Unglücksfähre «Sewol»: Zahl der Toten steigt auf über 240

Aktualisiert

Unglücksfähre «Sewol»Zahl der Toten steigt auf über 240

Im Wrack der Sewol haben Taucher weitere Leichen gefunden. Insgesamt sind 260 Leichen geborgen worden. Damit gelten jetzt noch 42 der ursprünglich 476 Insassen als vermisst.

Zweieinhalb Wochen nach dem Untergang der südkoreanischen Fähre Sewol ist die Zahl der Todesopfer auf 260 gestiegen. Aus dem Wrack und der Umgebung vor der Südwestküste des Landes bargen Taucher am Wochenende nach Angaben der Behörden zwölf weitere Leichen. Damit gelten jetzt noch 42 der ursprünglich 476 Insassen als vermisst.

Bei einem Treffen mit Angehörigen der Opfer in der Nähe der Unglücksstelle kündigte Präsidentin Park Geun Hye am Sonntag schwerwiegende Konsequenzen für alle Beamte an, denen Mitverantwortung für die Katastrophe nachgewiesen werden könne.

Nach Berichten südkoreanischer Medien sagte Park vor den Familien, dass sie selbst Verantwortung für das Unglück und die Reaktion der Regierung darauf empfinde. «Wir untersuchen noch die Gründe für den Unfall. Wir werden alle Regierungsbeamte hart bestrafen, die ihre Pflichten nicht richtig erfüllt haben», wurde die Staatschefin von der Zeitung «The Korea Herald» zitiert.

Viele Angehörige warten im Hafen

Park traf sich den Berichten zufolge mit Dutzenden von Angehörigen im Hafen von Paengmok auf der Insel Chindo. Dort warten noch immer viele Menschen das Ende der Bergungsarbeiten ab. Es war ihr zweiter Besuch auf Chindo seit dem Untergang der Fähre. Ende April hatte sie sich bei einem Kabinettstreffen in Seoul für schlechtes Krisenmanagement nach dem Unglück entschuldigt.

Insbesondere die Familien kritisierten von Anfang an nicht nur die Besatzung der Sewol, sondern auch die Regierung, nicht genug für die Rettung der Insassen der gekenterten Fähre unternommen zu haben. Auch werden lasche Sicherheitsstandards für das Unglück mitverantwortlich gemacht.

Die Sewol war am 16. April gekentert. Die meisten Passagiere waren Jugendliche auf einem Schulausflug. Viele Insassen wurden bei dem Unglück im Bauch des Schiffs eingeschlossen. Bis zum Sonntagabend stieg die Zahl der geborgenen Todesopfer auf 248.

Schlechtes Wetter

Die Bergungsarbeiten wurden am Wochenende weiter durch die starke Strömung und hohe Wellen erschwert. Zuletzt nahm die Besorgnis zu, dass einige Leichen so weit vom Wrack abgetrieben sein könnten, dass sie nicht mehr gefunden werden.

Die Ermittler vermuten, dass eine Überladung des Schiffes sowie frühere Umbauten an der 20 Jahre alten Auto- und Personenfähre den Untergang mit verursacht haben könnten. Auch wird untersucht, ob die Ladung richtig gesichert war.

Der Kapitän und die anderen 14 leitenden Besatzungsmitglieder sitzen in Untersuchungshaft. Sie werden beschuldigt, die Passagiere nach der Havarie ihrem Schicksal überlassen zu haben. Nur 174 Insassen hatten gerettet werden können. (sda)

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