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Europa-Cup-ErfolgYB: Es war nicht einfach nur ein Sieg

Die Berner Young Boys liessen mit dem 1:0-Auswärtssieg gegen Bilbao im Europa Cup aufhorchen. Sie retteten damit auch die Ehre des Schweizer Fussballs. Doch Zufall war dieser Exploit nicht.

von
Lars Gansäuer

Doumbias Tor und Wölflis gehaltener Penalty. (Video: Youtube)

Die Schweizer Auftritte in den internationalen Wettbewerben sorgten für unterschiedliche Reaktionen: Kopfschütteln gab es für den FC Zürich, der vorne das Tor nicht traf und hinten besser mit einem Torhüter gespielt hätte. Ein Schmunzeln erntete der FC Basel für sein 2:2, weil die Bebbis von der fussballerischen Weltmacht aus Island überrascht wurden, aber im Rückspiel trotzdem alles klar machen sollten mit dem Einzug in die nächste Runde. Und dann wären da noch die Young Boys, vor denen man heute den Hut zieht und sich anstandsvoll verneigt.

Das Konzept ging auf

Die Basis für diesen Erfolg legten die Berner eigentlich schon vor dem Spiel. Minutiöse Vorbereitung und kontinuierliche Arbeit in den letzten Wochen führten schliesslich zum verdienten Sieg. Nach dem ersten Spiel beim Grenchner Uhrencup Anfang Juli spottete eine grosse Schweizer Boulevard-Zeitung bereits, doch im Stade de Suisse liess man sich davon nicht aus der Ruhe bringen.

Die Neuzugänge fügten sich besser in das taktische System ein und auch ein David Degen, der letztes Jahr noch das fünfte Rad am Wagen war, hat zu seiner neuen Position beinahe schon eine kleine Liebesbeziehung aufgebaut. Der Sieg in Bilbao war daher kein Zufall, auch wenn Fortuna den Bernern zur Seite stand: Es war jedoch das Glück des Tüchtigen und das Glück des Mutigen. So etwas kann man auch erzwingen.

Bilbao noch nicht bereit

YB konnte aber auch davon profitieren, dass die Meisterschaft in Spanien erst in einem Monat beginnt und die Basken erst am Anfang ihrer Vorbereitung stehen. Zudem hat Athletic seit dem verlorenen Cupfinal und der dennoch feststehenden Teilnahme am internationalen Wettbewerb nur noch verloren: In der Meisterschaft gab es 1:7 Tore – und dann lange Sommerferien. Jetzt trafen die Basken auf den Schweizer Cupfinal-Verlierer, doch dieser steht schon wieder voll im Saft und grüsst in der Super League gar vom Leaderthron. Ausserdem schien Bilbao am gestrigen Abend überhaupt nicht vorbereitet auf das Duell gegen die Young Boys.

Die Basken kamen zwischen den Linien viel zu spät und liessen sich vor allem in der ersten Halbzeit von den Berner Laufwegen ohne Ball überraschen. Laufwege, die im Rücken immer wieder Räume öffneten, in welche die Young Boys nach schnellem Umschalten zielgerichtet hineinspielten. Dabei ist weniger der Siegtreffer durch Doumbia ein Beispiel dafür, sondern vielmehr die zahlreichen weiteren Strafraumszenen durch vertikales Spiel. Aus Sicht von Athletic darf dies jedoch keine Ausrede sein für einen verschossenen Penalty und die fehlende Kreativität, den letzten Pass auch unter Gegnerdruck zum Mitspieler zu bringen.

Ein Sieg mit Signalwirkung

Ein weiterer Aspekt kam bislang ebenfalls zu kurz, denn in den letzten Wochen konnten auch einige der wichtigen Detailfragen geklärt werden. So zum Beispiel die Zusammensetzung der Dreierabwehr. Mit Ghezal auf der rechten Seite und Dudar im Zentrum hat es zuletzt gut geklappt und im Estadio San Mamés fiel vor allem die Flexibilität auf. Situationsbedingt kreuzten sich die defensiven Laufwege gleich bei mehreren baskischen Angriffen über die Flügel.

Die Prämisse des kurzen Wegs zum Gegenspieler sorgt in der Abwehr oft für grosse Distanzen zwischen den einzelnen Positionen, insbesondere im Spiel mit drei Innenverteidigern, doch die Berner zeigten auch hier, dass sie die Hausaufgaben gemacht hatten.

In diversen Saisonvorschauen wurde aber gerade die Abwehrorganisation als Schwachpunkt aufgeführt, warum YB nicht Meister werden könne. Nun müssen sich die Kritiker schleunigst einen neuen Grund suchen, warum es für die Meisterschaft nicht reichen werde.

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