Basler Fasnacht: «Y bi allewyl ganz wild uf mi aige Spiegelbild»
Aktualisiert

Basler Fasnacht«Y bi allewyl ganz wild uf mi aige Spiegelbild»

Mit dem Smartphone und den sozialen Medien hat das Selbstbildnis ungeahnte Bedeutung erlangt. Das Selfie ist auch Top-Sujet der Basler Fasnacht.

von
Lukas Hausendorf
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Dieses Selfie machte Schlagzeilen: Die dänische Premierministerin Helle Thorning Schmidt verewigte sich mit Barack Obama und David Cameron während der Trauerfeier des verstorbenen Nelson Mandela.

Dieses Selfie machte Schlagzeilen: Die dänische Premierministerin Helle Thorning Schmidt verewigte sich mit Barack Obama und David Cameron während der Trauerfeier des verstorbenen Nelson Mandela.

AFP/Roberto Schmidt
Auch ein beliebter Protagonist für Selfies ist der Papst.

Auch ein beliebter Protagonist für Selfies ist der Papst.

Keystone/Maurizio Brambatti
Woher er nur so schnell sein Smartphone herzauberte? Francesco Totti bejubelte bereits ein Tor mit einem Selfie.

Woher er nur so schnell sein Smartphone herzauberte? Francesco Totti bejubelte bereits ein Tor mit einem Selfie.

Keystone/AP/Luciano Rossi

Das Phänomen ist ja eigentlich nichts Neues. Schon früh in der Geschichte der Malerei begegnet man den ersten Selbstbildnissen. Auch in den Anfängen der Fotografie war die Abbildung des Selbst bereits präsent. Seitdem aber das Smartphone im Gleichschritt mit Social Media die Welt erobert hat, redet alle Welt vom Selfie: Es ist ein Megatrend. 2013 erkürte das Oxford Dictionary das Selfie gar zum Wort des Jahres.

2015 hat das Selfie nun die Basler Fasnacht erobert. Es ist heuer das meist ausgespielte Sujet der Basler Cliquen. «My Selfie und yych, alles andere isch mir glyych», proklamiert zum Beispiel die junge Garde der «Alte Stainlemer». Das Sujet spiegelt in etwa den gängigen wissenschaftlichen Diskurs um das Selfie wider. Diese hat sich mittlerweile auch schon ausgiebig mit der Obsession am digitalen Selbstportrait auseinandergesetzt.

Kulturkritiker lesen die Selfie-Manie gerne als Symptom eines von sozialen Medien getriebenen Narzissmus. Diesen Ansatz wählten die Ammedysli. «E jeedem Doddeli sy Foddeli (aber mer gsehn ys halt am liebschte sälber)», textete die Wagenclique. Auch die Junge Garde der Rätz-Clique interpretiert den Hype als kollektive narzisstische Störung. «Y bi allewyl ganz wild uff my aige Spiegelbild.»

Fasnacht ist aber mehr als Selfies

Trotz 46 Sujets, die das Selfie ausspielen, ist es aber nicht das einzige Thema, das die drey scheenschte Dääg dieses Jahr prägen wird. Das weltpolitische Geschehen findet wieder mehr Platz als auch schon. Comité-Obmann Christoph Bürgin sprach am Donnerstag deshalb auch von einer «politischen Fasnacht, die über den Tellerrand hinausschaut». Die Stammclique D Basler Dybli thematisiert beispielsweise die Ukraine-Krise gekonnt mit einem Filmzitat: «Liebesgriess us Moskau».

Manchmal steckt aber auch in einem Selfie die grosse Politik. Jenes der dänischen Premierministerin Helle Thorning Schmidt mit Barack Obama und dem englischen Premier David Cameron an der Trauerfeier von Nelson Mandela ginge glatt als «S Debaggel vo(m) Selfie» durch, dem Sujet der D'Bâloinese.

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