Aktualisiert 17.02.2020 09:44

Spionage-AffäreWussten noch mehr Bundesräte Bescheid?

Neben Alt-Bundesrat Villiger sollen auch Amtskollegen Koller, Delamuraz und Cotti über die Machenschaften der Zuger Firma im Bild gewesen sein.

von
roy
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Die Bundesrätin leitete letztes Jahr intern Abklärungen über die Crypto-Affäre ein: Viola Amherd an einer Medienkonferenz in Bern. (27. November 2019)

Die Bundesrätin leitete letztes Jahr intern Abklärungen über die Crypto-Affäre ein: Viola Amherd an einer Medienkonferenz in Bern. (27. November 2019)

Keystone/Alessandro Della Valle
Diese Abklärungen hätten ergeben, dass der damalige Bundesrat doch von der Spionageoperation der CIA und des deutschen Geheimdienstes gewusst habe.

Diese Abklärungen hätten ergeben, dass der damalige Bundesrat doch von der Spionageoperation der CIA und des deutschen Geheimdienstes gewusst habe.

Keystone/Martin Ruetschi
Das offizielle Bundesratsfoto von 1995 (v.l.n.r.oben): Francois Couchepin, Adolf Ogi, Arnold Koller, Flavio Cotti, Ruth Dreifuss, (v.l.n.r.unten) Jean-Pascal Delamuraz, Kaspar Villiger, Otto Stich.

Das offizielle Bundesratsfoto von 1995 (v.l.n.r.oben): Francois Couchepin, Adolf Ogi, Arnold Koller, Flavio Cotti, Ruth Dreifuss, (v.l.n.r.unten) Jean-Pascal Delamuraz, Kaspar Villiger, Otto Stich.

Keystone/Handout Bundeskanzlei

Viola Amherd, Vorsteherin des Verteidigungsdepartement VBS schrieb in einem Papier für den Bundesrat, dass Dokumente auftauchten, die darauf hinweisen, dass Alt-Bundesrat Kaspar Villiger über die Spionage-Aktion der CIA in der Schweiz informiert war – was Villiger bereits dementierte. Und sie schrieb, dass es zum damaligen Justizminister Arnold Koller, CVP, keine Hinweise gebe.

Gemäss Informationen der «SonntagsZeitung», wollte das EJPD der aktuellen Justizministerin Karin Keller-Sutter, FDP, das so nicht stehen lassen. Sie verlangte gemäss mehreren Quellen eine Korrektur und hielt dabei fest: Der Hinweis, Arnold Koller sei nicht erwähnt, gelte nur für die Quellen des VBS. Seither fragt man sich im Bundeshaus, ob diese Präzisierung gemacht wurde, weil Akten aus anderen Departementen mit dem Namen Kollers aufgetaucht sind.

Amherd jedenfalls schrieb gemäss Insidern in ihr eigenes Analysepapier, dass nicht nur Villiger, sondern auch Koller in der Öffentlichkeit unter Druck geraten könnten. Fakt ist: Koller spielte bei den Ereignissen eine zentrale Rolle. In seinem Departement fanden die missratenen Ermittlungen statt, die damals nicht aufdeckten, dass die Crypto AG ein Vehikel der CIA ist.

Auch Delamuraz und Cotti

Dass Koller von der Spionage gewusst haben muss, geht auch aus einem Bericht der «NZZ am Sonntag» hervor. Koller sei demnach nicht nur über die Abklärungen der Bundespolizei zur Crypto AG informiert gewesen, sondern habe auch von Villigers Kontakten zu einem Verwaltungsrat der Firma gewusst.

Darüber hinaus sollen auch die Regierungskollegen Jean-Pascal Delamuraz und Flavio Cotti von den Machenschaften der Zuger Firma gewusst haben. Dies gehe aus einem Schreiben hervor, das die Zeitung im Zuger Dokumentationszentrum entdeckte. Der Brief eines verhafteten Geschäftsmannes, der im Iran für den Vertrieb der Crypto AG betraut war, sei direkt an die beiden Politiker gerichtet gewesen. Darin habe er geschrieben, dass er Geräte der Firma Crypto, die der Spionage dienten, verkauft habe. Auch habe er erwähnt, dass deutsche Interessen hinter der Firma stünden. Daraufhin habe ein Chefbeamter von Delamuraz geantwortet und gesagt, dass man nichts für ihn tun könne.

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