Pleite gegen Lausanne: YB tritt auf der Stelle - die Fans sind sauer
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Pleite gegen LausanneYB tritt auf der Stelle - die Fans sind sauer

Nach dem 1:3 gegen Lausanne hatten die YB-Fans genug. Sie mussten von den Spielern beruhigt werden. Die Diskrepanz zwischen Anspruch und Realität ist in der Hauptstadt riesig.

von
Eva Tedesco

YB-Abwehrchef Alain Nef erwischte mit der 1:3-Niederlage gegen Lausanne keinen guten Tag, stand danach aber zu seinen Fehlern. (Video: 20 Minuten Online)

Ein minutenlanges Pfeifkonzert begleitete die YB-Spieler nach der Partie gegen Lausanne auf ihrem Weg in die Kabine. Die Fans waren stinksauer über den Auftritt der Berner. Die Lage entspannte sich erst, als sich einige Profis vor die Fankurve stellten. Als Trostpflaster wechselten einige Trikots mehr als üblich den Besitzer. «Die Fans haben zu Recht gepfiffen. Wir haben keine gute Leistung gezeigt», sagt Alain Nef nach dem «Gang nach Canossa». Für den Berner Abwehrchef gehören solche «Bittgänge» dazu. «Wenn ich schlecht spiele, stehe ich dazu.»

Platz 2 in der Tabelle und ein dominantes Auftreten lautete die Vorgabe für die Young Boys. Beide Vorhaben hatten mit dem tatsächlichen Auftreten wenig gemein. Zu harmlos, zu statisch und zu wenig kreativ. «Die erste Halbzeit war miserabel», bestätigt Nef. «Wir haben keinen Zweikampf gewonnen, keinen zweiten Ball, nichts. Und ich glaube, wir haben auch keine Torchance herausgearbeitet. Nach dem 0:2 mussten wir mehr riskieren und sind nur angelaufen», so der Verteidiger.

Spiel in der Verteidigung verloren

Zudem trug der ansonsten sichere Abwehrchef die Mitschuld bei zwei der drei Gegentreffer und verschuldete auch noch einen Penalty, den Lausanne-Stürmer Matt Moussilou aber nicht verwerten konnte. «Fussball lebt von Fehlern», gibt sich Nef selbstkritisch und macht erst gar nicht den Versuch, sich aus der Verantwortung zu stehlen, «aber es ist gut, dass wir es schon am Samstag gegen GC wieder besser machen können».

«Wir haben das Spiel in der Verteidigung verloren», sagt auch Christian Gross. Für den YB-Trainer war das Spiel seiner Mannschaft insgesamt zu wenig dynamisch, zu wenig kreativ. Das Hauptversagen schreibt der Zürcher dennoch der Defensive zu. «Es war nicht der Tag des Alain Nef, das muss man klar sagen. Bis anhin haben wir gut verteidigt und konnten uns auf unsere Abwehr verlassen – gegen Lausanne war das nicht der Fall.» Drei Gegentreffer in einem Spiel hat YB in der laufenden Saison tatsächlich erst einmal hinnehmen müssen. Am 7. Spieltag bei der 2:3-Heimniederlage gegen den FC Zürich.

Mässige Rückrunden-Bilanz

Fakt ist aber, dass Erwartung und Realität bei den Hauptstädtern weit auseinanderklaffen. YB macht Fortschritt auf der Stelle. Von 27 möglichen Punkten in der Rückrunde holten die Berner lediglich 12. Die Bilanz nach der Winterpause: drei Siege, drei Remis, drei Niederlagen. Darunter die Pleiten gegen GC und Lausanne – zwei Teams vom Tabellenende.

YB scheint weder mit den hohen Erwartungen, noch mit den eigenen Vorhaben klar zu kommen. «Wir wollen die Bayern der Schweiz werden», definierte CEO Ilja Kaenzig seine Ansprüche. Momentan mahnt die Situation eher an Wolfsburg, das im Winter ebenfalls auf teure Shoppingtour ging und gleich wenig Erfolg aufweisen kann.

Zu viele werden den Ansprüchen nicht gerecht

Auffallend ist, dass jene Spieler, die vor oder während der laufenden Saison zu YB wechselten, den Ansprüchen nicht gerecht werden und eher abgebaut haben, als YB zu verstärken. Michael Silberbauer zum Beispiel, dänischer Nationalspieler, konnte nur in wenigen Spielen überzeugen. Matias Vietkieviez verkraftete seine Nomination für die Schweizer Nationalmannschaft nicht und stürzte nach seinem ersten Länderspiel-Einsatz leistungsmässig ab. Und auch der hochgejubelte Afrika-Cup-Sieger Emmanuel Mayuka spielte seine Qualitäten seither nur selten aus. Wolfsburg-Leihgabe Nassim Ben Khalifa versauert ganz auf der Bank.

Gross gibt sich trotzdem weiterhin kämpferisch. «Wir haben von den verbleibenden sieben Partien noch vier Heimspiele und müssen alles daran setzen, Platz zwei zu erreichen». Wenn nicht, steht YB ein «heisser» Sommer ins Haus.

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