Ex-Pleitegeier wieder da: Xamax kann das «Comeback» schaffen
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Ex-Pleitegeier wieder daXamax kann das «Comeback» schaffen

Neuchâtel Xamax steht wohl ein Neuanfang in einer unteren Liga bevor. Das gleiche Schicksal hat in der Vergangenheit diverse Klubs ereilt. Was aus diesen Klubs geworden ist.

von
Eva Tedesco
Das Feinste vom Feinen: Am 7. August 2004 präsentieren Servette-Präsident Marc Roger (r.) und Olivier Maus den französischen Welt- und Europameister Christian Karembeu als Neuzugang. (Keystone /AP)

Das Feinste vom Feinen: Am 7. August 2004 präsentieren Servette-Präsident Marc Roger (r.) und Olivier Maus den französischen Welt- und Europameister Christian Karembeu als Neuzugang. (Keystone /AP)

Die Swiss Football League hat Xamax die Lizenz entzogen, der Super-Ligist wird zwangsrelegiert. Ob in die 1. Liga Promotion oder sogar in die 2. Liga interregional hängt vom möglichen Konkurs des zweifachen Schweizer Meisters ab.

Vor allem in der Romandie stehen die Neuenburger nicht alleine da: Xamax ist bereits der dritte Verein aus der Westschweiz, der in der jüngeren Vergangenheit aus finaziellen Gründen mit einem Zwangsabstieg bestraft wurde.

2003: Lausanne Pleite

Schulden in Millionenhöhe zwang die Waadtländer 2003 in den Konkurs. Das 6-Millionen-Loch, dass der französisch-polnische Mäzen Waldemar Kita innert drei Jahren gerissen hatte, war nicht zu stopfen. Der aus den Resten des Klubs neu gegründete FC Lausanne-Sport startete noch im gleichen Jahr in der 2. Liga interregional den Neuanfang und stieg direkt bis in die Challenge League auf. Seit 2011 spielt das Team von Trainer Martin Rueda wieder in der Super League.

2003: Sion (vorerst) verbannt

10 Millionen Franken Schulden soll Christian Constantin seinem Nachfolger Gilbert Kadji 1998 hinterlassen haben. Der kamerunische Bierbrauer war bemüht, aber für die Sittener war Hopfen und Malz verloren: Der FC Sion wurde zwangsrelegiert und von der SFL zwei Jahre später sogar in die 1. Liga strafversetzt. Constantin kam zurück und tat, was er am liebsten tut: prozessieren. Der streitbare Architekt erklagte sich vor dem Bundesgericht die Teilnahme an der Challenge League.

2005: Servette verschwindet

Für einen symbolischen Franken hatte Marc Roger Servette im Februar 2004 übernommen. Er rettete mit der Übernahme den schon aus dem letzten Loch pfeifenden Klub vor dem Aus, häufte in den folgenden knapp zehn Monaten aber elf Millionen Schulden an. Zuviel für den Traditionsklub! Servette war aber vom Konkurs der AG nicht betroffen und startete deshalb in der 1. Liga neu. Der französische Spielervermittler wurde 2008 wegen ungetreuer Geschäftsführung und Urkundenfälschung schuldig gesprochen. Wie Lausanne schafften die «Grenats» 2011 den Aufstieg in die höchste Schweizer Spielklasse. Beide Vereine sind Beweis dafür, dass eine Traditionsmarke in nützlicher Frist ein «Comeback» schaffen kann. Dies dürfte der künftigen Xamax-Führung - wie immer diese auch aussehen mag - Hoffnung für den Neuanfang geben.

2003: FC Lugano versenkt

Weit über 40 Millionen Franken hat Präsident Helios Jermini in den FC Lugano gepumpt. Das Geld war nicht seins: Kurz bevor die Leiche des Tessiner Geschäftsmannes (†2002) aus dem Lago di Lugano gefischt wurde kam aus, dass Jermini rund 60 Millionen veruntreut hatte. Lugano ruderte zwar gegen den drohenden Konkurs an, Anfang 2003 mussten die Tessiner jedoch aufgeben. Wenige Monate später startete eine Nachwuchsequipe unter neuem Namen AC Lugano in die 2. Liga interregional. Im Juli 2003 fusionierten Lugano und Malcantone Agno – zum Ärger vieler Fans beider Lager. Am 24. Juni 2008 wurde der Vereinsname zum 100-Jahr-Jubiläum wieder in FC Lugano geändert. Auch die Tessiner schafften das «Comeback», auch wenn sie (noch) in der Challenge League spielen.

1998: Pionier der Pleitegeier

Präsident Hubert Stöckli hatte in den 80-er und anfangs der 90-er Jahre Unsummen aus seinem blühenden Restaurations- und Geldspiel-Automatengeschäft in den FC Wettingen gesteckt. Ein Uefa-Cup-Duell mit Diego Maradonas SSC Napoli war 1989 die Belohnung dafür. Als die Geschäfte anfangs der 90er Jahre nicht mehr gut liefen, geriet auch der Geldfluss in den Fussballklub ins Stocken. Am 22. Januar 1993 ging der Klub mit 3,2 Millionen Franken Schulden Konkurs und wurde aufgelöst. Nach der Neugründung unter dem Namen Wettingen`93 mussten die Aargauer in der 5. Liga beginnen und spielen momentan in der 2. Liga interregional.

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