbeit zu entbinden, habe ihr Vorgesetzter jedoch bloss gemeint, er werde ein paar Massagekundinnen und -kunden auf andere Mitarbeitende verteilen, und darauf bestanden, dass sie dennoch zur Arbeit erscheine. Diese Reaktion sei «unverantwortlich», schreibt die Frau, zumal man gerade zu dieser Jahreszeit viele ältere Kundinnen und Kunden betreue. Folglich widersetzte sie sich der Aufforderung des Managers.

«Hotel sorgte sich nicht um mein Wohlbefinden»

Ihr Ungehorsam hatte Folgen: «Einige Stunden später rief mich mein Manager an und sagte mir, ich sei gefeuert.» Wenig später sei ihr die Kündigung schriftlich bestätigt worden. Abermals habe sie zu erklären versucht, dass sie zu schwach zum Arbeiten sei und andere nicht gefährden wolle – ohne Erfolg: «Mein Arbeitgeber sorgte sich zu keinem Zeitpunkt um mein Wohlbefinden oder dasjenige der Kunden.»

Die Masseurin war am Mittwoch für 20 Minuten nicht erreichbar. Wie der «Walliser Bote» schreibt, wurde der Mitarbeiterin während der Probezeit gekündigt. Dies unter Einhaltung der vertraglichen Kündigungsfrist von drei Tagen. Gegenüber der Zeitung gab sie weiter an, ihr Schnelltest vom 28. Dezember sei positiv ausgefallen. Zwei Tage nach der Kündigung sei sie aus Täsch VS, wo sie ein vom Arbeitgeber zur Verfügung gestelltes Zimmer belegte, abgereist. Mittlerweile sei sie bei einem Kollegen im Kanton Waadt untergekommen.

Auf Anfrage von 20 Minuten gibt das Fünfsterne-Hotel eine kurze Stellungnahme ab. Die Sachlage sei eine andere, als sie von der ehemaligen Mitarbeiterin dargestellt werde. «Ihr wurde während der Probezeit fristgerecht gekündigt, weil wir mit der Leistung nicht zufrieden waren.» Zum Wohl der Gäste und Mitarbeitenden halte man sich selbstverständlich an die Massnahmen des BAG.

Mehrere Fälle im Gastgewerbe

Der Walliser Dienststelle für Arbeitnehmerschutz und Arbeitsverhältnisse (DAA) sind einige Fälle bekannt, bei denen Angestellte trotz Covid-Symptomen zur Arbeit erscheinen mussten. Die meisten davon würden sich im Gastgewerbe ereignen, da in dieser Branche die Arbeitskräfte fehlten. «Ein solches Verhalten ist gesetzwidrig und kann andere Personen gefährden», schreibt Dienstchef Nicolas Bolli auf Anfrage.

Mitarbeitende, die Covid-Symptome geltend machen würden, müssten in aller Regel zu Hause bleiben. Ausnahmen könne es bei akutem Personalmangel geben, beispielsweise in Spitälern. Eine Kündigung, die ausgesprochen wird, weil der oder die Angestellte aufgrund von Covid-Symptomen der Arbeit ferngeblieben ist, «könnte als missbräuchlich angesehen werden», so Bolli.

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Hier findest du Hilfe:

BAG-Infoline Coronavirus, Tel. 058 463 00 00

BAG-Infoline Covid-19-Impfung, Tel. 058 377 88 92

Dureschnufe.ch, Plattform für psychische Gesundheit rund um Corona

Safezone.ch, anonyme Onlineberatung bei Suchtfragen

Branchenhilfe.ch, Ratgeber für betroffene Wirtschaftszweige

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

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(sul)

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