Ungewohnte Bilder: Zaatari, das twitternde Flüchtlingscamp
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Ungewohnte BilderZaatari, das twitternde Flüchtlingscamp

Wie richtet man sich provisorisch ein, wenn man Hals über Kopf seine Heimat verlassen musste? Dank den Tweets einer Mitarbeiterin aus einem Flüchtlingscamp wissen wir es.

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Willkommen im Flüchtlingscamp Zaatari bei Al-Mafraq an der syrischen Grenze zu Jordanien. Hierher haben sich rund 100'000 syrische Flüchtlinge in Sicherheit gebracht.

Willkommen im Flüchtlingscamp Zaatari bei Al-Mafraq an der syrischen Grenze zu Jordanien. Hierher haben sich rund 100'000 syrische Flüchtlinge in Sicherheit gebracht.

Twitter/@ZaatariCamp
Seit Mitte Februar 2015 kann man Pizza bestellen - und diese wird sogar geliefert. Per Velo.

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Twitter / Nasser Touaibia
Naserddine Touaibia, eine Mitarbeiterin des Flüchtlingskommissariats der Vereinten Nationen, fotografiert den Alltag im Camp und verbreitet die Bilder seit Oktober 2013 auf Twitter.

Naserddine Touaibia, eine Mitarbeiterin des Flüchtlingskommissariats der Vereinten Nationen, fotografiert den Alltag im Camp und verbreitet die Bilder seit Oktober 2013 auf Twitter.

Twitter/@ZaatariCamp

Die kleine Mais führt ihre Taekwondo-Künste vor, Abu Yazan präsentiert seinen liebevoll angelegten Garten und Suhaib das kunstvolle Bett, das er aus Bodenteilen eines alten Wohnwagens konstruiert hat. Die drei leben im Flüchtlingscamp Zaatari bei Al-Mafraq an der syrischen Grenze zu Jordanien. Naserddine Touaibia, eine Mitarbeiterin des Flüchtlingskommissariats der Vereinten Nationen, hat sie fotografiert und die Bilder auf Twitter verbreitet (siehe Diashow oben und Tweets unten).

Rund 100'000 Flüchtlinge leben im Camp, die meisten von ihnen stammen aus der zentral-syrischen Gegend um Homs. Als sie vor zwei Jahren vor dem Bürgerkrieg in ihrem Land flohen, war Zaatari nichts weiteres als eine riesige Zelt- und Containerstadt.

20 Tonnen Kleider helfen 10000 Menschen

«Die Situation war schlimm. Es gab kein Wasser, keinen Strom», erzählt Kathrin Wieland, Geschäftsführerin von «Save the Children» dem Radiosender «Deutschlandfunk». Nicht einmal genug zu essen gab es, erinnert sich Wieland weiter.

Das erste «twitternde Camp» der Welt

Heute ist die Lage etwas anders, besser. Trotzdem ist es Uno-Mitarbeiterin Touaibia wichtig, «dass die Menschen sich bewusst sind, dass der Konflikt nicht vorbei ist», sagt die Frau der britischen Zeitung «The Independent».

Touaibia twittert darum regelmässig Bilder vom Flüchtlingslager. Als sie im Oktober 2013 damit begann, war Zaatari «das erste twitternde Camp». In der Zwischenzeit habe sich vieles getan, berichtet die UN-Helferin: «Über 90 Prozent der Camp-Bevölkerung hat Strom, was den Menschen unter anderem erlaubt, Nachrichten zu erhalten».

Im Camp gibt es inzwischen 3000 Einkaufsläden und fast alle Kinder gehen zur Schule. «Mit dem Twitter-Account erzähle ich über den Alltag der Flüchtlinge. Ich zeige, wie wir ihnen helfen und was die Menschen mit einfachsten Materialien machen können.» Zaatari sei ein ganz besonderer Ort, sagt Touaibia. Ihre Tweets sind der Beweis.

Die kleine Mais zeigt, was sie in der Taekwondo-Schule gelernt hat.

Mit viel Liebe hat Abu Yazan einen kleinen Garten gebaut.

Alles wird wieder verwendet: Diese zwei Männer haben ein neues Bett gebaut — mit den Böden alter Container.

In Zaatari gibt es sogar ein Restaurant.

In Zaatari gibt es inzwischen über 3000 Einkaufsläden.

Zur Erinnerung: Das war Zaatari zu Beginn des Syrien-Konflikts, im Bild rechts Zaatari heute:

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