Präsident von Haiti: Wyclef will es wissen
Aktualisiert

Präsident von HaitiWyclef will es wissen

Seit Tagen kursieren Gerüchte, jetzt ist es Realität: Der Rap-Star Wyclef Jean will Präsident seines Heimatstaats Haiti werden.

von
pbl

Wyclef Jean äussert sich zu seinen Plänen. (Video: AP/20 Minuten Online)

Pierre Eric Jean-Jacques, der ehemalige Vorsitzende des haitianischen Parlaments, sagte der Nachrichtenagentur AP, der Künstler werde als Kandidat eines neuen Wahlbündnisses namens Ansanm Nou Fo (kreolisch für «Zusammen sind wir stark») bei den Wahlen am 28. November antreten. Jean hatte sich nach dem verheerenden Erdbeben Anfang des Jahres mit seiner Yéle-Haiti-Stiftung stark für sein Geburtsland engagiert.

Seit Tagen schon gibt es Gerüchte, der mit der Hip-Hop-Band «Fugees» bekannt gewordene Musiker ziehe eine Kandidatur in Erwägung. Ein Sprecherin Jeans sagte, der Sänger werde am Donnerstagabend eine Ankündigung in Haiti machen. Über den Inhalt wollte sie aber nichts sagen. Andere Quellen erklärten, Jean werde seine Kandidatur am Donnerstag «exklusiv» in der Sendung «Larry King Live» auf CNN bekannt geben.

Populär bei den Jungen

Wyclef Jean selber hat die Kandidatur gegenüber dem Magazin «Time» faktisch bestätigt: «Ohne das Erdbeben hätte ich vermutlich noch zehn Jahre gewartet, bis ich es tun würde. Das Beben hat mir klar gemacht, dass Haiti nicht weitere zehn Jahre warten kann, bis es im 21. Jahrhundert ankommt.» Zwischen seinem Leben als Künstler und seinen politischen Ambitionen sieht er keinen Widerspruch: «Wenn ich nicht fünf Jahre lang meinem Land als Präsident dienen kann, hätte alles, worüber ich singe, wie etwa gleiche Rechte für alle, keinen Sinn.»

Die Chancen des dreifachen Grammy-Gewinners sind intakt. Zwar ist er im Alter von neun Jahren nach New York ausgewandert, «sein Französisch ist schlecht und sein Kreolisch eingerostet», so «Time». Doch die Hälfte der neun Millionen Haitianer ist jünger als 25, gerade bei ihnen ist der 37-jährige Rapper enorm populär, weit mehr jedenfalls als die notorisch korrupte Politikerkaste des Landes. «Viele Leute sind begeistert», sagte Marvel Dandin, ein populärer Radio-Moderator in Port-au-Prince. «Angesichts der furchtbaren Lage in Haiti ist es den meisten egal, ob der Präsident fliessend Kreolisch spricht.» (pbl/dapd)

Deine Meinung