Junge besonders gefährdet: Zahl der Arbeitslosen steigt – was kommt auf uns zu?
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Junge besonders gefährdetZahl der Arbeitslosen steigt – was kommt auf uns zu?

40 Prozent mehr Arbeitslose als vor der Corona-Krise – herrscht nun schon Massenarbeitslosigkeit? Und wie lange reicht das Geld der Arbeitslosenkasse noch?

von
Fabian Pöschl
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Ende Januar waren fast 170’000 Personen bei den RAVs eingeschrieben.

Ende Januar waren fast 170’000 Personen bei den RAVs eingeschrieben.

Tamedia AG
Das sind über 40 Prozent mehr als noch vor Corona im Januar 2020.

Das sind über 40 Prozent mehr als noch vor Corona im Januar 2020.

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Die Personalberater bei den RAVs sind derzeit am Anschlag.

Die Personalberater bei den RAVs sind derzeit am Anschlag.

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Darum gehts

  • Die Arbeitslosenzahl ist im Januar auf fast 170’000 gestiegen.

  • Das sind rund 40 Prozent mehr als im Januar 2020.

  • 20 Minuten zeigt auf, wer besonders betroffen ist und wie schlimm es noch kommt.

Der Job-Killer Corona hat die Arbeitslosenzahlen weiter in die Höhe getrieben. Ende Januar waren 169’753 Arbeitslose bei den Regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV) angemeldet. Das sind über 40 Prozent mehr als im Vorjahresmonat, wie das Staatssekretariat für Wirtschaft mitteilt.

Herrscht nun schon Massenarbeitslosigkeit in der Schweiz oder steht das Land kurz davor? Wie lange reicht das Geld aus dem Topf der Arbeitslosenkasse noch? 20 Minuten beantwortet die wichtigsten Fragen zur Lage auf dem Arbeitsmarkt:

Wie schlimm ist der 40-Prozent-Anstieg?

«In absoluten Zahlen sieht es schlimm aus», sagt Raiffeisen-Ökonom Domagoj Arapovic zu 20 Minuten. Doch der Experte relativiert: «Die Arbeitslosenquote ist mit 3,7 Prozent im internationalen und historischen Vergleich immer noch tief.» Die Schweiz habe schon schlimmere Zeiten erlebt – zuletzt nach der Wirtschaftskrise 2008, als die Arbeitslosenquote über 4 Prozent erreichte.

Wer ist am stärksten betroffen?

Am schlimmsten trifft es laut Raiffeisen-Experte Arapovic den Niedriglohnsektor, etwa in der Gastro- und Hotellerie-Branche sowie im Detailhandel. Gebeutelt seien aber auch kleine Industriebetriebe. Besonders schwer hätten es Ausländer, Ü-50er und Junge. Die Jugendarbeitslosigkeit ist laut Economiesuisse-Chefökonom Rudolf Minsch besonders gefährlich: «Die jungen Leute könnten Probleme bekommen und so den Einstieg ins Berufsleben nicht mehr schaffen.» Er hofft auf eine schnelle Normalisierung des Arbeitsmarkts, damit Praktika wieder möglich sind.

Jugendarbeitslosigkeit steigt um 41 Prozent

Die Arbeitslosigkeit bei den 15- bis 24-Jährigen erhöhte sich um 72 auf 17’766 gemeldete Stellensuchende. Das entspricht gemäss dem Staatssekretariat für Wirtschaft einem Anstieg um 0,4 Prozent im Vergleich zum Dezember. Verglichen mit dem Vorjahresmonat beträgt der Anstieg 5169 Personen oder 41 Prozent.

Ist nur die Krise schuld am Anstieg?

Nein, Rudolf Minsch erklärt den Anstieg auch mit saisonbedingten Effekten. So gibt es etwa auf dem Bau oder dem Gastgewerbe in den Wintermonaten weniger Arbeit, wie es auf Anfrage beim Amt für Wirtschaft und Arbeit des Kantons Zürich heisst.

Wie schlimm wird es noch?

Raiffeisen-Ökonom Arapovic glaubt nicht, dass die Arbeitslosenquote dieses Jahr für längere Zeit über 4 Prozent steigt. «Dank den derzeitigen Hilfsmassnahmen von Bund und Kantonen wird es zu keiner Konkurswelle kommen», so Arapovic. Erfahrungsgemäss dauere es nach einer Krise ein bis zwei Jahre, bis die Konkurse in die Höhe gehen. Ausserdem gebe es noch viel Spielraum bei den Staatsfinanzen für weitere Hilfspakete. Die Firmen wüssten das und würden deshalb so wenige Mitarbeitende wie nötig auf die Strasse stellen. Denn spätestens mit dem Aufschwung sei das Personal wieder gefragt. Economiesuisse-Ökonom Minsch verweist zudem auf den Fachkräftemangel etwa bei Ingenieuren, Pflegern und Handwerkern. Zudem werde sich in nächster Zeit eine Pensionierungswelle bemerkbar machen, weshalb es mehr offene Stellen geben dürfte.

Wie lange reicht das Geld?

Die Arbeitslosenkasse wird stark beansprucht, schliesslich kommen auch die Mittel für die Kurzarbeit aus diesem Topf. Doch es dürfte genug Geld vorhanden sein, denn der Bundesrat will sämtliche Kosten der Arbeitslosenversicherung für die 2021 ausbezahlten Kurzarbeitsentschädigungen übernehmen. Zuletzt steuerte er der Kasse Ende Januar 6 Milliarden Franken bei. Laut Raiffeisen-Ökonom Arapovic sollte das bereits für das ganze Jahr reichen, solange es zu keinem nochmaligen starken Anstieg der Kurzarbeitsanträge kommt.

Wie bereiten sich die RAVs auf den zusätzlichen Ansturm vor?

Viele Regionale Arbeitsvermittlungszentren (RAV) sind bereits jetzt am Anschlag. Betroffene berichten von «völlig überforderten Personalberatern». Sie fühlen sich alleingelassen. Beim für die Zürcher RAVs zuständigen Amt für Wirtschaft und Arbeit des Kantons Zürich war der Anstieg der Stellensuchenden aber bisher moderat und mehrheitlich saisonal bedingt, wie eine Sprecherin zu 20 Minuten sagt. Mit dem frühzeitig veranlassten und schrittweisen Personalausbau seien die Zürcher RAVs auch auf einen weiteren Anstieg gut vorbereitet.

Deine Meinung

352 Kommentare
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XYgelöst

09.02.2021, 23:49

Das Gewerbe muss zerstört werden weil dies zum Plan mitdazu gehört, damit der Staat als Retter die digitale Kontrolle der Bevölkerung installieren kann.

ardit.

09.02.2021, 23:14

Ich bin gar nicht zufrieden bei meinen Job. Und zwar habe eine vorgesetzrin die nicht anständig antwortet sondern arrogant u d herum stresst so gehts nicht weiter

Snow67

09.02.2021, 21:52

und draussen hats heute morgen geschneit