Eltern und Angestellte in Not : Wut und Verzweiflung nach Kita-Schliessung
Publiziert

Eltern und Angestellte in Not Wut und Verzweiflung nach Kita-Schliessung

Zwei Kitas einer Luzerner Kette schliessen von heute auf morgen. Zurück bleiben Angst und Wut: Angestellte warten seit Monaten auf Lohn, Eltern müssen um ihren Job fürchten.

von
Christian Holzer
1 / 5
Gleich zwei Kitas der Youkita AG, eine in Luterbach SO...

Gleich zwei Kitas der Youkita AG, eine in Luterbach SO...

Google
und eine in Langenthal BE, wurden kurzfristig geschlossen. Eine Hiobsbotschaft für rund 80 Eltern.

und eine in Langenthal BE, wurden kurzfristig geschlossen. Eine Hiobsbotschaft für rund 80 Eltern.

zvg
Davon betroffen war auch die alleinerziehende Mutter Carmen Pedrazzini. Mit viel Flexibilität und Glück habe sie rasch wieder einen neuen Betreuungsplatz gefunden.

Davon betroffen war auch die alleinerziehende Mutter Carmen Pedrazzini. Mit viel Flexibilität und Glück habe sie rasch wieder einen neuen Betreuungsplatz gefunden.

Animaflora

Hiobsbotschaft für rund 60 Eltern aus Langenthal BE: Die örtliche Kita «Füchsli und Strolchi» der Kette Youkita AG machte am Donnerstag praktisch von einem Tag auf den anderen dicht. Dies, nachdem das Kantonale Jugendamt Bern wenige Tage zuvor die Eltern in einem Brief über «Mängel und Schwierigkeiten im Betrieb» informierte. Jetzt stehen die Familien vor einem Problem: Wie sollte sie nun ihren Alltag ohne Betreuungsplatz meistern?

Die alleinerziehende Mutter Carmen Pedrazzini kann mitfühlen. Ihr erging es Ende Mai nämlich genauso. Die Kita ihrer Tochter im solothurnischen Luterbach, wo 20 Kinder betreut wurden, schloss völlig überraschend. Der Hort gehört zur selben Kette mit Sitz in Luzern. In einem ersten Schreiben wurde die Mutter und die anderen Eltern am Mittwoch, 23. Mai informiert, dass die Kita in fünf Wochen schliesse. 48 Stunden später dann der zweite Schock: «Am Freitag kam plötzlich das Telefon, dass die Kita bereits ab dem folgenden Montag geschlossen sei.»

Kantonswechsel als Lösung

Für Pedrazzini ein Desaster. Zwar hätte die Solothurnerin auf andere Betreuungsplätze in der Nähe ausweichen können, doch diese waren allesamt nicht staatlich subventioniert – das Budget der Familie reichte dafür nicht aus. Nur mit viel Glück und Flexibilität fand Padrazzini kurze Zeit später wieder einen subventionierten Platz; jedoch im Kanton Bern: «Meine Tochter und ich sind so innert nur drei Wochen in den Kanton Bern gezügelt.» In der Zwischenzeit habe ihr Arbeitgeber sie unterstützt. Jedoch nicht alle hatten solches Glück, sagt die Produktionsmechanikerin: «Viele hatten extreme Probleme im Job, weil sie plötzlich ihr Kind nicht mehr in die Fremdbetreuung geben konnten oder weite Wege auf sich nehmen mussten.» Einige müssten um den Job zittern.

Warten auf den Lohn

Was viele Eltern im Vorfeld nicht wussten: Die Angestellten litten seit langem unter der Situation: «Der Lohn kam immer zu spät und plötzlich gar nicht mehr», sagt eine Kita-Angestellte, die anonym bleiben will, zu 20 Minuten. Zwei Monate hätten die Angestellten bereits ohne Lohn gearbeitet: «Wir wurden immer wieder vertröstet. Plötzlich wurde die Kita geschlossen, seither ignoriert sie uns.» Rund 15 Mitarbeiter seien betroffen.

Die Kita-Angestellte sagt, sie hätte bei Bekannten Geld ausleihen müssen, um über die Runden zu kommen. Auch ihr Partner und Vermieter seien ihr derweil eine finanzielle Hilfe. «Wir hoffen nun einfach alle, dass wir unseren Lohn doch noch bekommen.»

Schweigepflicht?

Geschäftsführerin der Youkita AG ist T. M.* Gegenüber 20 Minuten hält sie sich bedeckt: «Es laufen interne Prozesse, darum können wir derzeit keine Angaben machen.» Von einer Schweigepflicht ist die Rede. Sie fühle mit ihren Mitarbeitern, sagt die Frau: «Es ist eine schwierige Situation für alle. Aber wir haben nun eine Lösung gefunden», verspricht M.* Ob und wann die Mitarbeiter konkret ihren Lohn bekommen, kann die Leiterin jedoch nicht sagen. Sie weist jede Schuld von sich: «Gewisse Mitarbeiter haben Fehler gemacht und ich muss das jetzt ausbaden.» Alles brauche einfach seine Zeit.

Pedrazzini und die Angestellten kennen solche Worte bereits: «Das ist ihre Taktik, sie hält einen einfach hin», so eine Angestellte. Boshaftigkeit unterstellen die Angestellten ihrer Chefin jedoch nicht – sie habe es am Anfang sicherlich gut gemeint und jetzt sei sie schlicht überfordert. «Wir würden uns einfach wünschen, dass sie klar und rechtzeitig mit uns kommuniziert.» Das hätten sich auch die betroffenen Eltern gewünscht.

*Name der Redaktion bekannt.

Deine Meinung