Aktualisiert 11.02.2015 08:43

James-StudieYoutube ist die liebste Aufgabenhilfe der Schüler

Youtube dient Schweizer Schülern nicht nur zur Unterhaltung. 80 Prozent nutzen die Plattform zum Lösen von Aufgaben. Experten loben diese Entwicklung.

von
tob
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Im Auftrag der Swisscom hat die Zürcher Hochschule für  Angewandte Wissenschaften 1000 Schweizer Jugendliche im Alter von 12 bis 19 Jahren zu ihrem Medienverhalten befragt. Die James-Studie wird alle zwei Jahre durchgeführt.

Im Auftrag der Swisscom hat die Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften 1000 Schweizer Jugendliche im Alter von 12 bis 19 Jahren zu ihrem Medienverhalten befragt. Die James-Studie wird alle zwei Jahre durchgeführt.

Keystone/Christian Beutler
War 2012 das soziale Netzwerk Facebook noch die beliebteste Website, wurde sie 2014 von Youtube abgelöst. Immer häufiger nutzen Jugendliche Videoplattformen wie Youtube bei der Beschaffung von Informationen für die Hausaufgaben.

War 2012 das soziale Netzwerk Facebook noch die beliebteste Website, wurde sie 2014 von Youtube abgelöst. Immer häufiger nutzen Jugendliche Videoplattformen wie Youtube bei der Beschaffung von Informationen für die Hausaufgaben.

Keystone/Christian Beutler
Verändert hat sich auch das Kommunikationsverhalten in den sozialen Medien. So wurden Facebook und Co. 2014 seltener genutzt, um zu chatten. Als Grund nennt die ZHAW die wachsende Beliebtheit von Messengern wie WhatsApp, die zu einer Verlagerung der Kommunikation führe.

Verändert hat sich auch das Kommunikationsverhalten in den sozialen Medien. So wurden Facebook und Co. 2014 seltener genutzt, um zu chatten. Als Grund nennt die ZHAW die wachsende Beliebtheit von Messengern wie WhatsApp, die zu einer Verlagerung der Kommunikation führe.

flickr.com/janpersiel

Unter der Woche verbringen Schweizer Jugendliche täglich rund zwei Stunden im Internet, am Wochenende und in den Ferien sind es rund drei Stunden pro Tag. Dies geht aus der James-Studie (siehe Box) der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften hervor.

Dabei dient das Internet nicht nur der Unterhaltung, sondern auch zur Beschaffung von Informationen. An erster Stelle steht allerdings nicht Google, sondern Youtube. Vier Fünftel der befragten Jugendlichen gaben an, sich beim Lösen von Hausaufgaben regelmässig auf der Videoplattform Hilfe zu holen. Co-Studienleiter Gregor Waller vermutet, dass bei Jugendlichen vor allem Video-Tutorials beliebt sind.

So hat die Videoplattform im letzten Jahr Facebook als beliebteste Website abgelöst. Einen möglichen Grund sieht Waller darin, dass mit Tutorials gewisse Probleme einfacher und attraktiver erklärt werden können, als dies etwa ein bebilderter Text kann. Auch er selbst hat bereits gute Erfahrungen gesammelt: «Mit Youtube habe ich mir zum Beispiel den Krawattenknopf beigebracht», sagt Waller.

Youtube bringt einen Mehrwert

Dass Jugendliche sich auf Youtube Informationen zu ihren Hausaufgaben holen, findet Beat Zemp, Präsident des Schweizer Lehrerverbandes, grundsätzlich nicht schlecht. «Das ist ein nachvollziehbarer Reflex. Wenn Junge heutzutage etwas nicht verstehen, dann gehen sie ins Netz und googeln die Frage oder versuchen eben auf Youtube Informationen zu finden.»

Dies könne durchaus einen Mehrwert bringen, vor allem wenn beispielsweise die Eltern oder älteren Geschwister nicht zu Hause seien. «Wichtig ist, dass sie das Problem seriös angehen und auf den richtigen Seiten suchen», so Zemp. Es gebe durchaus professionelle Youtube-Videos, die bei Hausaufgaben helfen könnten. «Wenn die Jugendlichen jedoch einfach auf gut Glück im Internet surfen und nicht wissen, wonach genau sie suchen sollen, ist die Ablenkungsgefahr natürlich gross.»

«Wer nicht mitdenkt, schreibt einen Quatsch ab»

Auch Jugendpsychologe Allan Guggenbühl ist der Meinung, dass Youtube ein wertvolles Mittel zur Unterstützung von Hausaufgaben sein kann. «Die Jugendlichen arbeiten eigenständiger und erarbeiten so individuelle Strategien, um ihre Aufgaben lösen zu können. Das ist lobenswert.» Doch auch er betont die notwendige Disziplin: Die Ablenkungsgefahr im Internet sei gross, nicht nur für Schüler.

«Um sich nicht in den Tiefen des Internets zu verlieren, müssen die Jungen fokussiert vorgehen und dürfen das Ziel nicht aus den Augen verlieren.» Ein weiteres Problem stellen laut Guggenbühl fehlerhafte Quellen dar: «Wer nicht mitdenkt, schreibt irgendeinen Quatsch ab.» Youtube-Videos seien eine Hilfestellung, aber kein Ersatz für eigenständiges Denken.

Die James-Studie

Alle zwei Jahre befragt die Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) im Auftrag von Swisscom über 1000 Jugendliche im Alter von 12 bis 19 Jahren in den drei grossen Sprachregionen der Schweiz zu ihrem Medienverhalten. Nachdem im Herbst 2014 erste Ergebnisse präsentiert worden sind, liegt nun die vollständige Studie vor.

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