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Klassiker im Berner OberlandYules Topform und Zenhäuserns Lieblingshang

Das Schweizer Slalomteam reist mit breiter Brust nach Adelboden. Es winkt der erste Podestplatz seit dreizehn Jahren.

von
Carlo Emanuele Frezza
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Daniel Yule feierte in Madonna di Campiglio seinen zweiten Weltcupsieg im Slalom.

Daniel Yule feierte in Madonna di Campiglio seinen zweiten Weltcupsieg im Slalom.

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Ramon Zenhäusern ist in Topform, hatte diesen Winter aber schon zwei Ausfälle.

Ramon Zenhäusern ist in Topform, hatte diesen Winter aber schon zwei Ausfälle.

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Tanguy Nef zählt zu den klaren Aufsteigern.

Tanguy Nef zählt zu den klaren Aufsteigern.

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Am Sonntag findet in Adelboden die Englische Woche der alpinen Slalomspezialisten ihren Höhepunkt. Nach Zagreb und Madonna di Campiglio steht bereits das dritte Rennen innert sieben Tagen auf dem Programm. Und es herrschen beste Voraussetzungen für ein Skifest mit Schweizer Beteiligung. Dies liegt zum einen am Sieg von Daniel Yule in Norditalien, zum anderen aber auch am immer stärker werdenden Männer-Slalomteam.

Ein Podestplatz in Adelboden käme aber einer Ausnahme gleich. Erst elfmal stand ein Hiesiger am Chuenisbärgli auf dem Slalompodest. Zehn Podestplätze stammen aus der Zeit vor dem Weltcup – von 1955 bis 1961. Danach ist in Adelboden für 39 Jahre nur noch der Riesenslalom auf dem Programm gestanden.

Ernüchternde Bilanz

Seit der Adelbodener Slalom zu Beginn dieses Jahrhunderts ins Weltcupprogramm der Männer aufgenommen worden ist, hat es nur noch ein Schweizer auf das prestigeträchtige Podium geschafft. Marc Berthod hat sich 2007 mit der Startnummer 60 in einem spektakulären zweiten Lauf, auch dank den Witterungsbedingungen, von Position 27 zum Sieg katapultiert.

Nimmt man die Top-Ten-Platzierungen der Schweizer in den Adelbodener Slaloms seit 2000 unter die Lupe, wird die Bilanz erst richtig ernüchternd. In den siebzehn Rennen, die seither ausgetragen worden sind, haben sich die Schweizer nur zwölfmal in den Top Ten klassiert. Abgesehen vom Sieg von Berthod ist Ramon Zenhäusern dem Podest am nächsten gekommen – im vergangenen Winter als Fünfter.

Der Walliser aus Visp ist mit ein Grund, weshalb die Schweiz für den bevorstehenden Adelbodener Slalom Mut schöpfen kann. Neben der Variabel Z wie Zenhäusern verfügt das Slalomteam aber auch über die Variabel Y wie Daniel Yule. Beide sind ernste Kandidaten für einen Platz auf dem Podium an diesem Sonntag.

Zieleinfahrt von Daniel Yule

Vorjahressieger Daniel Yule gewinnt auch heuer den Slalom von Madonna di Campiglio.
(Video: SRF)

Zenhäuserns Lieblingsrennen

Ramon Zenhäusern ist nach ruhigen Festtagen in seinem Chalet in der Moosalpregion bei Bürchen, wo jüngst auch eine Piste nach ihm benannt worden ist, so in das neue Kalenderjahr gestartet, wie er das letzte abgeschlossen hat: Mit einem Spitzenresultat und einem Ausfall.

Die Ausfallquote des Oberwallisers ist in der laufenden Saison mit fünfzig Prozent zwar aussergewöhnlich hoch, doch wer genauer hinschaut, merkt schnell: Der 27-Jährige ist in einer bestechenden Form. Sowohl in Val-d'Isère im Dezember als auch am Mittwoch in Madonna di Campiglio ist er bis zum entscheidenden Fehler auf Podestkurs gewesen. Zum Saisonauftakt in Levi haben ihm als Vierter 0,27 Sekunden und in Zagreb als Zweiter 0,07 Sekunden zum Sieg gefehlt.

Zum Chuenisbärgli pflegt Zenhäusern eine gute Beziehung. Hier hat er vor sieben Jahren seine ersten Weltcuppunkte geholt und vor vier Jahren als Sechster eines seiner ersten Spitzenresultate erzielt. Sicherlich auch deshalb bezeichnet er das Rennen am Chuenisbärgli als sein Lieblingsrennen.

Yule besticht durch Konstanz

Der Mann der Stunde im Slalomteam der Männer ist aber ein anderer: Daniel Yule. Mit seinem Sieg in Madonna di Campiglio ist der Unterwalliser in einen exklusiven Kreis der Schweizer Skigeschichte vorgestossen. Zwei Siege in einem Slalom, das haben vor ihm in der Geschichte des Weltcups nur Didier Plaschy, Pirmin Zurbriggen und Dumeng Giovanoli hingekriegt.

Bei Yule sticht besonders seine Konstanz heraus. Sein letzter Ausfall datiert vom März 2018 in Kranjska Gora. Seither ist er in vierzehn Rennen zwölfmal in die Top Ten und fünfmal auf das Podest gefahren. Auch seine Platzierungen in Adelboden lassen sich sehen, auch wenn ein Spitzenresultat noch fehlt. In den letzten vier Jahren ist er im Berner Oberland 13., 8., 12. und 8. geworden.

Wer ist die Variable X?

Die bisherigen Leistungen und die Entwicklung der beiden Walliser zeigen: Die Zeit ist reif für einen Schweizer Podestplatz in Adelboden. Doch was, wenn sowohl die Variable Y als auch die Variable Z enttäuschen sollten? Wer ist die Variable X?

Gleich mehrere Fahrer könnten in die Bresche springen. Kaum einmal ist ein Schweizer Slalomteam so stark und so breit aufgestellt gewesen wie im Moment. Tanguy Nef, Sandro Simonet sowie Loïc Meillard sind Fahrer, denen der Sprung in die Top Ten zuzutrauen ist. Oder gelingt Luca Aerni, Reto Schmidiger oder Marc Rochat der langersehnte Turnaround?

Der Druck lastet nichtsdestotrotz auf den Schultern von Yule und Zenhäusern. Sie sind es, die die Schweizer Flagge wieder auf das Slalompodest von Adelboden bringen müssen.

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