Aktualisiert 07.07.2014 20:03

Spur nach Zürich

Wurde Schumis Akte bei der Rega gestohlen?

Vor Michael Schumachers Verlegung nach Lausanne wurde seine Krankenakte gestohlen. Ermittlungen führen nach Zürich. Brisant: Die Rega war im Besitz des Dossiers.

von
woz/lüs

Seit Tagen fahndet die Polizei nach dem Dieb, der die Krankenakte von Michael Schumacher gestohlen hat. Jetzt haben die Ermittler eine heisse Spur: Im Zentrum der Ermittlungen stehe ein «grosses Schweizer Helikopter-Unternehmen», berichtet die französische Zeitung «Dauphiné Libéré». Ein Firmenname wurde nicht genannt.

Die Zeitung hat die IP-Adresse des Computers, von dem die Akten für 60'000 Franken zum Verkauf angeboten wurden, ausfindig gemacht. Das verwendete Gerät befindet sich offenbar im Unternehmen in Zürich.

Das Unternehmen wurde vor der Verlegung von Michael Schumacher informiert. Eine Version des Datensatzes wurde dann per Mail an das Helikopterunternehmen gesendet. Dabei ging es um die medizinische Ausstattung der Maschine, schreibt die französische Zeitung weiter.

Rega hatte den medizinischen Bericht

Die Staatsanwaltschaft in Grenoble (Fr) bestätigte am Montag diese Fakten. Ob auch der Dieb selbst gefasst wurde, blieb zunächst unklar. Weil das Helikopter-Unternehmen im Kanton Zürich seinen Sitz hat, müsste der Fall theoretisch bei der Zürcher Staatsanwaltschaft landen. Dort weiss man zum jetzigen Zeitpunkt aber von nichts. Man habe bis jetzt weder einen Fall noch ein Rechtshilfegesuch aus Frankreich erhalten, hiess es auf Anfrage.

Ein Unternehmen, das über das Dossier von Michael Schumacher verfügte, ist die Rettungsflugwacht Rega mit Sitz am Flughafen Zürich. Rega-Sprecher Philipp Keller sagt zu 20 Minuten: «Die Rega hat im Zusammenhang mit der Verlegung des Patienten von Grenoble nach Lausanne medizinische Abklärungen getroffen und den Transport per Ambulanz organisiert. Im Rahmen dieser Abklärungen wurde der Rega vom Spital in Grenoble ein medizinischer Bericht zur Verfügung gestellt.»

«Arzt- und Patientengeheimnis gewahrt»

Dass den Medien anscheinend medizinische Daten zum Kauf angeboten wurden, habe die Rega aus den Medien erfahren. Die Rega sei in dieser Sache nicht von Untersuchungsbehörden kontaktiert worden und habe keine Kenntnisse von laufenden Untersuchungen. Keller betont: «Nach heutigem Informationsstand gehen wir davon aus, dass das Arzt- und Patientengeheimnis gewahrt wurde.»

Ob neben der Rega auch weitere Zürcher Helikopterunternehmen in Abklärungen zu Schumachers Verlegung involviert waren und dazu die Krankenakte von Schumacher erhalten haben, ist unklar. Die auf Ambulanzflüge spezialisierte AAA Alpine Air Ambulance AG, die ihren Sitz ebenfalls am Zürcher Flughafen hat und unter anderem die Ambulanzflüge des TCS durchführt, teilte 20 Minuten mit, man sei nie für den Transport von Michael Schumacher angefragt worden.

Schumacher war Ende Dezember im französischen Skigebiet Méribel bei einem Sturz mit dem Kopf auf einen Felsen geprallt. Er erlitt ein schweres Schädel-Hirn-Trauma und lag wochenlang im Koma. Am 16. Juni wurde er, bereits aus dem Koma erwacht, unter grösster Diskretion von Grenoble zur Reha nach Lausanne gebracht. (woz/lüs/sda)

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.