Aktualisiert 11.01.2010 08:56

SCL Tigers

«Yes, we can!» - John Fust glaubt an die Tiger

John Fust wird neuer Trainer der SCL Tigers. Im Interview mit 20 Minuten Online spricht er über die Gründe, warum er die Herausforderung im Emmental annimmt, über seine Philosophie und was er mit den «Tigern» erreichen will.

von
Klaus Zaugg
John Fust übernimmt nächste Saison die Rolle des «Tiger-Bändigers».

John Fust übernimmt nächste Saison die Rolle des «Tiger-Bändigers».

John Fust, warum die SCL Tigers? Warum nicht Assistent von Colin Muller bei den ZSC Lions?

John Fust: Die ZSC Lions sind eine sehr gute Organisation und es wäre für mich super gewesen, für sie und mit Colin Muller arbeiten zu dürfen. Ich treffe keine einsamen Entscheidungen und habe mit den Menschen, denen ich vertraue, viele Gespräche geführt. 99 Prozent haben mir gesagt: John, nimm den Job in Langnau. Du bist ein Headcoach und dort kannst du Headcoach sein. Dazu kommt meine Verbundenheit mit Langnau. Ich habe dort die fünf besten Jahre meiner Spielerkarriere verbracht, ich fahre seither regelmässig zu Besuch nach Langnau und meine Eltern reisen jedes Jahr ein- oder zweimal ins Emmental.

Also so etwas wie ein «coming home»?

Ja, so können Sie das durchaus sagen.

Was kann John Fust in Langnau bewirken?

Mein Ziel ist es, eine neue Mannschaft aufzubauen und eine neue Philosphie in das Unternehmen zu bringen. Ich denke, die SCL Tigers haben das Schlimmste hinter sich und sind jetzt bereit für einen Neuanfang. Der Job in Langnau ist vielleicht der schwierigste in der Schweiz. Aber genau diese Herausforderung reizt mich. Ich bringe Energie und ich bringe Motivation in die Kabine. Wie weit wir kommen werden, ist offen. Aber eines kann ich sagen: Wir werden zu jedem Spiel antreten, um es zu gewinnen.

Sie mahnen mich an den Wahlkämpfer Barak Obama und seinen Slogan: «Yes, we can!» Ist das Ihr Motto in Langnau?

Ja, wenn Sie so wollen, können Sie «Yes, we can!» als mein Motto bezeichnen. Was möglich sein wird, wird sich zeigen, wenn wir die Mannschaft für nächste Saison haben. Vielleicht haben wir nicht so viel Talent wie die anderen. Aber ich werde dafür sorgen, dass wir nie aufgeben, dass wir an unsere Chance glauben und dass wir Emotionen und Energie in jedes Spiel bringen werden. Das ist meine Philosophie und ich werde mit meinem Beispiel vorangehen.

Werden Sie auch Einfluss auf die Transfers nehmen?

Um Verträge kümmere ich mich nicht. Aber ja, ich hoffe doch, dass ich meine Meinung einbringen kann. Für mich ist der Charakter eines Spielers ebenso wichtig wie sein Talent. Wir können nur Spieler brauchen, die mit Leib und Seele beim Abenteuer eines Neuanfanges in Langnau dabei sein wollen.

Welche Rolle hat Langnaus Manager Ruedi Zesiger in Ihren Überlegungen gespielt?

Eine wichtige. Er hat mich 1997 als Spieler nach Langnau geholt und ich vertraue ihm. Ich könnte nicht bei einem Unternehmen arbeiten, wenn ich nicht hundertprozentiges Vertrauen in die Führung hätte. Er und ich haben sogar eine gewisse Seelenverwandtschaft: Auch er hat durch die Übernahme des Managementes in Langnau viel gewagt und einen sicheren Job aufgegeben, weil er an die Chance glaubt.

Was ist mit dem Vorwurf, Sie seien ein Coach, der die Ausländer und die ersten zwei Linien zu stark forciert?

Der kümmert mich nicht. Weil die Fakten eine andere Sprache sprechen. Unsere dritte Linie in Visp produziert im Schnitt mindestens einen Punkt pro Partie. Ich habe bereits zwei 16-jährige Spieler in die Mannschaft integriert. Es geht darum, Spiele zu gewinnen und ich bin mir durchaus bewusst, wie schwierig es ist, eine Balance zu finden zwischen dem Spielen auf Sieg und der Ausbildung junger Spieler.

Sie haben noch keine Trainererfahrung in der NLA - ist das ein Nachteil?

Ich bin dankbar dafür, dass ich als NLB-Cheftrainer eine Chance in der NLA bekomme. Aber ist es nicht ein Trend der Zeit, dass junge, neue Führungkräfte in der Wirtschaft, in der Politik und im Sport eine Chance bekommen? Leben wir nicht in der Zeit des Umbruchs? Gerade in der NHL geben die Manager jungen Coaches ohne NHL-Erfahrung eine Chance und die machen ihre Sache sehr gut, oft besser als die alten Dinosaurier. Nein, ich sehe es nicht als Nachteil, dass ich keine NLA-Erfahrung habe.

Stimmen Sie dem Transfer von Sébastien Schilt zu? Ruedi Zesiger ist eigentlich mit ihm einig, aber er will noch die Meinung des neuen Trainers haben.

Ja, ich denke, er passt zu uns.

Ist es eigentlich denkbar, dass Sie die SCL Tigers schon diese Saison übernehmen?

Ich will eine Sache, die ich begonnen habe, auch zu einem guten Ende bringen und ich werde den EHC Visp nicht vorzeitig verlassen. Aber ich bin mir bewusst, wie verrückt die Eishockeywelt sein kann.

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