Aktualisiert 18.09.2014 07:51

Falsche Farbe

Wurden seltene Schafe sinnlos abgeschlachtet?

Die Besitzer der gestohlenen Walliser Schafe gehen davon aus, dass diese nun in Italien sind. Weil sie dort auffallen würden, mussten möglicherweise 30 Schafe sterben.

von
Nicolas Saameli

Jedes Dritte der 103 Schafe, die im Walliser Saastal gestohlen wurden, ist möglicherweise sinnlos geschlachtet worden. Getötet wurden die Tiere, weil sie sich in der Farbe von den italienischen Schafen unterscheiden und die Diebe sie deshalb nicht in ihren Herden verstecken können. «In Italien werden ausschliesslich weisse Schafe gehalten», sagt Philippe Ammann, der Bereichsleiter Tiere von Pro Specie Rara. «Wir müssen leider davon ausgehen, dass alle gescheckten Saaser Mutten bereits getötet wurden, weil sie dort sonst auffallen würden.»

Eine Entführung der Schafe in die Schweiz schliesst er aus. Hier gebe es viel zu wenig Platz, um so viele Tiere zu verstecken. Auch die Züchter sind überzeugt, dass die Tiere dorthin entführt wurden - die Alp, auf der die Schafe gehalten wurden, liegt nahe an der italienischen Grenze.

Wurden die seltensten Tiere getötet?

Die Tiere, die nach dem Diebstahl möglicherweise «notgeschlachtet» wurden, wären dabei besonders wertvoll für den Bestand der seltenen Schafsrasse gewesen. «Saaser Mutten unterscheiden sich von den verbreiteten Bergamaskerschafen dadurch, dass ungefähr ein Drittel der Tiere gescheckt ist. Diese Tiere sind für die Züchter besonders wichtig. Ohne sie kann die Spezies nicht am Leben erhalten werden.»

Noch seltener als die gescheckten Schafe seien die Männchen der Saaser Mutten. «Von allen Tieren, die es von dieser Spezies noch gibt, ist nur ungefähr jedes Zehnte ein Widder», sagt Ammann. «Die sind aber für die Zucht unbedingt notwendig.» Wie viele männliche Saaser Mutten zu den gestohlenen Schafen gehören, könne man im Moment noch nicht sagen.

Wie die Schafe gestohlen wurden, ist ein Rätsel

Unklar sei derzeit weiterhin, wer für den Diebstahl verantwortlich sein könne. Zwar seien Menschen mit Hunden auf den Alpen beobachtet worden, dabei könnte es sich aber auch um Wanderer handeln. Ungelöst sei auch, wie die Schafe entführt wurden. «Von Einzelfällen gestohlener Schafe habe ich schon gehört. Dass aber gleich eine ganze Herde abhandenkommt, ist noch nie vorgekommen», sagt Ammann.

Dass die Schafe wegen ihrer Rasse gestohlen wurden, kann sich Amman nicht vorstellen. Besonders wertvoll seien sie nicht und als richtige Saaser Mutten könne man die Schafe nur im Saastal züchten. Realistischer sei eher, dass die Tiere gestohlen wurden, weil es ein Leichtes war, sie mitzunehmen. Für Pro Specia Rara sei der Diebstahl ein herber Verlust. «Die Saaser Mutten sind schon fast ausgestorben. Dass nun noch ein Drittel sämtlicher Tiere gestohlen wird, kommt im absolut dümmsten Moment.»

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