Seilbahnunglück in Italien - Eitan (5) darf Intensivstation verlassen

Seilbahnunglück in ItalienEitan (5) darf Intensivstation verlassen

Die Gondel einer Seilbahn bei Stresa am Lago Maggiore stürzte am Pfingstsonntag hunderte Meter in die Tiefe. Es gibt 14 Tote.

von
Newsdesk

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Montag, 31.05.2021

Eitan auf dem Weg zur Genesung

Der Zustand des fünfjährigen Eitan, der als einziger das Seilbahnunglück in Norditalien überlebte, bessert sich weiter. Der Fünfjährige könne am Dienstag von der Intensivstation auf eine andere Station verlegt werden, teilte das Kinderkrankenhaus in Turin am Montagabend mit. Seine Brust- und Bauchverletzungen besserten sich. Seine Tante sei bei ihm, heisst es weiter. (DPA)

Freitag, 28.05.2021

Junge aus dem Koma erwacht - Solidaritätsaktion für Eitan gestartet

Der 5-jährige Eitan, der den Unfall mit der Seilbahn Stresa-Mottarone überlebt hat, atmet selbstständig und reagiert nach Angaben der Ärzte gut auf die Behandlung. Nach drei Tagen im künstlichen Koma sei der 5-Jährige aufgewacht, scheibt «Corriere della Sera». Und er war im Stande, einige Worte mit seiner Tante zu wechseln. Der Junge erhalte über einen Tropf Schmerzmittel. Mit Prognosen seien die Ärzte noch zurückhaltend.

Die jüdischen Gemeinden hatten eine Spendenaktion gestartet und in vier Tagen 41'000 Euro (knapp 45'000 Franken) gesammelt.

Wie mehrere Medien berichten, könnte sein Vater Eitan das Leben gerettet haben, indem er ihn während des Unglücks umarmte.

Donnerstag, 27.05.2021

Särge in Israel

Nach dem tödlichen Seilbahnunglück in Italien sind die Särge von fünf israelischen Opfern am Mittwoch in das Heimatland gebracht worden. Eine Sondermaschine der israelischen Fluggesellschaft El Al landete am Abend laut Flugübersicht auf dem internationalen Flughafen bei Tel Aviv.

Zu Ehren eines der Opfer, Izchak «Izzy» Cohen (81), lautete die Flugnummer LY COHEN. Er gehörte nach Medienberichten zu den Gründungsmitgliedern der Fluggesellschaft.

Bei dem Gondelabsturz am Sonntag waren auch Cohens Ehefrau Barbara (71), seine Enkeltochter Tal (26) sowie deren Mann Amit (30) und ein zweijähriges Kind getötet worden. Der Familienvater hatte laut Medienberichten seit mehreren Jahren in Pavia südlich von Mailand Medizin studiert. Die Beisetzungen sind am Donnerstag und Freitag geplant.

Mittwoch, 26.05.2021

«Sie müssen bezahlen»

«Wenn mein Sohn an den manipulierten Bremsen gestorben ist, müssen sie dafür bezahlen», sagt die Mutter von Alessandro Merlo (29), der beim Seilbahnunglück ums Leben gekommen ist zur Zeitung La Repubblica. Dass die Verantwortlichen die Bremsen blockiert haben sollen, um weiter Touristen befördern zu können, mache sie wütend. «Ich bin sprachlos.» Unter den Opfern war auch Silvia Malnati (27), die seit drei Jahren mit Merlo verlobt war.

Opfer Alessandro Merlo (29) und seine Freundin Silvia Malnati (27).

Opfer Alessandro Merlo (29) und seine Freundin Silvia Malnati (27).

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Verhaftete sind geständig

In der Nacht auf Mittwoch soll es im Zusammenhang mit dem Seilbahn-Unglück am Lago Maggiore zu drei Verhaftungen gekommen sein.

Das Seilbahnsystem habe laut italienischen Medien offenbar einen umfassenden Service nötig gehabt. Die italienische Nachrichtenagentur Ansa berichtet, die drei Verhafteten hätten gestanden, dass die Bremsen absichtlich deaktiviert wurden. Denn offenbar gab es schon zuvor Probleme, weshalb Techniker einbestellt wurden.

Der Ausfall der Sicherheitsbremsanlage soll ihnen seit über einem Monat bewusst gewesen sein. Carabinieri Alberto Cicognani erklärt der «Bild»: «Die Bremsanlage hatte schon seit eineinhalb Monaten Probleme. Die Kabine bremste manchmal zwischen den Pylonen, dann mussten die Leute manuell auf die Pylonen klettern und das System händisch auszulösen. Wenn die rote Klammer drin war, aktiv war, dann war das Problem der Zwischenbremsung gelöst. Das war seit anderthalb Monaten bekannt.»

Drei Festnahmen

Nach stundenlangen Verhören in der Polizeikaserne in Stresa soll es im Zuge der Seilbahn-Katastrophe am Lago Maggiore mitten in der Nacht zu drei Festnahmen gekommen sein. Die leitende Staatsanwältin Olimpia Bossi erklärt: «Fotos zeigen, dass das Notbremssystem offenbar manipuliert war. Eine Metallgabel, welche die Notbremsen blockierte, war dort fixiert worden. Die Untersuchung hat bisher ergeben, dass das geschehen ist, um wiederholte Unterbrechungen der Seilbahn zu verhindern.» Dabei hätte das Seilbahnsystem einen umfassenden Service nötig gehabt.

Verhafteten wird mehrfacher Totschlag vorgeworfen

In der Nacht auf Mittwoch soll es zu den Festnahmen gekommen sein. Das berichten italienische Medien unter Berufung auf die Staatsanwaltschaft. Laut «La Stampa» handelt es sich um den Inhaber der Betreiberfirma Ferrovie del Mottarone, der die Anlage verwaltet, einen Ingenieur sowie um den Betriebschef. Sie seien um kurz vor vier Uhr nachts nach Verbania in Untersuchungshaft gebracht worden. Den Verhafteten wird mehrfacher Totschlag, fahrlässige Herbeiführung einer Katastrophe und Entfernen von Unfallverhütungsvorrichtungen in Verbindung mit einer schweren Körperverletzung vorgeworfen.

Sicherheitsmängel waren seit Wochen bekannt

Es soll bei der Seilbahn in der Vergangenheit beriets Fehlfunktionen gegeben haben. Den Festgenommenen soll der Ausfall der Sicherheitsbremsanlage seit Wochen bekannt gewesen sein. Bossi sagt: «Um diese Probleme auszuschalten, haben die Betreiber in vollem Wissen der Chefs die Metallgabel nicht entfernt. Als das Seil riss, versagte also das Notbremssystem.»

Dienstag, 25.05.2021

Wurden Fangbremsen deaktiviert?

Wie es zu dem Unglück kam, ist immer noch unklar. Es wird jedoch spekuliert, dass es etwas mit den eingebauten Fangbremsen zu tun haben könnte. Diese hatten nämlich versagt.

Auf den Bildern, die unter anderem auf der Seite des italienischen Mediums «La Stampa» veröffentlicht wurden, ist eine rote Gabel zu sehen, die nicht da sein sollte. Dies könnte den Berichten zufolge ein Indiz dafür sein, dass die Kabine nicht langsamer wurde und die Fangbremsen nicht gegriffen haben, nachdem ein Seil gerissen war. Mit dem speziellen Werkzeug, der sogenannten «Roten Gabel», lassen sich die Bremsen ausser Kraft setzen, wie «La Repubblica» schreibt.

Während des laufenden Betriebs sei die Anwendung dieser Gabeln strengstens verboten. Diese werden lediglich bei Wartungsarbeiten oder bei Fahrten ohne Passagiere eingesetzt, wie Seilbahn-Experte Piergiacomo Giuppani zur Zeitung sagt.

Noch keine Verdächtigen im Visier

Im Moment sei kein Name im Register der Verdächtigen eingetragen, aber es scheint eine Frage von Tagen, wenn nicht Stunden zu sein. «Keine Hypothese kann ausgeschlossen werden, nicht einmal die des menschlichen Versagens», sagte die Staatsanwaltschaft von Verbania Olimpia Bossi, die bereits am Sonntag, eine Stunde nach der Tragödie, am Unfallort war. Die Justiz beschlagnahmte auch die in den folgenden Augenblicken getätigten Telefonanrufe mit den Rettern.

AFP

Etappe des Giro d’Italia geändert

Nach dem tödlichen Seilbahn-Unglück am Monte Mottarone haben die Veranstalter des Rennrad-Wettbewerbs Giro d’Italia die Strecke für die am Freitag geplante Etappe geändert.

Die 19. Etappe war mit einem anspruchsvollen Anstieg über den Monte Mottarone in der norditalienischen Region Piemont geplant.

Die Rennleitung des Giro d’Italia habe in Übereinstimmung mit Italiens Infrastrukturminister Enrico Giovannini und der Region Piemont entschieden, den Streckenverlauf zu ändern.

Die neue Route sei 166 Kilometer lang, und der Start solle im Ort Abbiategrasso, westlich von Mailand erfolgen. (DPA)

Anlage stockte am Samstag

Wie die leitende Staatsanwältin Olimpia Bossi zur italienischen Zeitung «La Stampa» sagte, sei es bereits am Samstag zu einer Blockade der Anlage gekommen. «Nach dem, was uns mitgeteilt wurde, hat die Seilbahn angehalten und es wurde eine Intervention durchgeführt, um sie wieder in Betrieb zu nehmen.» Und weiter: «Ob dies mit dem Unfall zusammenhängt oder nicht, wissen wir immer noch nicht.»

Giro d’Italia soll umgeleitet werden

Nach dem Seilbahnunglück in Italien hat der italienische Verkehrsminister eine Umleitung des Radrennens Giro d’Italia gefordert. Die Strecke solle so geändert werden, dass die Fahrer nicht wie bislang vorgesehen am Freitag am Fusse des Mottarone vorbeikommen, forderte Minister Enrico Giovannini am Dienstag. Dies gebiete «der Respekt für die Opfer der Seilbahn-Tragödie».

Video einer Überwachungskamera soll neue Erkenntnisse liefern

Die Untersuchungen zur Ursache des Seilbahnunglücks in Norditalien mit 14 Toten laufen auf Hochtouren. Italienische Medien berichteten am Dienstag, dass die Staatsanwaltschaft unter anderem das Video einer Überwachungskamera gesichtet habe. Darauf sei zu sehen, wie sich die Gondel am Sonntag kurz vor der Bergstation am Monte Mottarone befunden habe, als plötzlich ein Seil riss und die Kabine talwärts abstürzte, schrieb unter anderem die Zeitung «Corriere della Sera». Mehrere der 15 Passagiere wurden demnach aus der Gondel geschleudert.

Die Zeitung «La Stampa» berichtet, das Video sei 14 Sekunden lang und «unerträglich perfekt.» Darauf sei zu sehen, wie das Förderseil wenige Meter vor der Bergstation riss. Darauf sei die Gondel talwärts gerollt bis zum nächsten Pfeiler und dann aus dem Tragseil gesprungen.

Die Staatsanwaltschaft in Verbania in der Region Piemont ermittelt unter anderem wegen fahrlässiger Tötung. Bei dem Unglück am Monte Mottarone, westlich des Sees Lago Maggiore, soll ersten Erkenntnissen zufolge eine Notbremse aus bislang ungeklärter Ursache nicht funktioniert haben.

Seilbahnbauer kommuniziert getätigte Wartungsarbeiten

Nach dem Seilbahnunglück am Lago Maggiore hat nun der Seilbahnbauer Leitner alle Termine von Kontrollen und Wartungsarbeiten offengelegt. Diese entsprächen nach eigenen Angaben den Anforderungen der geltenden Gesetzgebung und basieren auf dem mit der Betreibergesellschaft abgeschlossenen Wartungsvertrag.

So wurden noch am 3. Mai die Bremsanlagen der Fahrzeuge kontrolliert und gewartet. Seit Anfang 2021 wurde während insgesamt sieben Tage an der Bahn gearbeitet.

Leitner verweist darauf, dass die täglichen und wöchentlichen Kontrollen, welche die Betriebsvorschriften sowie die Bedienungs- und Wartungsanleitung vorsehen, in der Verantwortung des Betreibers liegen.

Montag, 24.05.2021

Suche nach der Ursache läuft

Die Staatsanwaltschaft der Gemeinde Verbania hat nach der Seilbahn-Tragödie die Ermittlungen übernommen, um die Unglücksursache zu klären. Vermutlich könnte ein Kabelriss der Grund für die Tragödie sein.

Der Präsident der Region Piemont, Alberto Cirio, forderte bei «Rainews 24» die Aufklärung des Unglücks. Italien sei ein Land der Sicherheit. Erst seit Samstag dürfen in Italien die Seilbahnen wieder nach Monaten der Schliessung wegen der Corona-Pandemie ihren Betrieb für Ausflügler aufnehmen. Das hatte die Regierung kürzlich beschlossen.

Augenzeugin spricht von lautem Knall

Grazie Aguzi war in der Nähe, als das Unglück passierte. Zu «La Repubblica» sagt sie: «Wir hörten einen lauten Knall, dann nochmal einen und man konnte sehen, wie Bäume einknickten. Dann war plötzlich alles ruhig.» Feuerwehr und Polizei seien kurze Zeit später eingetroffen, aber es handle sich um sehr unwegsames Gelände.

Sonntag, 23.05.2021

Ganze Familie aus Israel ausgelöscht

Eine ganze israelische Familie kam beim Seilbahnunglück von Stresa ums Leben: Der junge Vater Amit Biran mit seiner Frau Tal Peleg (27) und Söhnchen Tom (2), der im italienischen Pavia geboren wurde, starben. Auch seine Mutter Israel Konisky Cohen (71) und Vater Tshak Cohen (83), die aus Israel zu Besuch gekommen waren, sind unter den Toten. Das junge Paar lebte seit einigen Jahren in Italien: Amit Biran studierte Medizin an der Mailänder Uni und engagierte sich in seiner Freizeit für die jüdische Gemeinde in Mailand.

Das verletzte Kind (5) im Kinderspital von Turin ist laut einem Facebook-Eintrag des Parteichefs der rechten Partei Lega, Matteo Salvini, der älteste Sohn von Amit und Tal.

5-jähriges Kind nicht identifiziert

Das überlebende kleinere Kind wird derzeit im Spital von Turin wegen seiner schweren Verletzungen behandelt. Wie «Corriere della Sera» berichtet hat der Fünfjährige ein besorgniserregenden Brust- und Schädeltrauma sowie Beinbrüche erlitten. Er ist aber bei Bewusstsein.

Das Kind ist sehr erschrocken, schreibt die italienische Zeitung. «Fasst mich nicht an, ich habe Angst», sagte es auf Italienisch bei seiner Ankunft in der Notaufnahme. Das verletzte Kind liess zunächst nicht zu, dass Ärzte oder Krankenschwestern ihn berührten.

Die Behörden versuchen das Kind nun zu identifizieren, da es keinen Ausweis auf sich trug. «Bis jetzt hat kein Verwandter die Krankenhausleitung kontaktiert», sagte eine Spitalmitarbeiterin.

Inzwischen wurde das Kind sediert. Es spreche gut auf die Behandlung an, teilte ein Arzt mit.

Zahl der Toten steigt auf 14

Beim Unglück am Monte Mottarone ist die Zahl der Todesopfer auf 14 gestiegen. Wie italienische Medien berichten, ist eines der schwer verletzten Kinder im Kinderspital von Turin gestorben. Der Neunjährige lag im lebensgefährlichen Zustand auf der Intensivstation. «Wir haben alles Mögliche getan, aber obwohl wir es einige Stunden versuchten, hat er es nicht geschafft», sagte der Generaldirektor des Spitals zu «La Repubblica».

Keine Deutschen unter den Opfern

Unter den Toten bei dem Seilbahnunglück in Norditalien sind nach Erkenntnissen des Auswärtigen Amtes keine Deutschen. «Derzeit haben wir keine Hinweise, dass sich Deutsche unter den Opfern befinden», teilte ein Sprecher am Sonntagabend mit.

«Wir stehen zu dem tragischen Unfall der Seilbahn Stresa-Mottarone in Kontakt mit den Behörden vor Ort.»

Ein Kind lebensgefährlich verletzt

Die beiden schwer verletzten Kinder (5 und 9) mussten per Helikopter in das Kinderspital von Turin gebracht werden, berichtete ein Sprecher des Rettungsdienstes.

Nach Angaben der Zeitung «Il Corriere della Sera» liegt eines der Kinder in lebensgefährlichem Zustand auf der Intensivstation. Das zweite habe ein Schädeltrauma und Beinbrüche erlitten, sei aber bei Bewusstsein.

Überlastung ausgeschlossen

Eine Überlastung der Kabine scheint ausgeschlossen, da sie bis zu 35 Passagiere aufnehmen kann. Minister Enrico Giovannini kündigte die Einsetzung einer Untersuchungskommission an.