Kunst: YSL-Auktion bricht Rekorde
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KunstYSL-Auktion bricht Rekorde

Die Versteigerung der Kunstsammlung Yves Saint Laurents wird in die Geschichte des internationalen Kunstmarktes eingehen. Bis Mittwochnachmittag kamen im Pariser Grand Palais bereits Gemälde und dekorative Kunst für mehr als 307 Millionen Euro unter den Hammer.

Die Gebote lagen trotz Wirtschaftskrise um das Vielfache über den höchsten Schätzwerten und übertrafen die kühnsten Erwartungen von Pierre Bergé, dem langjährigen Lebenspartner des im Juni verstorbenen Modeschöpfers YSL. Nachdem am Montag- und Dienstagabend die Rekorde gepurzelt waren, als moderne und impressionistische Kunst und Designstücke mit atemraubendem Tempo den Besitzer wechselten, standen am Mittwoch Bronzeskulpturen zum Verkauf. Auch dabei lagen die erzielten Preise in der Regel weit über den Schätzungen. So ging ein venezianisches Skulpturenpaar, das Jupiter und Juno darstellt, für 115 000 statt der erwarteten 30 000 Euro an den neuen Besitzer.

Mit Spannung wurde insbesondere der für den Abend vorgesehene Bieterwettbewerb um zwei chinesische Bronzestatuen aus der Qing-Dynastie erwartet. China betrachtet die Skulpturen, einen Ratten- und einen Kaninchenkopf, als Beutekunst und verlangt ihre Rückgabe. Die französische Justiz hat einen entsprechenden Antrag aber in letzter Minute abgelehnt.

22 Millionen Euro für einen Sessel

Einzigartig ist die Auktion nicht nur wegen ihres Volumens - insgesamt 733 Sammlerstücke hatte Bergé angeboten. Auch das Ambiente in dem 45 Meter hohen, von einer Glaskuppel überwölbten Ausstellungssaal sucht Seinesgleichen. Mehr als 1200 Bieter waren registriert, darunter das Who-is-who der internationalen Kunstszene und der Superreichen. Vor Beginn der jeweiligen Sitzungen schallten Opernarien durch den mit Teppichen ausgelegten und schwarzen Stühlen bestückten Prachtbau.

Und selbst bei den fulminantesten Ergebnissen, etwa den 35,9 Millionen Euro für ein Matisse-Gemälde oder den 21,9 Millionen Euro für einen Drachensessel von Eileen Gray, blieb die Atmosphäre nobel und gelassen. Das Art-déco-Werk erzielte den zweithöchsten Preis, der jemals für ein Möbelstück geboten wurde.

Weiteres Prunkstück der Versteigerung vom Dienstagabend war ein vierköpfiger Silberpokal aus ehemaligem Welfenbesitz. Die Stadt Osterode hatten den Pokal 1649 dem Regenten Georg-Wilhelm geschenkt. Nun geht sie aus dem Besitz Bergés in die Hände der Pariser Galerie Kugel über, die für 853 000 Euro den Zuschlag erhielt. Das geschätzte Höchstgebot lag bei 150 000 Euro.

Mit dem Erlös aus der Versteigerung will Bergé die Stiftung finanzieren, die den Nachlass Yves Saint Laurents verwaltet, sowie die Aids-Forschung unterstützen. (dapd)

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