Aktualisiert 08.12.2008 18:02

MeistbietendYlenias Mörder-Bus auf Ricardo zu ersteigern

Der Bus, in dem Urs Hans von Aesch die 5-jährige Ylenia entführt und später umgebracht hat, wird auf Ricardo versteigert. Über ein dutzend Interessenten steigerten mit - ohne die Hintergründe zu kennen. Jetzt hat Ricardo reagiert.

von
Annette Hirschberg

Ein Ricardo-Anbieter aus Zetzwil AG verkauft zurzeit einen weissen Renault Trafic auf Ricardo. Der Ausgangspreis beträgt 200 Franken. Bereits sind fast vierzig Gebote abgegeben worden. «Hallo... bekannte Schäden, oder bevorstehende Arbeiten?» fragt TaylanK Und erhält darauf die ehrliche Antwort von Occasion4: «Das Auto wurde nicht sehr gut unterhalten. Stossstange und Blinkerglas defekt, Batterie schlecht. Dachfenster nicht mehr ganz dicht.»

An Besonderheiten gäbe es von Occasion4 aber noch eine ganze Menge aufzulisten. Denn was wohl keiner der Bietenden weiss: Der weisse Kleinbus ist jenes Auto, mit dem der Mörder Urs Hans Von Aesch die kleine Ylenia am 31. Juli 2007 aus Appenzell entführt hat. Charlotte S., die Schwester von Vreni von Aesch, hat die Echtheit des Wagens gegenüber 20 Minuten Online bestätigt.

Spanische Zulassungspapiere

Untersuchungsrichter Erich Feineis von der St. Galler Justiz bestätigt, dass der Renault-Kleinbus von Urs Hans von Aesch vor kurzem freigegeben wurde.

Bei beiden Fahrzeugen - dem von Urs Hans von Aesch und dem auf Ricardo - stimmen die Autobahnvignetten auf der Windschutzscheibe exakt überein, beide Wagen sind zudem rund um den Tankeinfüllstutzen verrostet, wie ein Vergleich mit Polizeibildern zeigt. Weiter: Das Angebot auf Ricardo verfügt über «spanische Zulassungspapiere» - der Renault, mit dem Urs Hans von Aesch 2007 in die Schweiz fuhr, war in Spanien zugelassen.

Schliesslich stammt der Verkäufer aus Zetzwil. Dort wohnen die Mutter und die Schwester von Vreni von Aesch, der Witwe des Mörders. Die Vermutung liegt nahe, dass diese den alten Kastenwagen mit der tragischen Geschichte so schnell wie möglich loswerden wollen.

Die Behörden vermuten, dass das blonde Mädchen auch in diesem Auto ermordet wurde. Von Aesch hatte Ylenia das Lösungsmittel Toluol eingeflösst oder sie damit erstickt. Es wird weiter angenommen, dass von Aesch sexuelle Handlungen mit dem kleinen Mädchen vornahm. Danach vergrub er Ylenia in einem Waldstück bei Oberbühren SG. Der Fall erschütterte im Sommer 2007 die Schweiz und sorgte wochenlang für Schlagzeilen. Die Bilder des weissen Kastenwagens brannten sich in die Köpfe.

Ricardo hat inzwischen auf die Enthüllungen von 20 Minuten Online reagiert und das Angebot aus «ethischen Gründen» gelöscht (siehe Infobox).

Stellungnahme von Ricardo.ch

Sehr geehrte 20-Minuten-Online-Redaktion

Gerne teile ich Ihnen mit, dass wir das von Ihnen beschriebene Angebot soeben geprüft und von unserer Plattform gelöscht haben. Leider ist es uns nicht möglich, bei all von den Verkäufern auf unserer Seite publizierten Artikeln die Hintergründe genau zu kennen, deshalb sind ja auch immer für Hinweise von aussen dankbar! Wie in diesem Fall hier sind wir jedoch immer bereit, sofort zu handeln, wenn wir verbotene oder wie hier «unethische» Produkte auf der Seite finden.

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