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17-minütiger MonologUS-Nachrichtensender brechen Übertragung von Trumps Rede ab

Der amtierende Präsident hat seine Vorwürfe des Wahlbetrugs in einer Ansprache im Weissen Haus noch einmal bekräftigt – und Kritik aus eigenen Reihen geerntet. Von Republikanern und seinem Haussender Fox News.

Darum gehts

  • Donald Trump hat sich erstmals seit der Wahlnacht wieder vor den Medien geäussert und seine Vorwürfe des Wahlbetrugs wiederholt.

  • Er sagt, es werde viele Klagen geben. Er sieht sich weiterhin als legitimer Gewinner.

  • Kritik bekommt er aus den eigenen Reihen. So heisst es, er solle Beweise für seine Anschuldigungen liefern.

Als Präsident Donald Trump in der Wahlnacht im Ostsaal des Weissen Hauses vor seine jubelnden Gäste trat, warf er sich in Siegespose. Ganz anders sein erster öffentlicher Auftritt seit dieser denkwürdigen Nacht. Beim 17-minütigen Monolog im Presseraum des Weissen Hauses wirkt Trump am Donnerstagabend gedämpft und gar nicht in der Kampfstimmung, wie man sie von seinen Wahlkampfauftritten kennt. Vom Zettel liest er eine lange Liste an Vorwürfen über angeblichen Wahlbetrug ab, die bislang allesamt unbelegt sind. Nachrichtenagenturen verbreiten dazu ein Foto, das womöglich zukunftsweisend ist: Trump im Hintergrund am Podium, im Vordergrund ein Schild mit roten Lettern: «Exit», Ausgang.

Die Sender ABC, CBS und NBC brachen ihre Übertragung der Pressekonferenz ab. «NBC Nightly News»-Nachrichtensprecher Lester Holt schaltete nach gerade einmal fünf Minuten zu den News über, wie «Fox News» berichtet. «Wir müssen hier unterbrechen, weil der Präsident eine Reihe falscher Aussagen gemacht hat, einschliesslich der Vorstellung, dass es eine betrügerische Wahl sei, so Holt. «Es gibt keine Beweise für diese Behauptungen». Danach folge CBS-Moderatorin Norah O’Donall, um eine «Überprüfung der Fakten» zu ermöglichen. ABC folgte dem Beispiel ebenfalls. Fox News und CNN übertrugen Trumps Pressekonferenz ohne Unterbrechung.

Ist dieses Bild zukunftsweisend? Donald Trump hält seine Ansprache im Weissen Haus. (5. November 2020)

Ist dieses Bild zukunftsweisend? Donald Trump hält seine Ansprache im Weissen Haus. (5. November 2020)

REUTERS

Er wolle die Amerikaner über seine «Bemühungen zum Schutz der Integrität unserer sehr wichtigen Wahl» informieren, sagt Trump. Was er eigentlich meint, sind seine Bemühungen, eine drohende Niederlage gegen seinen Herausforderer Joe Biden um jeden Preis abzuwenden. Trump behauptet, würden nur legitime Stimmen ausgezählt, würde er die Wahl «mit Leichtigkeit» gewinnen. Der Präsident macht Manipulationen dafür verantwortlich, dass Biden in wichtigen Bundesstaaten aufholt. Er tut so, als wäre es bei einer Stimmenauszählung ausgeschlossen, dass ein Kandidat den anderen überflügeln könnte. Zumindest dann, wenn der ursprüngliche Spitzenreiter Trump heisst.

«Das ist ein Fall, wo sie versuchen, eine Wahl zu stehlen», sagt Trump – mit «sie» meint der Republikaner Bidens Demokraten. «Sie versuchen, eine Wahl zu manipulieren. Und das können wir nicht zulassen.» Er beklagt, dass er in der Wahlnacht in Pennsylvania um 700’000 und in Georgia um 300’000 Stimmen vor Biden gelegen habe – und dass dieses Plus seitdem stetig abnehme. Während er spricht, schrumpft sein Vorsprung in den beiden Bundesstaaten weiter zusammen. Trump will dagegen mit «einer Menge Klagen» vorgehen. «Letztendlich habe ich das Gefühl, dass die Richter entscheiden müssen», sagt er. Kurz danach verlässt er den Raum, ohne Fragen zu beantworten.

Der Moderator des Trump-kritischen Senders CNN sagt zu dem Auftritt: «Was für ein trauriger Abend.» Daniel Dale, ein CNN-Reporter, der es mit Trump-Faktenchecks zur Bekanntheit gebracht hat, meint auf Twitter: «Ich habe alle Ansprachen von Trump seit 2016 gelesen oder angeschaut. Das ist die unehrlichste Ansprache, die er je gehalten hat.» In einem Tweet von Präsidentennichte Mary Trump – die vor einer Wiederwahl ihres Onkels gewarnt hat – heisst es: «So sieht es aus, wenn ein Verlierer verliert.»

Allerdings wird Trump nicht nur von den üblichen Verdächtigen angegriffen. Mit seinen wilden Betrugsvorwürfen steht er auch im eigenen Lager zunehmend isoliert da.

«Es gibt keine Rechtfertigung für die Äusserungen des Präsidenten heute Abend, die unseren demokratischen Prozess untergraben», schrieb der republikanische Gouverneur von Maryland, Larry Hogan, am Donnerstagabend (Ortszeit) auf Twitter.

«Amerika zählt die Stimmen und wir müssen die Ergebnisse respektieren, wie wir es immer getan haben. Keine Wahl oder Person ist wichtiger als unsere Demokratie», fuhr Hogan fort. In einem Interview mit dem Sender PBS warf er Trump und dessen Lager vor, mit Warnungen vor der Briefwahl den Boden für das jetzige Vorgehen – das Anzweifeln der Ergebnisse – bereitet zu haben. Hogan ist der Vorsitzende der Nationalen Vereinigung der Gouverneure.

Der Kongressabgeordnete Adam Kinzinger forderte, für Betrugsvorwürfe Beweise vorzulegen und sie vor Gericht zu präsentieren. «Hören Sie auf, entlarvte Falschinformationen zu verbreiten... Das wird langsam verrückt», schrieb er auf Twitter.

Senator Pat Toomey – auch er ein Republikaner – sagt CNN: «Mir ist kein nennenswertes Ausmass an Betrug bekannt. Niemand hat mich auf etwas aufmerksam gemacht, das mich veranlasst zu sagen, dass es einen riesigen Betrugsfall gibt, der sofort angegangen werden muss.»

Selbst bei Trumps Haussender Fox News klingt die Moderatorin nach dem Auftritt des Präsidenten zweifelnd. «Er sagt, wir haben so viele Beweise, so viele Belege, dass die Wahl gestohlen wurde», sagt sie. «Die müssten dann also vorgelegt werden, wenn es sie tatsächlich gibt.»

Was Trump ebenfalls schmerzen dürfte: Sogar die von ihm zuletzt hochgelobte Boulevardzeitung «New York Post» – die eine Wahlempfehlung für ihn aussprach – übt Kritik. «Präsident Trump wiederholte seine haltlose Behauptung, dass politische Gegner versuchten, die Wahl zu stehlen», schreibt das Blatt nach seinem Auftritt. Trump wolle nicht anerkennen, dass die Wahl noch im Gange sei – und dass legitime Stimmen ausgezählt würden.

(SDA)

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