Im Kaufrausch: Yahoo & Co. sind auf Schweizer Startups aus
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Im KaufrauschYahoo & Co. sind auf Schweizer Startups aus

Google, Yahoo und Co. reissen sich um innovative Internet-Startups. Keiner will den Trend verpassen. Unter der Lupe der Internet-Giganten sind auch einige Schweizer Startups.

von
Sabina Sturzenegger

Frau Mayer kauft gern ein. Das hat die Yahoo-Chefin in den letzten Monaten eindrücklich bewiesen: Seit Anfang Jahr hat Marissa Mayer bereits 17 Akquisitionen getätigt. Das bewog den Internet-Blog Techcrunch dazu, den neuesten Kauf von Mayer mit «Ein neuer Tag, eine neue Yahoo-Übernahme», zu betiteln.

Mit dem Blogging-Dienst Tumblr, der über eine Milliarde Dollar kostete, leistete sich Mayer im Mai den grössten Brocken. Daneben gab sie bereits über 138 Millionen Dollar für Dienste wie Xobni, Qwiki, Summly und Snip.it aus. Auf dieser Rechnung noch nicht einmal drauf sind die Werbe-Technologieplattform Admovate und das Soziale Netzwerk Ztelic aus China. Seit dem Antritt von Marissa Mayer kaufte Yahoo 19 Internet-Startups für insgesamt über 1,2 Milliarden Dollar.

Jeder will der Erste sein

Mit ihrer beispiellosen Einkaufstour steht Frau Mayer zwar an der Spitze, sie ist aber bei Weitem nicht die einzige, die gerne Startups kauft (siehe Grafik). Seit ihrem Amtsantritt bei Yahoo Mitte 2012 konnte sie damit zwar weder Gewinn noch Umsatz des Internetdienstleisters steigern, doch die Aktie stieg in den vergangenen zwölf Monaten um 75 Prozent.

Das zeigt, dass es den grossen Internet-Konzernen aus den USA zurzeit weniger wichtig ist, den Umsatz zu steigern oder Nutzer zu gewinnen, sondern die Megatrends zu erkennen – und diese so schnell wie möglich ins eigene Portfolio zu nehmen.

Apple kauft zwei Ortungsdienste

Neben Yahoo kaufen sich auch Apple, Google, Twitter und Amazon das, was die hauseigenen Probleme löst und Innovationen verspricht. So hat Apple kürzlich gleich zwei Startups gekauft, welche seine in die Kritik geratenen Kartendienste verbessern sollen: Das Startup HopStop, das sich auf Routen-Anweisungen für öffentliche Verkehrsmittel spezialisiert, sowie den Dienst Locationary, der hilft, Geschäfte in der Nähe des Users zu finden.

Dabei gilt es nicht zuletzt, einen nützlichen Übernahmekandidaten den Händen der Konkurrenz zu entziehen. Die Grosskonzerne können die neuesten Entwicklungen und Technologien nicht mehr selbst erfinden und entwickeln.

Hoch dotierte Scout-Abteilungen

Das beobachtet auch Jean-Pierre Vuilleumier, Geschäftsführer von CTI Invest, der führenden Finanzierugsplattform für Startups aus dem Hightech-Bereich in der Schweiz. «Die Internet-Grosskonzerne werden immer träger», bilanziert er. Um den Anschluss dennoch nicht zu verpassen, bauten sie hoch dotierte Scout-Abteilungen auf, die auf die Suche nach innovativen Startups gehen.

Auf den Listen der Scouts stehen auch einige Schweizer Startups, die zur Innovation der Netzgiganten beitragen könnten, weiss Vuilleumier: «Schweizer Firmen werden regelmässig von Google und Co. unter die Lupe genommen.» Zurzeit seien ein paar Deals im Gang.

Aus der Schweiz: Getyourguide und Newscron

Als Beispiel nennt er Getyourguide: Über den Dienst werden weltweit Aktivitäten wie Kurse, Touren oder Ausflüge gesammelt und kategorisiert, damit die User auf ihren Reisen weniger danach suchen müssen.

In Zeiten, wo die Orientierung und die Position des Nutzers via Mobilgeräte mit GPS zu den wichtigsten Trends im Netz gehört, ist Getyourguide ein heisses Eisen, wie Vuilleumier bestätigt. «Diese Firma hätte schon einige Male verkauft werden können», sagt er. Bis anhin habe sie aber einen Verkauf nicht abgewickelt und stattdessen auf Investoren aus den USA zurückgreifen können.

Zukünftige Übernahmekandidaten

Als zukünftiger Übernahmekandidat aus der Schweiz gelte auch Newscron. Dabei handelt es sich um einen News-Aggregator, der bevorzugte Zeitungen und Zeitschriften in einer Anwendung zusammenfasst.

Bereits mit Schweizer Technologie ausgerüstet hat sich Apple, doch das wissen die wenigsten: Hinter der Schnittstelle Airplay, welche die kabellose Übertragung von iPhone, iPad oder vom Computer auf Lautsprecher und Fernseher erlaubt, steckt ursprünglich die Schweizer Technologiefirma Bridgeco, die sich Apple gekauft hat.

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