Ein Jahr danach: Xamax nach dem Tschagajew-Tsunami

Aktualisiert

Ein Jahr danachXamax nach dem Tschagajew-Tsunami

Vor einem Jahr verschwand Xamax Neuenburg von der Landkarte des Schweizer Spitzenfussballs. Nun formiert sich der in die 2. Liga interregional zwangsrelegierte Klub mit viel Pioniergeist neu.

von
Eva Tedesco

Am 26. Januar 2012 war das Schicksal des Traditionsklubs besiegelt. Xamax hatte die Bilanz deponiert. Um 15.20 Uhr eröffnete der Richter den Konkurs. Noch am gleichen Tag ordnete der Genfer Staatsanwalt Yves Bertossa an, Präsident Bulat Tschagajew wegen Verdachts auf Urkundenfälschung, Geldwäscherei und ungetreue Geschäftsführung in Untersuchungshaft zu nehmen. Wie ein Tsunami war der Tschetschene über Xamax hinweg gefegt. Noch nie zuvor hatte ein Klubbesitzer einen Schweizer Verein so rücksichtslos zerstört. Ende Mai wird Tschagajew aus der U-Haft entlassen, aber das Verfahren gegen ihn läuft noch.

Der Verein wird im letzten April als «Neuchâtel Xamax 1912» neu gegründet und formiert sich voller Enthusiasmus. «Der Name verpflichtet», sagt Frédéric Page, das einzige bekannte Gesicht im neuen Team, das in die 2. Liga interregional zwangsrelegiert worden ist und den langen Weg zurück in den Spitzenfussball in Angriff nehmen will. Der Abwehrchef spielte bereits von 2009 bis 2011 für Xamax, ehe er im Sommer 2011 zu Lausanne wechselte - just bevor Tschagajew am Neuenburgersee zu wüten begann.

Viel Herzblut hinter dem Verein

«Der Verein ist eine Institution in der Region und es steckt viel Herzblut dahinter», so Page. Nicht umsonst seien über 700 Saisonkarten verkauft worden und die Heimspiele in der Maladière besuchten im Schnitt 800 Zuschauer. «In der 2. Liga notabene», fügt der Aargauer stolz an. Lohn erhält Page selbstredend keinen. Aber er bekam einen Job in der Marketingabteilung des Vereins.

«Xamax bietet mir die Gelegenheit, in ein Berufsleben nach dem Profisport einzusteigen und ich habe mit Alessandre Rey eine fachkundige Person zur Seite, die mir hilft». Im Gegenzug gibt der ehemalige SL-Verteidiger (Aarau, Xamax, Lausanne), der auch auf 100 Einsätze mit Greuther Fürth, Union Berlin und Unterhaching in der 2. Bundesliga zurückschauen kann, der jungen Truppe die Hilfestellung im sportlichen Bereich weiter.

Erstes Tor von Xamax 1912

Neue Strukturen und ein Ziel

Das Budget für die 1. Mannschaft beträgt rund 600'000 Franken. Unterstützt wird Xamax von der Stadt (Stadion). Eine Fusion mit Biel oder Wohlen, um schneller zu einer Challenge-League-Lizenz zu gelangen, ist kein Thema mehr. Aktuell belegt Xamax in der Gruppe 3 mit sechs Punkten Rückstand auf Concordia Basel den zweiten Tabellenplatz. «Natürlich ist der Weg zurück sehr lang, aber das ist uns bewusst. Mit dem Aufstieg kann man sowieso nie planen. Und eines darf man nicht vergessen: Vor wenigen Monaten hat es Xamax gar nicht mehr gegeben. Es braucht einfach alles seine Zeit», so Page.

Und Strukturen. So wurden Gesellschaften gegründet, die unabhängig voneinander sind. Zum einen der Klub, der bei der SFL angemeldet ist, die AG und die Nachwuchsabteilung, die in erster Linie von der Stiftung Gilbert Facchinetti finanziert wird. Als neuer Xamax-Präsident amtet Christian Binggeli. «Xamax-Übervater» Gilbert Facchinetti steht dem neuen Verein mit Rat und Tat zur Seite.

Xamax hält das A-Label

Im Juniorenbereich, unter der Führung von Alessandre Rey, arbeiten die Trainer professionell und in einer Partnerschaft mit dem FC Biel. Da Xamax weiterhin das A-Label hält, starten die Junioren bei den Eliten wie die Nachwuchsteams des FCB, FCZ oder auch YB. Dem Nachwuchs, der als «eiserne Reserve» für die Zukunft angesehen wird, gilt spezielle Sorge. Neben vielen Anstrengungen organisiert Frédéric Page neuerdings ein Kids-Camp im Sommer.

«Man hat gemerkt, wie sehr der Stadt und der Region ein lokaler Fussballklub fehlt. Die Solidarität ist deshalb enorm, wie auch die Identifikation. Das Thema Tschagajew gehört der Vergangenheit an. Man versucht ein neues Image zu erschaffen und dabei ist so eine Art Pioniergeist auszumachen. Die Leute stehen hinter dem Verein. Sie wollen helfen und unterstützen. Vielleicht auch, um einmal sagen zu können, dass sie von der ersten Stunde an dabei waren, als man in Neuenburg versucht hat, wieder alles in ein positives Licht zu rücken», so Page.

Tschagajew wartet auf Prozess Am 25. Mai 2012 wurde Bulat Tschagajew nach knapp vier Monaten aus der Untersuchungshaft entlassen und muss sich zweimal wöchentlich bei der Polizei melden. «Le Matin» zeigte diese Woche Bilder des ehemaligen Xamax-Präsidenten in Trainingshose und XXL-Shirt bei einem dieser Besuche in Saint Sulpice (VD), wo er in einer Villa wohnt, die inzwischen auf den Namen seiner Frau läuft und mit einer Hypothek von 700 000 Franken belastet ist. Tschagajews Büro in Genf besetzt eine Sekretärin. Aktiv sei die Dagmara Trading allerdings nicht. Zu Gesicht bekommt man ihn kaum. Und reden will Tschagajew, so lässt er durch seinen Anwalt Valentin Lavrov ausrichten, auch nicht. Ausreisen darf er nicht und muss auf seinen Prozess warten, mit dem 2014 gerechnet werden kann. Der Vorwurf lautet auf Verdacht von Geldwäscherei, Urkundenfälschung und ungetreuer Geschäftsführung. Schätzungen gehen von bis zu 300 Gläubigern und einer Deliktsumme von bis zu 30 Millionen Franken aus.

Tschagajew wartet auf Prozess Am 25. Mai 2012 wurde Bulat Tschagajew nach knapp vier Monaten aus der Untersuchungshaft entlassen und muss sich zweimal wöchentlich bei der Polizei melden. «Le Matin» zeigte diese Woche Bilder des ehemaligen Xamax-Präsidenten in Trainingshose und XXL-Shirt bei einem dieser Besuche in Saint Sulpice (VD), wo er in einer Villa wohnt, die inzwischen auf den Namen seiner Frau läuft und mit einer Hypothek von 700 000 Franken belastet ist. Tschagajews Büro in Genf besetzt eine Sekretärin. Aktiv sei die Dagmara Trading allerdings nicht. Zu Gesicht bekommt man ihn kaum. Und reden will Tschagajew, so lässt er durch seinen Anwalt Valentin Lavrov ausrichten, auch nicht. Ausreisen darf er nicht und muss auf seinen Prozess warten, mit dem 2014 gerechnet werden kann. Der Vorwurf lautet auf Verdacht von Geldwäscherei, Urkundenfälschung und ungetreuer Geschäftsführung. Schätzungen gehen von bis zu 300 Gläubigern und einer Deliktsumme von bis zu 30 Millionen Franken aus.

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