Ukraine-Krieg: Wurden russische Soldaten aus nächster Nähe hingerichtet?

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Ukraine-KriegWurden russische Soldaten aus nächster Nähe hingerichtet?

Im Netz sind vor einigen Tagen Videos aufgetaucht, die angeblich die Hinrichtung von rund einem Dutzend russischer Soldaten durch ukrainische Streitkräfte nach ihrer Kapitulation zeigen sollen. Kiew behauptet, nichts damit zu tun zu haben.

von
Karin Leuthold
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Seit Mitte November 2022 werden auf Social Media Videos einer angeblichen Hinrichtung russischer Soldaten geteilt. Die Männer sollen sich nach Angaben Russlands in Makijiwka in der Region Donezk ergeben haben.

Seit Mitte November 2022 werden auf Social Media Videos einer angeblichen Hinrichtung russischer Soldaten geteilt. Die Männer sollen sich nach Angaben Russlands in Makijiwka in der Region Donezk ergeben haben.

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Eines der Videos zeigt Soldaten, die sich offenbar mehreren Männern in Tarnkleidung und gelben Armbinden ergeben. 

Eines der Videos zeigt Soldaten, die sich offenbar mehreren Männern in Tarnkleidung und gelben Armbinden ergeben. 

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Die Soldaten legen sich auf den Boden. Das Video stoppt abrupt, als ein dunkel gekleideter Mann das Feuer eröffnet.

Die Soldaten legen sich auf den Boden. Das Video stoppt abrupt, als ein dunkel gekleideter Mann das Feuer eröffnet.

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Darum gehts

  • Russland hat Kiew am Freitag vorgeworfen, mehrere sich ergebende Soldaten hingerichtet zu haben. 

  • Kiew hat am Sonntag den Vorwurf der angeblichen Hinrichtung zurückgewiesen.

  • Eine Analyse zweier aufgenommenen Videos soll Klarheit bringen.

Moskau und Kiew streiten über einen schweren Vorfall in Makijiwka in der Region Donezk im Osten der Ukraine, bei dem nach Angaben Russlands ukrainische Soldaten russische Kriegsgefangene «brutal» hingerichtet haben sollen. Das russische Verteidigungsministerium sprach letzten Freitag von dem «vorsätzlichen und methodischen Mord an mehr als zehn gefesselten russischen Soldaten», denen «in den Kopf geschossen» worden sei.

Am Sonntag hat die ukrainische Regierung Berichte über die angebliche Hinrichtung zurückgewiesen. Die ukrainischen Truppen hätten sich vielmehr gegen russische Soldaten zur Wehr gesetzt, die ihre Kapitulation nur vorgetäuscht hätten, erklärte der Menschenrechtsbeauftragte des ukrainischen Parlaments, Dmytro Lubinez, auf Telegram. 

Lubinez erklärte, «Ausschnitte» eines Videos zeigten, dass die russischen Soldaten eine «vorgetäuschte Kapitulation nutzten», um «das Feuer auf die ukrainischen Streitkräfte zu eröffnen». Dies sei ein «Kriegsverbrechen».

Was zeigen die Videos?

Auf Social Media geistern seit mehreren Tagen zwei 30 Sekunden lange Videos des Vorfalls herum: Auf einem mit einer Drohne aufgenommenen Video sind Soldaten zu sehen, die sich offenbar ergeben und sich in einem Hinterhof mit dem Gesicht nach unten auf den Boden legen. Kurz darauf sind Schüsse zu hören und das Video bricht abrupt ab.

Tage später zeigte ein weiteres Video, das von einer am Tatort anwesenden Person vom Boden aus gefilmt wurde, rund ein Dutzend Leichen in Blutlachen. In den Aufnahmen sind Stimmen zu hören, die fragen, ob alle Männer, die sich in einem Schuppen versteckt hatten, herausgekommen seien. 

Die Personen sprechen in dem Video ukrainisch, während die Uniformen der Gefangenen russisch aussehen. Am Schluss taucht ein bewaffneter, dunkel gekleideter Mann auf, der das Feuer eröffnet. Es ist unklar, ob es sich dabei um einen Russen oder einen Ukrainer handelt. Auch ist auf dem unscharfen Video nicht zu erkennen, worauf er schiesst. 

UNO untersucht die Aufnahmen

Anhand der Aufnahmen war die «BBC» nicht in der Lage, die Vorwürfe Russlands zu überprüfen. Doch inzwischen sei klar, dass die ersten Aufnahmen aus der Luft und die am Boden der gleichen Szene entsprechen, schreibt der britische Sender. Da ist eine Eingangstür mit einem grünen Dach in den Aufnahmen zu erkennen, in beiden Videos steht zudem ein rotes Spielzeugauto auf dem Hof.

Ein UN-Sprecher erklärte auf Anfrage von AFP, die UNO habe «Kenntnis von den Videos» und «untersuche sie». Die UN-Mission zur Überwachung der Menschenrechte in der Ukraine hatte vor kurzem mitgeteilt, ihr lägen glaubwürdige Berichte über Folter und Misshandlungen von Kriegsgefangenen auf beiden Seiten vor. 

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Hier findest du Hilfe für dich und andere:

Fragen und Antworten zum Krieg in der Ukraine (Staatssekretariat für Migration)

Kriegsangst?, Tipps von Pro Juventute

Beratungsangebot (Deutsch, Ukrainisch, Russisch), von Pro Juventute

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

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