Aktualisiert 01.03.2008 16:14

Wut im US-Kongress über Zuschlag für Airbus

Der überraschende Zuschlag für die Airbus-Muttergesellschaft EADS und Northrop Grumman für den Bau von Tankflugzeugen hat im US-Kongress heftige Reaktionen provoziert. In Europa freut man sich hingegen über den milliardenschweren Auftrag.

Es ist erst März - und schon hat der europäische Flugzeugbauer Airbus den Deal des Jahres gemacht: Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel und der französische Staatschef Nicolas Sarkozy haben erfreut auf den Milliardenauftrag der US-Luftwaffe an den europäischen Rüstungs- und Raumfahrtkonzern EADS reagiert.

EADS hatte sich bei der Lieferung von 179 Tankflugzeugen gegen den US-Flugzeughersteller Boeing durchgesetzt. Bundeskanzlerin Merkel wertete dies am Samstag als «Riesenerfolg für Airbus und die europäische Luftfahrtindustrie».

Dass EADS den Zuschlag erhalten habe, sei «nicht nur ein Beleg für die technologische Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit von Airbus», sondern «zugleich ein Zeichen für die gute und vertrauensvolle sicherheitspolitische Zusammenarbeit mit den USA».

Auch Sarkozy gratulierte dem EADS-Konzern. Diesem sei es auf einem der «schwierigsten und anspruchsvollsten» Märkte gelungen, an alte Erfolge anzuknüpfen. Dies sei ein «historischer Erfolg».

Entsetzen im US-Kongress

Weniger erfreut fielen die Reaktionen in den USA aus; durch den Zuschlag für die Europäer hat der heimische Flugzeugbauer Boeing das Nachsehen.

Abgeordnete und Senatoren aus Bundesstaaten mit einer starken Präsenz des Verlierers Boeing wie Washington und Kansas äusserten sich entsetzt und kündigten Widerstand an. Sie verlangten eine Rechtfertigung vom Pentagon.

Politiker aus Alabama, wo die Tanker zum Teil gefertigt werden sollen, lobten dagegen den Entscheid der US-Luftwaffe. Der Auftrag für 179 Flugzeuge hat ein Volumen von bis zu 40 Mrd. Dollar.

Strenge Prüfung

Der republikanische Abgeordnete Todd Tiahrt aus Kansas kündigte eine strenge Prüfung des Entscheids an: «Wir sollten einen amerikanischen Tanker haben, der von einer amerikanischen Firma mit amerikanischen Arbeitern gebaut wurde. Ich kann nicht glauben, dass wir Stellen in Frankreich schaffen werden statt in Kansas.»

Die demokratischen Senatorinnen aus Washington, Patty Murray und Maria Cantwell, kritisierten wie andere Vertreter des Bundesstaats die Vergabe scharf: «Wir sind empört, dass das europäische Unternehmen Airbus und ausländische Arbeiter ausgesucht werden, um unserem amerikanischen Militär einen Tanker zu liefern.»

Jobs in Alabama

Dagegen lobte der republikanische Senator Richard Shelby aus Alabama die Wahl: «Ich habe die ganze Zeit gedacht, dass Northrop Grumman und EADS das beste Gebot gemacht haben.» Nun würden fast 7000 Stellen in Alabama geschaffen.

Shelbys Parteikollege Jo Bonner aus dem Repräsentantenhaus äusserte sich ähnlich. Alabam freue sich, die Luftwaffe mit dem allermodernsten Tankflugzeug unterstützen zu können - «ein Tanker, der in Amerika zusammengebaut wird, von Amerikanern». Bonner vertritt die Stadt Mobile, wo ein Teil der Montage sein wird.

Zu früh gefreut

In Washington war erwartet worden, dass Boeing gewinnen würde. Das Büro der texanischen Senatorin Kay Bailey Hutchison hatte am Freitagabend eine Erklärung veröffentlicht, in der Boeing als Gewinner genannt wurde. Das Schreiben wurde schnell zurückgezogen. (sda)

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