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ZuschauerschwundYB spielt begeisternd – doch Fans schauen weg

Neun der letzten zehn Partien gewonnen. Zu Hause fast fünf Tore im Schnitt. Trotzdem bleiben YB die Zuschauer weg.

von
Peter Berger

YB-Trainer Adi Hütter will um die Zuschauer kämpfen. (Video: 20 Minuten)

Die Situation ist paradox. Da spielt YB endlich nach den Vorstellungen von Trainer Adi Hütter: «Ich will einen begeisternden Fussball spielen lassen.» Vor allem an den Heimspielen setzen das Guillaume Hoarau, Miralem Sulejmani und Co. perfekt um. 3:0, 5:4, 7:0, 3:2, 5:2 lauten die letzten Resultate im Stade de Suisse. «Wir spielen momentan fantastisch», fasst Captain Steve von Bergen die Auftritte zusammen.

Für Unterhaltung ist also gesorgt. Doch ausgerechnet jetzt hat YB im Schnitt nur 16'840 Zuschauer (die gut 10'000 Saisonabos eingerechnet). Nur in den beiden Anfangsjahren des Stade de Suisse, das im Sommer 2005 eröffnet worden ist, kamen noch weniger (vgl. Box). Bloss zweimal erschienen diese Saison mehr als 20'000 Fans und füllten das Stadion mehr als zwei Drittel – im August gegen Thun (27'340) und im Oktober gegen GC (22'521).

Sutter zeigt sich selbstkritisch

Hauptgrund ist sicher der Alleingang des FC Basel an der Tabellenspitze. YB liegt 16 Punkte zurück und hat deren elf Vorsprung auf das drittplatzierte GC. Vielleicht zahlt YB auch für seine Ansage vor der Saison: Man wollte unbedingt einen Titel gewinnen, geht aber wieder leer aus. Zudem ist das Wetter in diesem Frühjahr wie zuletzt am Sonntag gegen den FCZ garstig. Wer da kein VIP-Ticket besitzt, hat im Stadion nirgends die Möglichkeit, sich in einem Raum aufzuwärmen (Toiletten ausgenommen).

YB-Verteidiger Scott Sutter nennt den Hauptgrund für die ausbleibenden Fans. (Video: 20 Minuten)

Die ausbleibenden Fans beschäftigen die Akteure. Für Verteidiger Scott Sutter liegt der Zuschauerschwund «auch an uns. Wenn wir um Platz 1 spielen würden, kämen mehr Leute ins Stadion. Daran arbeiten wir.» Auch Adi Hütter verspricht: «Wir kämpfen um unsere Zuschauer.» Der Österreicher hat zuletzt mit YB neun von zehn Spielen gewonnen. «Das ist eine tolle Bilanz, aber wenn man in Bern etwas bewegen will, braucht man auch eine solche Bilanz», weiss der im September gekommene Coach mittlerweile.

Zuschauerzahlen im Stade de Suisse

Saison 2015/16: 16'840

Saison 2014/15: 16'931

Saison 2013/14: 17'553

Saison 2012/13: 17'238

Saison 2011/12: 21'104

Saison 2010/11: 21'500

Saison 2009/10: 22'653

Saison 2008/09: 17'985

Saison 2007/08: 18'368

Saison 2006/07: 14'951

Saison 2005/06: 14'139

YB-Bickel: «Das ist ein Frust»

Die sinkenden Zuschauerzahlen beschäftigen die Young Boys. Sportchef Fredy Bickel sagt, dass die fehlenden Fans sogar in der Mannschaft Diskussions-Thema sind.

Fredy Bickel, YB bietet Kids-Days und Ladies-Nights an. Trotzdem kommen immer weniger Fans ins Stade de Suisse. Haben Sie eine Erklärung?

Eben nicht. Ich vermute, dass es wahrscheinlich viele, kleine Gründe wie die fehlende Spannung in der Rangliste oder das nicht optimale Wetter sind.

Dabei spielt die Mannschaft begeisternden Fussball, besser geht doch fast gar nicht?

Doch, sportlich kann man sich natürlich immer verbessern. Aber noch mehr Unterhaltung bieten geht fast nicht. Das 5:4 etwa gegen Vaduz ärgert mich zwar wegen der Gegentreffer, ist für den Zuschauer aber doch perfekt. Neun Tore in einem Spiel ist ja ein Eishockey-Resultat. Deshalb ist der Rückgang eigentlich ein Frust. Er ist auch innerhalb der Mannschaft ein Thema.

Mit wie vielen Fans im Stadion wären sie glücklich?

Wenn immer mehr als 20'000 Zuschauer kämen. (pbt)

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