Geschichtsaufarbeitung: Wurde polnischer Ministerpräsident in Stalins Auftrag getötet?
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GeschichtsaufarbeitungWurde polnischer Ministerpräsident in Stalins Auftrag getötet?

Mehr als 60 Jahre nach dem bis heute ungeklärten Tod von Wladyslaw Sikorski ist der Leichnam des Generals und Ministerpräsidenten der polnischen Exilregierung im Zweiten Weltkrieg ehumiert worden.

Sikorski kam am 4. Juli 1943 bei einem Flugzeugabsturz in Gibraltar ums Leben. Jetzt wollen die polnischen Behörden klären, ob es ein Unglück oder ein Anschlag auf das Leben des Generals war. Die Untersuchungen wurden bereits im September eingeleitet.

Der hölzerne Sarg mit den sterblichen Überresten Sikorskis wurde am Dienstag aus dem Grab in der Krypta der Kathedrale in Krakau geborgen. Ein DNA-Test soll zunächst klären, ob es sich tatsächlich um den Leichnam Sikorskis handelt. Der Leichnam wird ausserdem auf Giftspuren und mögliche Schusswunden untersucht.

Polnische Staatsanwälte beantragten im Zuge der Ermittlungen auch die Einsicht in britische Geheimakten, von denen sie sich neue Erkenntnisse versprechen. Es gebe den «berechtigten Verdacht einer kriminellen Todesursache», erklärte das Nationale Gedenkinstitut im September. Ermittelt werde wegen des Verdachts eines «kommunistischen Verbrechens».

Nur drei Monate, bevor Sikorskis Flugzeug abstürzte, hatte Josef Stalin die diplomatischen Beziehungen zur polnischen Exilregierung abgebrochen. Er reagierte damit auf eine Forderung Sikorskis nach einer internationalen Untersuchung zum Massaker in Katyn, wo tausende Polen von den Sowjets umgebracht wurden.

Staatsanwältin Ewa Koj sagte, die Ermittlungen gründeten sich auf Dokumente und neue Zeugenaussagen. Die britischen Behörden hätten eine 23-seitige Zusammenfassung des damaligen Untersuchungsberichts geschickt.

Sikorskis Tod habe das Schicksal Polens im Zweiten Weltkrieg beeinflusst, sagte der polnische Historiker Dariusz Baliszewski dem Sender TVN24. «Um der Wahrheit willen sollten wir wissen, was wirklich passiert ist.» (dapd)

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