Trend: Zahl der Selbstmorde geht langsam zurück

Aktualisiert

TrendZahl der Selbstmorde geht langsam zurück

Die Zahl der Selbstmorde in der Schweiz ist seit 1991 von über 1500 auf 1300 pro Jahr zurückgegangen. Vor allem Männer verüben weniger Suizid. Punkto Selbsttötung mit Schusswaffen hält die Schweiz einen traurigen Europa-Rekord.

Dies geht aus dem neuesten Newsletter des Schweizerischen Gesundheitsobervatoriums Obsan hervor. Während die Zahl der Suizide bei Frauen seit 1990 um 400 pro Jahr schwankt, ging sie bei Männern von 1140 (1991) auf 863 (2006) zurück.

Diese Trends sind auch in anderen Ländern zu beobachten. Die Ursachen des stetigen Rückganges der Suizidraten sind unklar, heisst es in der Obsan-Publikation.

Mehr Suizide als tödliche Verkehrsunfälle

In der Schweiz sterben so dreimal mehr Menschen durch Selbstmord als durch Verkehrsunfälle. Nach Kreislauf- und Krebserkrankungen sowie Unfällen stehen Suizide an vierter Stelle punkto Anzahl verlorener potenzieller Lebensjahre.

Das Suizidrisiko wächst mit dem Alter. Im mittleren Alter zählt Suizid zu den häufigsten Todesursachen.

Männer begehen häufiger Selbstmord, Frauen mehr Selbstmordversuche. Aus hochgerechneten Zahlen der Agglomeration Bern lässt sich ableiten, dass im Mittelwert der Jahre 2004 bis 2006 schweizweit über 6000 Selbstmordversuche unternommen wurden. 17,6 Prozent dieser Versuche führten zum Tod.

Männer wählen meist Selbstötungsmethoden, die mit grosser Wahrscheinlichkeit den Tod bringen wie Erhängen oder Erschiessen. Frauen wählen häufiger Medikamente oder bringen sich Schnittverletzungen bei.

Erschiessen ist häufigste Suizid-Methode bei Männern

In keinem anderen europäischen Land begehen so viele Menschen Suizid mittels Schusswaffen. Im Mittel der Jahre 2004 bis 2006 verübten rund 250 Männer Selbstmord mit der Schusswaffe, das sind mehr als ein Viertel aller Selbstmorde von Männern.

Bei etwa einem Drittel dieser Suizide wird hierzu die Ordonanzwaffe der Armee benutzt. In vielen Ländern zeigte sich, dass durch gesetzliche Waffen-Regelungen eine Reduktion der Suizide erzielt werden konnte, schreibt das Obsan.

Rund 90 Prozent der Personen, die Selbstmord verüben, litten an einer psychischen Störung wie Depression, Schizoprenie oder Alkohol- oder Drogenkrankheit.

Grosse regionale Unterschiede

Bei den Suiziden bestehen grosse regionale Unterschiede. Besonders hohe Raten verzeichnen Appenzell Ausserrhoden und Schaffhausen (über 35 Suizide auf 100 000 Personen im Mittelwert der Jahre 2000 bis 2006), besonders tiefe das Tessin (knapp 16). Der schweizerische Schnitt liegt bei 25,4.

Anders als etwa England verfügt die Schweiz über kein nationales Suizidpräventionsprogramm. Nur wenige öffentliche Gelder fliessen in die Suizidprävention. (sda)

Schweiz hat immer noch relativ hohe Suizid-Rate

In der Schweiz kamen 2006 auf 100 000 Einwohner im Durchschnitt 17,3 Suizide, 1991 lag diese Rate bei knapp 23. Im europäischen Vergleich hat die Schweiz eine relativ hohe Selbstmord- Rate.

Vergleichbar ist diese etwa mit jener Frankreichs. Österreich liegt mit 15, Deutschland mit 12 und Italien mit 7 Suiziden auf 100 000 Einwohner klar darunter, wie aus Statistiken der WHO hervorgeht (die Zahlen Österreichs und Deutschlands beziehen sich allerdings auf 2007/08, jene Italiens auf 2002).

An der Spitze, mit 30 bis 40 Suiziden pro 100 000 Einwohner und Jahr, liegen Litauen, Weissrussland und Russland, gefolgt von Slowenien, Ungarn und Kasachstan (25 bis 26).

Nach Informationen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sterben jährlich rund eine Million Menschen durch Selbsttötung.

Deine Meinung