Verstopfte WCs in Genf: Wurden die 500-Euro-Noten aus Panik entsorgt?

Aktualisiert

Verstopfte WCs in GenfWurden die 500-Euro-Noten aus Panik entsorgt?

Im Sommer tauchten in mehreren Genfer WCs 500-Euro-Noten auf. Nun hat die Polizei ein Mitglied der Besitzerfamilie verhört. Ihm zufolge soll kein Verbrechen vorliegen.

von
vro
1 / 3
In der UBS-Filiale an der Rue de la Corraterie in Genf wurden in einem verstopften WC beim Tresorraum zerstückelte Euronoten entdeckt.

In der UBS-Filiale an der Rue de la Corraterie in Genf wurden in einem verstopften WC beim Tresorraum zerstückelte Euronoten entdeckt.

Google Street View
Auch in der Pizzeria Molino an der Place du Molard, nicht weit von der Bankfiliale entfernt, verstopften Banknoten die WCs.

Auch in der Pizzeria Molino an der Place du Molard, nicht weit von der Bankfiliale entfernt, verstopften Banknoten die WCs.

Google Street View
Im gleich daneben einquartierten Café du Centre fand man weitere zerstückelte Noten.

Im gleich daneben einquartierten Café du Centre fand man weitere zerstückelte Noten.

Google Street View

Die Meldung ging um die Welt: In einer UBS-Filiale und drei Cafés in Genf waren Anfang Sommer die WCs mit Bündeln von 500-Euro-Noten verstopft. Insgesamt wurden mehrere Zehntausend Euro gefunden, die Noten waren zerstückelt und durchnässt. Der Fall gab Rätsel auf: Weshalb schmeisst jemand so viel Geld in die Toilette? Spekuliert wurde auch, ob hier jemand dem Fiskus entgehen wollte. Dank Überwachungskameras war nur bekannt, dass die Besitzerinnen des Schliessfachs, aus dem das Geld stammte, kurz zuvor in der Bank gewesen waren. Sie stammen aus Spanien.

Monatelang ermittelte die Polizei, lösen konnte sie den Fall bisher aber nicht. Doch im Dezember kam es zu einer Kehrtwende: Ein Mann hat sich laut der «Tribune de Genève» bei der Polizei gemeldet. Er soll einer Familie in Spanien angehören, die ein Unternehmen im Tourismusbereich führt. Auch die Schliessfach-Besitzerinnen seien Teil dieser Familie, das Geld stamme von den Einnahmen des Geschäfts.

Kriminelle Bande soll Besitzer unter Druck gesetzt haben

Der Mann stellte gegenüber der Polizei klar, dass nicht das ganze Schliessfach geleert worden sei. Es befänden sich nach wie vor mehrere Zehntausend Euro in Couverts darin, ebenso ein wenig Gold. Im Schliessfach hätten mehrere Familienmitglieder ihre Ersparnisse deponiert – darunter auch die Frauen, die auf den Aufzeichnungen der Überwachungskameras aufgetaucht waren. Kriminell sei daran nichts, sagt der Mann zur Zeitung.

Eine plausible Erklärung für die Aktion hat er zwar nicht, doch der Mann vermutet, dass hier in Panik gehandelt wurde. Vor einigen Jahren sei die Familie von einer kriminellen Bande unter Druck gesetzt worden. Wegen Drohungen hätten die Unternehmer deshalb beschlossen, das Geld in einer Genfer Bank in Sicherheit zu bringen.

Die genauen Beweggründe, ganze Bündel von 500-Euro-Noten die Toilette hinunterzuspülen, bleiben jedoch weiter im Dunkeln. Die Justiz geht nicht von einer kriminellen Absicht aus, wie ein Sprecher der «Tribune de Genève» erklärt. Die Café-Betreiber, die wegen der verstopften WCs eine Anzeige eingereicht hatten, haben diese mittlerweile zurückgezogen.

Deine Meinung