Aktualisiert 11.10.2011 14:46

Ganz schön schlau

Xenia lüftet das Bankgeheimnis

Euro-Krise, Rezession, Griechenlandpleite – die Bankenbranche wird nicht nur durch den Abgang von Xenia Tchoumitcheva durchgeschüttelt. Doch zum Glück teilt sie ihr Wissen mit allen.

von
Bettina Bendiner

Vier lange Monate ackerte Xenia Tchoumitcheva bei JP Morgan in London. Die schöne Tessinerin war so gut, dass ihr die Bank nach dem Praktikum sogar eine Festanstellung anbot. Doch Xenia lehnte ab. Ein Aufschrei ging durch die Bankenwelt: «Es gab einige Anfragen von TV-Stationen und News-Zeitschriften. Sie wollten wissen, warum ich aufgehört habe», sagt Xenia zu 20 Minuten Online. Und deshalb fasste sie sich ein Herz und publizierte offene Worte auf der britischen Webseite efinancialcareers.co.uk – und erklärt Greenhorns ganz nebenbei die wunderbare Welt des Finanzwesens.

Xenia weiss, wies geht

«Ich habe grossen Respekt vor der Loyalität der Arbeitnehmer gegenüber ihrem Job», schreibt die 24-Jährige in ihrem Artikel. Sogar wenn es bergab ginge, habe man «die Eier» nach vorne zu schauen und nach Höherem zu streben. Damit nicht genug: «Ich bewundere auch die Hierarchien, den Respekt vor den Vorgesetzten und die Selbstdisziplin, die sich daraus ergibt.» Das sei unerlässlich für die Gesamtstruktur. «Ich hatte Zugang zu einer unglaublich gut strukturierten Datenbank und es war nie schwer, die nötigen Informationen zu finden.»

Doch Xenia sieht auch die Schattenseiten: «Die Lernkurve flacht ganz schnell ab und man verfällt in eine lediglich ausführende Rolle.» Auch das Verhältnis von Verantwortung und persönlichem Risiko sei nicht proportional: «Im schlimmsten Fall verliert man seinen Job.» Dabei zählt laut Xenia zum Schluss nur eine Frage. Ist man denn für den Bankenjob geeignet? Sie befand: Nein. «Ich bin besser für eine unternehmerische Karriere geeignet. Ich bin kreativ, nicht risikoscheu und liebe es, die volle Verantwortung für mein Tun zu übernehmen. Ich wurde zu Eigenständigkeit und Selbstverantwortung erzogen.» Sie wolle unternehmerisch denken und damit unabhängig bleiben. Und deshalb sagte sie «tschüss JP Morgan, hallo Selbstständigkeit».

Kein Abschied für immer

«Ich bin sicher, das Bankenwesen wird immer eine wichtige Rolle in meinem Leben spielen. Denn ohne das Finanzsystem würde die Wirtschaft nicht funktionieren», sagt Xenia im Interview mit 20 Minuten Online. «Aber ich will mit dem, was ich tue, weitermachen. Das heisst, mich selbst managen, moderieren, modeln, an meiner Marke arbeiten und die Zusammenarbeit mit innovativen Start-ups und Sponsoren suchen.» Nach der Moderation der Miss-Schweiz-Wahl am 24. September hat Xenia auch schon wieder ein paar Jobs an Land gezogen. Sie wird bei zwei Modeschauen laufen, auflegen und als VIP an einer Party erscheinen.

Auf der britischen Finanz-Webseite stossen Xenias offene Worte und Zukunftspläne nicht nur auf Zuspruch. Einige User zeigen sich gar empört über die wirtschaftsphilosophischen Gedanken der sinnlichen Tessinerin. So schreibt User BeenAround: «Du kannst das Risiko eingehen, du bist ein hübsches Mädchen. Aber nicht jeder hat diesen Luxus. Wärst du nicht so hübsch, würde sich keiner für dich interessieren. Das Schlimmste, was dir passieren kann, ist doch, dass du irgendeinen reichen Hedgefondsmanager kennenlernst.» Und StateTheObvious motzt: «Dass du eine wunderschöne Göttin bist, nimmt dir das Recht, über die Zukunft der Finanzen zu diskutieren. Nicht alle können mit ihrem Aussehen Geld verdienen. Wir müssen auf unser Hirn vertrauen.»

Doch ein bisschen Zuspruch gibts trotzdem. User Marc wird Xenia vermissen. «Bitte geh nicht, wir brauchen mehr hübsche, intelligente, junge Frauen, die auf sich selbst aufpassen können.» Und anderen die Welt erklären. Xenia siehts locker und witzelt: «Ich hatte erwartet, dass solche Kommentare kommen. Vielleicht sind sie einfach traurig, dass ich aufhöre.»

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