Yahoo unter Druck
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Yahoo unter Druck

Nach der gescheiterten Übernahme durch Microsoft hat der Internet-Konzern Yahoo ein Börsendebakel erlebt und massiven Streit mit Aktionären heraufbeschworen. Die Yahoo- Aktie brach zum US-Handelsstart um fast 20 Prozent ein.

Mehrere Banken senkten bereits ihre Einstufungen des Yahoo- Papiers. Die Microsoft-Aktie profitierte dagegen von der Absage des Geschäfts, das die bei weitem teuerste Übernahme der Konzerngeschichte gewesen wäre. Der Titel gewann gut 2,5 Prozent.

Der Windows-Konzern hatte am Wochenende zuletzt 33 Dollar je Yahoo-Aktie geboten. Die Yahoo-Spitze verlangte aber laut Microsoft mindestens 37 Dollar oder insgesamt weit über 50 Milliarden Dollar. Daraufhin zog Konzernchef Steve Ballmer sein Angebot offiziell zurück.

Massive Kritik von Yahoo-Aktionären

Das Angebot hätte für Yahoo-Aktionäre einen Gewinn von mehr als 70 Prozent gegenüber dem Kurs vor der Offerte Ende Januar bedeutet. Grossinvestoren äusserten bereits massive Verärgerung über die Yahoo-Führung.

Eine Zustimmung wichtiger Anteilseigner zu einem Kaufpreis von etwa 35 Dollar wäre gut möglich gewesen, deutete der zweitgrösste Yahoo-Anteilseigner, der Vermögensverwalter Legg Mason, in einem Interview der «New York Times» an.

Sollten die Proteste bis zur in den nächsten Monaten anstehenden Generalversammlung vehement zunehmen, könnte Yahoo am Ende laut Analysten doch noch zu einem Geschäft mit Microsoft gezwungen werden.

Yang unter Beschuss

Der erst im vergangenen Sommer in den Chefsessel zurückgekehrte Firmengründer Jerry Yang steht auch wegen enttäuschender Ergebnisse unter Beschuss. Vor der Microsoft-Offerte war der Yahoo-Kurs binnen eines Jahres bereits um ein Drittel gefallen.

Yang sucht nun für weiteres Wachstum mit Hochdruck nach Bündnispartnern. So testet Yahoo seit gut zwei Wochen eine Kooperation mit Google bei Suchanzeigen. Eine Vereinbarung könnte noch diese Woche vertragsreif sein und Yahoo Zusatzeinnahmen von rund einer Milliarde Dollar bringen, hiess es in US-Medien.

Wettbewerbshüter könnten aber Bedenken anmelden, da die beiden etwa in den USA gemeinsam über 80 Prozent des Online-Werbemarktes beherrschen. Yahoo spricht den Berichten zufolge zudem weiter mit dem angeschlagenen Internet-Portal AOL aus dem Time-Warner-Konzern über eine Allianz.

Microsoft unter Zugzwang

Unter Zugzwang steht aber auch Microsoft. Chancen liegen dabei weit mehr im Web als im bisherigen Microsoft-Kerngeschäft mit Software. Konzernchef Steve Ballmer will den Softwareriesen auch im Internet zur Nummer eins machen. Nach Yahoo geraten nun laut Experten das Internet-Portal AOL und kleinere Web-Firmen ins Visier.

Google bleibt nach der gescheiterten Übernahme bei Suchanzeigen mit weitem Abstand Marktführer vor Yahoo und Microsoft. Die Google-Aktie stieg um fast 2,5 Prozent auf über 595 Dollar. (sda)

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